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Wege aus der Krise: wie dichtende Denker Gesellschaft gestalten

Die Soziale Dreigliederung

1919, als Deutschland im Chaos des Bürgerkrieges versank – der ja ein Kampf von Gesellschaftskonzepten war – stellte Dr. Rudolf Steiner sein eigenes vor. Auf den ersten Blick wirkt es einfach, und es kam den damaligen Freiheitsbestrebungen entgegen. Der Kaiser hatte abgedankt und die alte Welt lag eh zerbrochen da. So war Raum für Neues und das Konzept fand Anklang, dass künftig nicht mehr der König oder ein allmächtiger “Vater” Staat über Denkinhalte bestimmen sollte, sondern jeder selbst.

Mutig wie Luther sollte jeder eigenverantwortlich und eigener Erkenntnis folgend Lehrer sein dürfen, Arzt, Ingenieur oder was immer Nachdenken und Wahrheitssuche erfordert. Welches Schulkonzept, Heilmittel oder Energieerzeugungssystem das richtige ist, sprich leben darf, sollten nicht mehr die da oben entscheiden, sondern allein die Nachfrage auf entsprechende Angebote. Wenn z.B. genügend Patienten die Homöopathie sinnvoller erscheint als Schulmedizin, wird sie ihren Platz in der Gesellschaft haben. Wenn nicht, dann nicht.

Rudolf Steiner forderte also Freiheit für das Geistesleben.

Auch in die Wirtschaft, mit Produktion, Handel und Güterverteilung sollte der Staat nicht hineinregieren, weil die Leute am grünen Tisch weder beurteilen können, was gebraucht wird, noch wie man es am besten produziert und verteilt. Sie haben ebenfalls keine Ahnung, wer welche Bedürfnisse hat, das weiß nur die sich umeinander sorgende Gemeinschaft. Nicht um Zuteilung geht es hier, sondern um freiwilliges Geben / Schenken aus dem Mitempfinden und Miterleiden der Bedürftigkeit. Ältere Geschwister und noch mehr die Mütter wissen, was gemeint ist.

Maßgeblich für die Wirtschaft muss deshalb die Brüderlichkeit sein.

So bliebe dem Staat nur ein Gebiet übrig: das Recht. Aber auch hier soll nicht von oben diktiert werden, was “rechtens” ist. Das beschließen die miteinander lebenden Menschen in demokratischer Abstimmung, insofern es sich um allgemeinmenschliche Fragen handelt – etwa ob Kinder arbeiten sollen, Frauen dem Mann hörig sind etc. Solches Recht wird in der Beratung von Gleichen unter Gleichen beschlossen und “gesetzt”.

Im Rechtsleben soll folglich Gleichheit herrschen.

Der Einheitsstaat würde entsprechend in drei voneinander unabhängige Bereiche aufgegliedert werden, die sich selbst verwalten. Das alte Führungsprinzip mit hörigen Gefolgsleuten soll ersetzt werden durch Selbstführung. Wie es für freie Denker und Dichter nur angemessen ist, folgen diese keinen menschlichen Anführern, sondern geistigen – auch bekannt als Ideale.

Ideale sollten zukünftig den Ton angeben, und zwar jene drei, die wir in der Nationalhymne noch heute besingen: Einigkeit, Recht und Freiheit – oder mit Rudolf Steiners Worten: Brüderlichkeit, Gleichheit, Freiheit. In dieser Weise wurden sie erstmals in der Französischen Revolution formuliert. Hier die übliche Darstellung des Gemeinten, die wir gleich durch die schon eingeführte Lemniskate und den Torus ersetzen werden.

