Wurde der Berliner Reichstag wirklich von „Deutschen“ erbaut?

Serie „Augenöffner“ (Teil 12)

Wer hat all die riesigen Kapitole, Bibliotheken und Denkmäler im griechisch-römischen Stil gebaut? Ist der Neoklassizismus wirklich „neo“? Und warum ist dieser Stil weltweit verbreitet, wie auch Triumphbögen oder griechische Tempel? Weiter im Augenöffner-Krimi!

Diese Artikelserie baut inhaltlich aufeinander auf, deshalb lies am besten von Anfang an.

Bevor ich mich an einer Deutung all der bisher präsentierten „Kuriositäten“ versuchen werde, wollen wir – wie versprochen – das gespenstische Gefühl noch auf die Spitze treiben. Ich erinnere, dass es mir dabei um die Erschütterung eingefahrener Denkbahnen geht, damit wir in unsere Wirklichkeit aufwachen und ihr angemessen handeln können.

Im letzten Artikel sahen wir Bilder von menschenleeren Metropolen ohne das geringste Zeichen von Leben, z.B. dieses:

Kommt man sich nicht vor wie in Theaterkulissen im Rohbau, wie in einem Filmset, bevor die Schauspieler kommen? Ein zugegeben fantastischer Erklärungsversuch ist, dass wir auf einen „Reset“ blicken, also den Moment nach einer Katastrophe, bevor diese Städten mit neuen Menschen wieder besiedelt wurden. Vor dem Hintergrund der gewaltigen Umsiedlungen in Europa im Zuge der beiden Weltkriege vielleicht gar nicht so abwegig, aber ich möchte diesen Ansatz hier nicht vertiefen.

Von Begriffen vernebeltes Denken

Nach allem bisher Gezeigten weiß ich vor allem eines: dass ich bisher blind durch diese Welt gelaufen bin, ohne das Gesehene zu befragen – z.B. das Kapitol in Havana.

Kapitol-Havanna

Ich erinnere mich noch an mein leises Stirnrunzeln, als ich es auf meiner Kubareise erblickte. Dieses riesige Gebäude wirkte nicht nur viel zu groß für diese kleine Insel, sondern auch total deplatziert inmitten all der Armut.

„Aber wer weiß schon, was die früher getrieben haben in kolonialen Zeiten“, so dachte ich mir, und wandte mich der süßen, tropischen „Wirklichkeit“ zu.

Damals fragte ich mich auch nicht nicht, wer das wann, mit welchen technischen, handwerklichen und baustofflichen Ressourcen denn gebaut haben soll. Ebenfalls entging mir die auffallende Ähnlichkeit mit dem Kapitol in Washington, dem in Arkansas, Iowa, Massachusetts und und und. Über 50 dieser Kolossalbauten gibt es in den USA, wie ich früher erwähnte und auch dieser Artikel beschreibt.

Mir war auch nicht die Ähnlichkeit zu Gebäuden wie dem Berliner Reichtstag aufgefallen,

oder zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Fühlt man sich da nicht ins alte Rom oder Griechenland versetzt? Immer diese Säulen und Kuppeln, und das dreieckige Giebelfeld über einem Architrav!

Und warum dachte ich mir nichts dabei? Weil sich – dem Drill im heutigen Schulsystem sei Dank – das Gesehene ohne Nachdenken sofort mit einem hübschen Begriff verband: Neoklassizismus. Aha, so ist das! Rein in die Denkschublade und fertig ist die „Erkenntnis“.

Wegen solcher auswendiggelernter, auf Glauben geschluckter Begriffe stellt sich eben niemand die Frage: wer hat das wann, und mit welchen technischen, handwerklichen und baustofflichen Ressourcen gebaut, und mit welcher Manpower in wievielen Jahren (siehe St. Petersburg aus dem letzten Artikel)? Wie haben die halbverhungerten europäischen Siedler das bewerkstelligt, die mit wenigen Habseligkeiten in ihren Planwagen durch die endlose Prairie zuckelten,

…zeitgleich nicht nur überall Kapitole, sondern auch Kirchen, Mansions und ganze Städte im Stil von London und Paris zu errichten? Und nach den häufigen Bränden natürlich auch noch immer wieder aufzubauen?

Chinesische Römer?

Offensichtlich ein Wunder – oder eine faule Geschichte. Und jetzt kommts: solche Bauten im griechisch-römischen Stil – private wie öffentliche – sind auch dort in Hülle und Fülle zu finden, wo es sie kulturgeschichtlich nicht geben dürfte, z.B. in Japan, China, Indonesien, Südamerika usw. Überall der gleiche Baustil. Eine gute Übersicht bietet dieses Video, ab min. 1:10 mit Angabe der Länder.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ooZrtsKEBME

Sogar Triumphbögen gibt es überall. Hier nur ein paar davon:

Gehen wir nach diesen Bildern, kann mit der offizielle gelehrten Differenzierung in unterschiedliche Kulturen, Reiche und Epochen etwas nicht stimmen.

Es erweckt den Eindruck einer weltweit verbreiteten, einheitlichen (Bau-) Kultur.

Handelt es sich um das sagenhafte Tartaria, wie viele denken, dessen Existenz ja offensichtlich aus den Geschichtsbüchern gelöscht wurde? Ist der Berliner Reichstag gar kein Bauwerk von „uns“ Deutschen, sondern stummer Zeuge dieser untergegangenen Kultur, in deren Erbe wir uns wie Schatten bewegen? Es scheint so, doch mehr dazu in der Endbetrachtung.

Die Wirkung von Gebäuden

Eines möchte ich aber jetzt schon zur Meditation geben: der Berliner Reichstag und das Kapitol in Washington haben gemeinsam, dass sie Sinnbilder für die Größe und Bedeutungder jeweiligen Nation sind. Sie sind mächtige, steinerne Symbole, deren Anblick leisen Stolz mit Tendenz zur Überhebung auslöst, nicht wahr? Wenn man aber bedenkt, dass eben diese Art von Nationalstolz die Völker seit 150 Jahren immer wieder in Kriege treibt, verändert sich der Blick auf diese Machtgebilde.

Repräsentieren diese gigantomanischen Bauten wirklich das Lebensgefühl heutiger Menschen, insbesondere der feingeistigen Deutschen?

Drücken diese wie aus der Antike wiederauferstandenen Klötzer unser Selbstverständnis aus, oder nicht eher einen völlig überzüchteten Machtwillen, ein vorindividuelles Großreich-Denken? Wie wir sehen werden, hat in den 1850er Jahren ein spiritueller Kampf stattgefunden, zwischen dem Freiheitsimpuls, der vor allem in deutschen Landen stark war, und altem obrigkeitshörigem Untertanendenken. Letzeres errang mit der Errichtung des Deutschen Reiches die Oberhand, und führte uns in eine Katastrophe nach der anderen.

Hier als Nachtrag noch ein Video zu den Kapitolen in den USA, mit Bildern ab min. 3:40, sowie Gedanken zu ihrer (angeblichen) Errichtung und bisweilen schnellem Abriss.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=uVkYNvaKJko

Als nächste „Merkwürdigkeit“ soll es im nächsten Artikel um den weltweiten Handel mit sogenannten Waisenkindern im 19. Jahrhundert gehen, die zudem in Arbeitshäuser genannten Gefängnissen gehalten wurden – auch in Deutschland!

Weiter zu Artikel 13

Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

- 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar: