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Wege aus der Krise: wie dichtende Denker Gesellschaft gestalten

Die fehlende Mitte

Diesem zentralen Kapitel möchte ich einen weitere Aussage Rudolf Steiners voranstellen, die er zur Erklärung der von ihm entdeckten Dreigliederung im Menschen machte. Aus ihr entwickelte er dann den Ansatz zur Dreigliederung der Gesellschaft.

Und diese drei Glieder der menschlichen Natur wirken ineinander; und sie dürfen nicht, wenn der Mensch gesund sein soll, anders ineinanderwirken, als daß in einer gewissen Weise zugleich eine Trennung der Gebiete da ist. So zum Beispiel darf der Nerven-Sinnes-Mensch (…) nicht ohne weiteres seine Wirkungen auf den Stoffwechsel-Menschen anders übertragen, als daß diese Wirkungen vermittelt werden durch die rhythmischen Bewegungen der Zirkulations- und Atmungsvorgänge (…). Dieses Zusammenwirken, das kann aber in einer gewissen Weise unterbrochen werden.
(GA 73a)

Also Vermittlung durch Ein- und Ausatmen, männliches Festhalten im Wechsel mit weiblichem Loslassen in rhythmischem Wechsel. Eine ganz normale Lebenserfahrung – wie auch die, dass man manchmal eine Phase überbetont. Die so verbreiteten Verspannungen sind ja in erster Linie ein Ausatmungsproblem, also Spannung nicht loslassen zu können.

Wenden wir uns nach ausführlicher Betrachtung der Pole nun der ominösen Mitte zu. Sie tauchte bereits öfter beim Bild des Königs als herzlichem Vermittler auf, und wird später beim (neuen) Rechtsleben noch von Bedeutung werden. Wenn das Bild vom Mittler zwischen Welten stimmt, müsste mit dem Zusammenbruch der Monarchien eine Art Vakuum entstanden sein, richtig?

Selbst heute noch werden gekrönte Häupter als Herz des Landes empfunden, wie beim Deutschlandfunk zu lesen ist. Ich denke mir das also nicht aus, sondern hinterfrage solche seltsamen Ausdrücke nur, zu denen auch die “nationale Identität” gehört. Was genau soll das sein? Wie man hört und vielleicht bestaunen kann, vermag ein Land sogar seine Identität zu verlieren! Folgt man den Ausdrücken, geht da ein ominöses Etwas weg, das die Einzelnen verbindet. Hat der Volkskörper womöglich sein Herz verloren? Dann wäre es um den Sozialen Organismus wahrlich schlecht bestellt.

Sind all das nur Redewendungen, oder könnte es auf einer Realität beruhen, einer geistigen nämlich, in der auch der Volksgeist zuhause ist? Nun, tatsächlich wird Herzlosigkeit genauso oft beklagt wie fehlender Zusammenhalt. Doch wie sollte das mit dem Weggang einer Person oder dem Wegfall eines Amtes zusammenhängen? Das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich hier vermitteln möchte, die bestätigt, wie gravierend der Umbruch eigentlich war.

Ich behaupte, dass durch und seit diesem Umbruch im 19. Jahrhundert insbesondere wir Deutschen kein Wir mehr sind, allen “Wir sind das Volk”-Rufen oder Weltverbrüderungsappellen zum Trotz. Einfach deshalb, weil die sinnstiftende Kraft fehlt, die künftig aus uns selbst kommen muss – genauer aus einem Bekenntnis zueinander auf der Basis einer gemeinsamen Vision.

Wie Fußballclubs so augenfällig zeigen, sehnen wir uns nach Gemeinschaft, und sind dafür sogar bereit, uns zu verkleiden. Doch gleichfarbige Schals können innere Verbundenheit genausowenig ersetzen wie bunte Fähnchen, Parteienfarben oder gleichartige Uniformen. Gäbe es noch echte Verbundenheit, bräuchte ich auf der Straße ja nur um Hilfe rufen, und im Nu würden “Landsleute” herbeieilen, um “einem der Ihren” zu helfen. Doch wie realistisch ist das?

So schockierend auch die Deutschland verrecke-Rufe sind, von links-grüner Seite begeistert skandiert, so sehr stimmten sie mich auch nachdenklich. Entspricht dieser erst 1871 eingeführte Begriff denn einer seelischen Realität?