Konsequenzen

Praktische Konsequenzen dieser neuen Struktur wären:

  • Privatbesitz an Grund- und Boden wird ebenso abgeschafft, wie Privatbesitz von Produktionsmitteln – mit einer großen Einschränkung. Anders als im Kommunismus gehören Boden und Maschinen dann nicht einfach allen, sondern werden der zeitlich begrenzten Obhut von Individuen anvertraut, welche von der Gemeinschaft als befähigt angesehen werden, diese für Landwirtschaft, Produktion etc. weise zu nutzen (einer aus dem Volk wird dafür geadelt).
  • Erben gibt es dann auch nicht mehr, weil Verfügung über Kapital an Befähigung und ausgesprochenes Vertrauen gebunden ist. Wieviele Chefsessel fehlbesetzt sind, weiß ja jeder.
  • Für die hier gemeinte Befähigung von Einzelnen wird wiederum im Freien Geistesleben gesorgt. Eine entsprechende Erziehung ermöglicht, dass sich Kompetenz mit Fürsorgewille paart, Wissen (Ichpol) mit Liebe zur Gemeinschaft und zur Schöpfung. So wachsen Menschen heran, die auf Bedarf im Sinne von Bedürftigkeit antworten wollen, sprich Ver-Antwort-ung übernehmen und dies auch können.
  • Preise werden nicht mehr von einem blinden Marktmechanismus bestimmt, sondern im Gespräch zwischen Händlern, Produzenten und Konsumenten dergestalt verabredet, dass einerseits die Grundversorgung gewährleistet ist, und zum anderen spezielle Bedürfnisse befriedigt werden können. Ein Auto mag sich einer wünschen, doch ob er es wirklich braucht und ob das für die Gemeinschaft leistbar und wertvoll ist, wird von deren Beurteilung und Erwägung abhängen. Also eine Umkehrung des “Ich hol mir mein Schnäppchen”-Prinzips.
  • In solch gemeinschaftlichem Gespräch wird auch das Geld- und Währungswesen – zum Zweck sinnvoller Warenlenkung – beraten und organisiert, nicht mehr von Bank(st)ern mit egoistischen Motiven.
  • Ausbeutung von Arbeitnehmern durch Arbeitgeber (Kapitalbesitzer) findet auch ihr Ende, weil deren Verhältnis im Bereich des Rechtes besprochen wird, wo man auf Augenhöhe ist. Die Hierarchie wird durch Partnerschaft unter Gleichen abgelöst, die Befähigte als zeitweilige Führer bestimmen.

Dies nur als kleinen Einblick in eine (scheinbar) völlig neue Welt. Die Aussichten sind wunderbar, mit freier Bildung, erschwinglichem Wohnen für alle, Ende des Lohnsklaventums etc.

Etwas unangenehm wird es durch die Notwendigkeit “sich zu wenden” und “alles auf den Kopf zu stellen”. Vom alten Trott und allzu Gewohntem gilt es Abschied zu nehmen! Denn wie angedeutet muss über das Lebensnotwendige hinausgehender Konsum, also der Zugriff auf Ressourcen, in Rücksprache mit der Gemeinschaft erfolgen – vom Kleinen bis auf globales Niveau und zurück. In einer guten Familie bedient man sich nicht einfach aus der Speisekammer, sondern schaut erst, ob für alle gesorgt ist. Stichwort: intelligente Vernetzung.

  • Exklusive Rechte auf Abbau von Bodenschätzen nach Gutdünken (zur persönlichen Bereicherung) werden verschwinden. Da pachtet man nicht einfach ein Landstück für 99 Jahre, und heimst die Erträge für sich und die Erbensippe ein. Ein Unding!

Auch der Aufstieg in Positionen mit Führungsverantwortung wird nicht mehr zum Abheben in Starallüren ermuntern, um sich fern der Gemeinschaft im Luxuspalais im Ruhm zu sonnen. Denn Verantwortung bekommt (wie in alter Zeit) nur der Dienstwillige übertragen, der seine unternehmerische Initiative als Antwort auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft versteht, also darauf, was nach bestem Wissen und Gewissen werden will.

Und selbstverständlich kann von Trägern der Macht auch Rechenschaft gefordert werden, wie bei Geschäftsführern üblich. Fällt diese nicht zufriedenstellend aus, ist jemand Amt und Befugnisse genauso schnell los, wie er diese bekam. Da könnte niemand einem ganzen Volk einfach Hausarrest erteilen, und Nachfragen mit Polizeigewalt unterbinden.

Nationalstaat ade

Im Zuge des für die Dreigliederung nötigen Umdenkens wird sich zwangsläufig auch die Landkarte verändern, oder besser was an einem beliebigen Staatsgebilde derzeit an Befugnissen hängt.

  • Nationalstaaten gibt es dann nicht mehr, sondern nur noch Kulturregionen, die mit Wirtschaftsräumen nicht identisch sind.
(Welt-) Bürger zweier Welten

Die Bretonen, Basken oder Catalanen dürfen dann endlich ihre Unabhängigkeit haben, und selbst bestimmen, welche Sprache ihnen angemessen ist. Das wird dann losgelöst sein von der Frage, mit wem sie Handel auf welche Weise treiben. So etwas wie von oben verordnete Handelsblockaden (z.B. gegenüber “bösen” Kubanern) wird der Vergangenheit angehören, weil die Gemeinschaften selbst entscheiden, was wo nötig, gewollt und möglich ist. Wohlgemerkt immer im Gespräch von regional bis global und zurück.

  • In den verbleibenden Kulturregionen werden verschiedene Schulsysteme und auch Religionen (Geistesleben) friedlich nebeneinander existieren, sofern diese kein Verhalten fordern oder fördern, das gegen die allgemein gewollte (!) Wertevorstellung verstößt.

Die Frage ist dann nicht mehr, ob der Islam zu Deutschland gehört, sondern ob an die Religion gekoppelte Einstellungen mit den menschlichen Werten kompatibel sind, auf die sich die Bewohner deutscher oder anderer Kulturlande frei geeinigt haben.

…dem Frieden der Welt zu dienen?!

“Ist es menschenwürdig?” wird man sich einzig fragen, denn in der Dreigliederung gibt ja nicht mehr der Staat die Verfassung vor. Da unterzeichnet nicht mehr einer stellvertretend für Millionen einen Vertrag, den diese nie zu Gesicht bekamen – wie den für die EU.

Vielmehr ist in einer Dreigliederung jeder Einzelne gefragt, in welcher Verfasstheit er mit anderen leben will.

Eine unerhörte Idee, dass unter uns ausgesprochene und durch Handlung bekräftigte Einigkeit über ein verbindendes Grundmotiv bestehen könnte, nämlich an der Verwirklichung einer Vision zu arbeiten. Diese ist im Grundgesetz wie folgt formuliert:

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt (…) dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

Stell Dir mal vor, wir würden im Zeichen dieser Vision einander Treue geloben, also das Jawort geben und es täglich erneuern! Ich schrieb bereits bei der Frage nach der deutschen Identität darüber.

Die Angst vor Überfremdung im Rahmen der (gesteuerten) Zuwanderung ist verständlich, weil sie an die Grundfrage nach dem “Wir” rührt. Bisher konnte man sich dem Traum hingeben, all jene mit deutschem Pass seien “die Meinen”, doch mit einem Schlag zeigt sich die Realität: die sind mir ja auch zum allergrößten Teil fremd! Nur im Fußball-Rausch kommt ja ein wenig (falsche) Verbrüderung auf. Man konnte sich einbilden, aus diesem “deutsch” im Pass Gemeinsamkeit zu beziehen, doch tatsächlich verbindend wirken neben der Sprache bestimmte geistige Werte, von denen Fleiß und Pünktlichkeit die Geringsten sind. Verständnis zu haben und Frieden zu suchen in Einigkeit und Recht und Freiheit, das beflügelt und verbindet! Nicht (mehr) die Haarfarbe oder Form der Augen, das Stamm- oder Parteibuch zählen künftig, sondern der gleiche Geist, und in ihm können wir uns als Kulturgemeinschaft herzlich neu verbinden.

Fragezeichen tauchen auf

Doch stellen wir das einstweilen zurück, und bleiben bei den schönen Aussichten punkto freier Bildung etc. An dieser Stelle würde es in Seminaren zur Sozialen Dreigliederung in die Tiefe gehen, z.B. wie genau Geldschöpfung oder Preisbildung erfolgen könnten, woher das Geistesleben sein Geld erhält, welche Frage in welchen Bereich gehört etc.

Schnell und regelmäßig verfliegt dann der Elan; ruckzuck raucht einem der Kopf und die schöne Vision verschwindet wieder im Nebel. Warum?

Und weshalb ist es bis heute nicht gelungen, solch ein dreigegliedertes Leben auch nur als Modell zu verwirklichen? Zwei Jahrzehnte habe ich mich das gefragt. Bin ich zu begriffsstutzig oder mein Denken zu unbeweglich? Bis mir ein Licht aufging.

Wie auch andere Gesellschaftsansätze wird die Dreigliederung menschenfern geschildert, wie etwas, das einen nicht persönlich angeht. Da steckt uns allen noch der Untertan in den Knochen, der nach oben und ins Außen blickt, nur nicht auf sich selbst. Ein gutes Beispiel ist nachfolgendes Interview mit Hans Bonneval. Ich schätze ihn als Autor, doch in ca. 50 Minuten zum Thema “Wie wir leben werden” ist genau davon nichts zu hören. Es geht nur um das neue System.

So liest und hört man immer, in der Wirtschaft solle es künftig brüderlich zugehen. Brüderlichkeit, hurra, sie soll herrschen! Ab jetzt IST die Wirtschaft brüderlich, zack!

Doch “die” Wirtschaft gibt es gar nicht, sondern nur wirtschaftende Menschen, die auf eine bestimmte Art miteinander umgehen und sich in Beziehung setzen (oder auch nicht). Wir müssen also in die Ich-Perspektive, und da formuliert sich das Ganze etwa so: als Teilnehmer am Wirtschaftsleben will und werde ICH mich wie unter Brüdern verhalten! Also nicht das “System” soll brüderlich sein, sondern ich. Und damit meint Rudolf Steiner explizit nicht nur die netten Kumpels aus dem Fußballclub, sondern alle Menschen weltweit.

Wer nach Dreigliederung strebt, nimmt sich demnach vor, jeden Menschen unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Religion oder Parteizugehörigkeit als Teil der globalen Familie zu betrachten! Also sich aktiv zu kümmern und Sorge zu tragen, dass jeder nach seinem Bedürfnis (im Rahmen des Möglichen) satt wird. Ganz wie in einer guten Familie eben, wo man auch mal auf seinen Nachtisch verzichtet, weil ihn ein anderer dringender braucht. Klingt ganz einfach, oder? Doch mal im Ernst: wie soll das gehen? Eine solch selbstlose Haltung sollen wir auf globalem Niveau praktizieren, obwohl es noch nicht mal mit allen Kollegen und Landsleuten gelingt?

Es lohnt sich, hier eine Besinnungspause zu machen, damit die Kluft zwischen Wollen und es-leben-können fühlbar wird.

Dann gibt es ja noch den Vorsatz für das Geistesleben. Aus der Ich-Perspektive heißt es nicht, dort “solle Freiheit herrschen”, sondern “unter Abweisung jeglicher Autorität, die mir etwas vorschreiben will, fühle ich mich im Denken alleine der Wahrheit verpflichtet”.

Potztausend, ganz wie der alte Luther, mutig-einsam vor seiner Kirche! Was machen dann aber die Staatsschullehrer, die dem Bildungsminister gehorchen? Fristlos kündigen? Oder Forscher, wenn ihnen die Auflagen für Forschungsgelder mal wieder die Denkrichtung diktieren wollen? Oder überhaupt die Millionen weisungsgebundenen Angestellten, und die sich päpstlichen Dogmen allzu gerne unterwerfenden “Gläubigen”? Es ist ja nicht so, als würde sich die Mehrheit wünschen, selber zu denken, und als ginge ihnen Wahrheit über alles. Viele meinen gar, es gäbe keine!

Utopie oder…?

An dieser Stelle könnten wir eigentlich aufhören, über Soziale Dreigliederung zu diskutieren, weil völlig klar ist, dass sie für kaum jemanden leistbar oder auch nur denkbar ist. Wir alle neigen ja dazu, Leute flugs aus der großen Familie auszuschließen, deren Nase, Automarke oder (Verschwörungs-) Meinung uns nicht passt. Und allzu leicht geben wir Eigenverantwortung an höhere Stelle ab, z.B. die Tierquäler in Laboren, Soldaten im “Friedenseinsatz” oder Gesetzes-“Hüter” beim Misshandeln friedlicher Demonstranten.

Sind weltweite Brüderlichkeit und Freies Geistesleben (zur Gleichheit später) also nur schöne Utopie, weil die Menschen dazu einfach nicht fähig sind? Sind wir für solch großherzige, weltbürgerliche Lebensweise einfach nicht geschaffen? Es scheint so. Sicher hat der früh beginnende Drill auf Gehorsam in unserem Verbildungssystem daran seinen Anteil, und eine Befreiung des Geisteslebens wäre mit Sicherheit ein guter Anfang – sprich die Änderung der äußeren Bedingungen, wie wir beim Thema sinnlose Maloche schon betrachtet haben. Da gebe ich Hr. Bonneval (siehe Video oben) oder Axel Burkart absolut recht.

Es braucht einen entsprechenden gesellschaftlichen Rahmen, damit wir uns zu Souveränen entwickeln können, doch reicht das aus? Ergreift jeder die Freiheit eigenständigen Denkens, wenn man sie von der Schule an bietet? Werden wir hinterfragen, wenn wir es dürfen, und uns auf globaler Ebene familiär verhalten? Nein, das glaube ich nicht,

…sofern nicht vorher die Macht der zahlreichen psychologischen Mechanismen bewusst gemacht und ihr Bannfluch gebrochen wird. Stichwort Bande und Mob.

Im Augenblick sind kaum Anzeichen zu erkennen, dass eine Mehrheit souverän sein wollte oder könnte. Das ist der frustrierende Stand, selbst in den gar nicht mehr so “Freien” Waldorfschulen. Doch gingen mir Rudolf Steiners Worte einfach nicht aus dem Sinn, in den Tiefen unserer Seelen sehnten wir uns nach dieser neuen Welt. Wie kommt er nur darauf, wenn doch nichts darauf hindeutet? Und da hat es wieder Klick gemacht!

Aalle Ideen sind schohon daa

Natürlich deutet vieles daraufhin, wie ich am Beispiel von 5G bereits demonstriert habe. Wir sind durchaus für ein dreigliedriges Zusammenleben “geschaffen”, sonst wären wir nicht so empfänglich für die drei Schlagworte. Wenn man nur mal mit anderen Ohren hört, geht es täglich um nichts anderes als um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – nur leider nicht am richtigen Platz und in der richtigen Anordnung!

  • Brüderlicher Zusammenhalt wie in einer Familie wird nicht nur in der Coronakrise gefordert, wie vorher im Kommunismus (Arbeiter aller Länder vereinigt euch, Brüder zur Sonne…), sondern auch von all den “guten” Menschen, die in Deutschland am liebsten die ganze Welt verköstigen würden. Jeder soll willkommen sein, und zwar ohne Ansehen der Person, und wenn 2 Milliarden kommen wollen, na dann herein in die gute Stube! Kulturunterschiede? Gibt es nicht! Wir haben selbst schon genug Arbeits- und Obdachlose? Macht nichts, wir schaffen das schon!

Das Ideal (!) der globalen Familie ist offenbar so mächtig, dass er viele jedes Denkwillens und (männlichen) Differenzierungs-Vermögens beraubt. Hauptsache (weiblich) verschmelzen! Das kann einen schon aufmerken lassen.

  • Freiheit wird auch gefordert, allerdings nur für den Welthandel. So sollen Konzerne künftig klagen dürfen, wenn jemand ihre Produkte nicht kaufen will (Stichwort TTIP). Du willst kein Glyphosat? Dann zahl mir eine Entschädigung! Also umfassende Freiheit, andere zu erpressen und unter die Knute zu zwingen. Ein ähnliches Verständnis haben die “väterlichen” Regierungen, die der Bevölkerung bis in den Abstand zu anderen Menschen (Stichwort Corona) vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Widerspruch (derzeit) unmöglich.

Und Gleichheit? Ja, die ist auch in aller Munde, denn angeblich sind wir alle gleich, vor allem die Geschlechter. Unterschiede gibt es offiziell nicht, und deshalb kommt bald für “Diskrimierung einer Minderheit” ins Gefängnis, wer z.B. einen Mann als Mann bezeichnet, obwohl sich dieser als Frau oder sonst ein Mischwesen “fühlt”.

Der Unsinn blüht und der Wahnsinn galoppiert. Anders kann ich nicht bezeichnen, was gerade passiert.

Eigentümliche Spaltung

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind als Ideale im Zeitbewusstsein also durchaus präsent, finden irgendwie aber nicht ihren gebührenden Platz. Was ist der Grund? Wir brauchen hier dringend eine Antwort, schon um der spaltenden Zerstörung auf allen Ebenen Einhalt zu gebieten. Es war bereits vor 100 Jahren nicht einfach, die Soziale Dreigliederung zu denken, doch 70 Jahre multimedialer Gehirnwäsche haben ganz neue Erkenntnishürden geschaffen, die in der gängigen Literatur zur SDG nicht berücksichtigt werden.

Eine Art Verrücktheit zeigt sich, deren Quelle erst gefunden und trockengelegt werden muss. Doch welche ist das?

Als Ansatz zum Verständnis erwies sich mir die extreme und blitzartige Lagerbildung, z.B. in Grenzöffner oder -schließer (Stichwort Flüchtlinge), in Bejaher des Klimawandels und deren Verneiner. Die neueste Spielart kommt im Rahmen der “Coronakrise” als Spaltung zwischen Isolationsbefürwortern und -gegnern daher. Nur zu gerne werden manche melden, dass sich einer “grundlos” im Freien aufhält oder irgendwelche Abstände nicht einhält. Ohne unsere Mitarbeit könnte Papa Staat seine Spielchen ja nicht treiben.

Bezeichnend ist außerdem die Brückenlosigkeit und Feindseligkeit zwischen den Lagern. Was auf den ersten Blick wie Stoff für eine sachliche (!) Pro- und Contradebatte aussieht, vermag ein ganzes Volk zu spalten. Einfach so! Ist das nicht mehr als seltsam? Woher kommt nur die archaisch anmutende Wut, die Unversöhnlichkeit und regelrechter Hass auf beiden Seiten? Mit Manipulation alleine ist das nicht zu erklären!

Es scheint, als zwänge höhere Macht uns diese einseitig männlich-weiblichen Positionen auf, wider Willen und besseres Wissen. Denn genau darum handelt es sich meines Erachtens.

Nach allem, was wir bisher zu Mann und Frau und deren Kräften, sowie über die beiden Lebenswelten betrachtet haben, drängt sich dieser Schluss doch auf, oder? Also dass wir es mit einer radikalen Parteinahme für eine der beiden Seiten zu tun haben: für den Grenzen ziehenden Ichpol auf der einen, und den Gemeinschaft fördernden Wirpol auf der anderen Seite. Allerdings mit der Besonderheit, dass diese Seiten oder Parteien in Feindschaft zueinander stehen. Der König hasst die Königin!

Eine Seite verteidigt das väterliche Recht auf Individualität und (kulturelle) Selbstbestimmung, die andere das jedem Wesen zustehende Mutterrecht auf Leben und Entfaltung. An dieser Stelle dürfte bereits klar sein, dass es beide geben muss und immer gab. Doch wo gehört was hin, in welcher Dosierung und wie stellen wir Harmonie her?

Die Lösung liegt zu einem großen Teil im Verständnis des vergessenen Mutterrechts, und was es fordert. Denn bezeichnenderweise gehen die aktuellen Angriffe vom Wirpol aus, mit erzwungener Einwanderung auf der einen Seite, und Rücksichtnahme auf die Gemeinschaft durch am besten freiwillig gesuchte soziale Isolation – selbst wenn wir darüber zum Agrarstaat werden sollten. Völlig verrückt! Die Frage lautet:

Wie müssen der obere und untere Pol zusammenspielen, der Einzelne mit der Gemeinschaft, so dass es recht ist?

(Hier deutet sich das neue Rechtsverständnis an). Bevor wir das Rätsel endgültig auflösen, möchte ich an das ebenfalls vorhandene Urwissen appellieren, wie es besser geht. Aus ihm kann die Kraft kommen, die tragische Lächerlichkeit dieses Streits durch inneren Kampf zu beenden, statt ihn einfach hinzunehmen. Denn wie gesagt muss sich der Denker erst befreien und der Dichter emanzipieren, bevor sie ins Gespräch finden können.


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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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Jürgen Elsen - 3. Mai 2020

“..Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, dass möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können.” (GA 196)

R.S. spricht darüber 1920 – also vor 100 Jahren.
Sind heute irgendwo diese – letztenendes organisational wirkende Institutionen im Sinne des von Steiner gemeinten Kontextes von Menschen gebildet worden ?

Ich kann keine sehen. Das einzige, was mir dazu einfällt ist mal wieder das KRD und schade, daß hier geschaffene – natürlich noch in den Anfang steckende Institutionen, die den Menschen im Sinne des obigen Artikels im Mittelpunkt haben – gerade von denen, die schon 100 Jahre über so etwas debattieren nicht mit weiterentwickelt werden …

Woran liegt das? Was stimmt denn nicht? Was braucht es denn noch?

Reply
    Thomas C. Liebl - 3. Mai 2020

    Danke für Antwort, Jürgen!

    Nein, die Institutionen sind nicht gebildet worden, oder besser der Staat nicht dreigegliedert. Der Grund dafür liegt m.E. im Zitat. Es haben sich eben zu wenig Menschen gefunden, die “diese Dinge” verinnerlicht haben. Wer das tut, muss staatliche Bevormundung in Bildungs- oder Gesundheitsfragen (!) vehement ablehnen. Aber genau das erlebe ich bei sehr wenigen. Da haben Dichter noch Emanzipations vor sich, wie ich schrieb, und Denker Befreiungsarbeit.

    herzlich
    Thomas C.

    Reply
Jürgen Elsen - 13. Mai 2020

Danke, Thomas – natürlich auch wieder für Deine anregenden Texte, Deine Zeit und Aufwand …. !

Wie Du schon sagst: es haben sich zu wenige Menschen gefunden, die … VERINNERLICHT haben…

Bei mir bedeutet Verinnerlichung eben auch das Einschließen von Willensenergie (= Tat).

Der “Moll-Schritt” der Verinnerlichung ist nur die eine Seite, darauf folgt der “Dur-Schritt” der Tat.

Und deshalb reicht es auch nicht “irgendetwas” – ja meist wohl gedanklich und verbal – abzulehnen (wie Du schreibst), sondern es müssen DAZU dann auch Schritte manifestiert werden.

Sonst kommt es eben nicht zu den Einrichtungen (“Dur-Manifestationen”), selbst, wenn Menschen da sind, die schon schön “mollig” sind und das überall hintönen 😉

Wir können uns ja jetzt alle “corona-bewähren”. Ich setze nirgendswo eine Maske auf, sondern ein freundliches Lächeln.

Falls ich des Hauses (Geschäft) verwiesen werden, komme ich dem natürlich nach, aber nicht ohne entsprechende “Belehrung”, nach dem Motto: Sie müssen das nicht tun !!! 😉

herzliche Grüße und weiterhin viel Energie und Wohlwollen

Jürgen

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