Fühlen sich 80 Millionen Seelen inniglich einander verbunden, bis in den Tod gar? Liebt man seine Landsleute, natürlich mehr als alle anderen? Oder ist die Realität nicht die, dass man die meisten für blöde Trottel hält (siehe dieser Zeitungsartikel)? Und lieber unter Franzosen oder eben bei denen weilt, die man irgendwo auf irgendeine Weise lieb gewonnen hat? Sind wir tatsächlich eine große Familie und fühlen uns kameradschaftlich verbunden? Und da ging mir ein weiteres Licht auf, beim Nachsinnen über diese Begriffe. Wir verwechseln, so scheint mir, das einstige Wir-Gefühl in der Volksverbundenheit, das ganz real von Volksgeistern gestiftet wurde, mit zwei ganz anderen Empfindungen: der Zugehörigkeit nämlich zu einer Kameradschaft oder Sippschaft.

Oder anders: weil wir das echte Wir verloren haben, suchen wir an falscher Stelle Ersatzbefriedigung!

Diese Erkenntnis löste den Wunsch aus, den vorliegenden Beitrag zu schreiben. Was bei der Besprechung von Geistes- und Wirtschaftsleben gleich noch eine große Rolle spielen wird, sind die zwei Arten der Gemeinschaft, die sich am Vater- und Mutterpol gebildet hatten:

  • oben die Kameradschaften und auf gemeinsamer Sache gründenden Bünde
  • unten die Sippenverbände, Seilschaften und Familienclans

Sippe und Bruderbund

Wie schon gezeigt, zählen oben Einzelverantwortung und persönliche Treue im Leistungsprinzip, unten das Überleben in der gesichtslosen, gleichmachenden Gruppe, die weder Rang noch Namen kennt.

Beides schweißt auf seine Art zusammen, oder besser tat es das einmal auf gesunde Weise.

Nehmen wir das Mobbing: wo sich heute Menschen zusammenrotten, hat das wohl selten Gutes zur Folge. Bei Zusammenrottung und spontaner Mobbildung erfasst ein ehemals natürlicher Zustand in nun verzerrter Form wildfremde Menschen, dessen Kennzeichen Bewusst- und Ichlosigkeit sind.

Auf der anderen Seite wirkt das Prinzip, das bei der Teambildung “genutzt” wird. Mit dem persönlichen Einschwören auf ein gemeinsames Ziel (repräsentiert durch ein Logo, Flagge oder Farbe), wie auch einen bestimmten (parteiischen) Standpunkt oder Sichtweise, wird heute z.B. in Firmen und Parteien operiert, aber diese Art der Verbrüderung ist nicht mehr zeitgemäß, was beim “Kasperletheater” im Politzirkus schon angerissen wurde. Hier das Bild dafür, das wir später näher beleuchten.

Zur Verdeutlichung: wir differenzieren hier, was sonst unter dem Begriff “Gruppe” in einen Topf geworfen wird. So unterschiedlich Mann und Frau sind, so auch die beiden Arten der Gemeinschaft.

Jeder kennt das, nämlich als völlig unterschiedliche Art des Umgangs, wenn Frauen oder Männer unter sich sind.

Da herrscht ein ganz anderer Ton und Geist, der heute dazu neigt, das Individuum entweder auf den Thron zu heben (Verherrlichung im Starkult) oder der schunkelnd weinseligen Masse einzuverleiben (Uniformierung).

Kameradschaft z.B. darf keinesfalls mit Freundschaft verwechselt werden, weil ein Freund versteht, wenn man zu anderen Ansichten gelangt oder familiäre Verpflichtungen hat. Die (Polizei-) Kameraden betrachten das aber als Verrat, und üben entsprechenden Druck aus. Wer dem nicht standhält, beugt sich dem Anführer und seinem Diktat. Man wird zum Mitläufer und nicht selten zum Mittäter.

Ähnlich und doch ganz anders geht es am weiblichen, am Gemeinschaftspol zu. Dort wird der Einzelne gern mal über Schuldzuweisung und diffuse Abhängigkeiten zur Aufgabe des Eigenwillens gebracht. Hier gibt man die Eigenverantwortung nicht an den Führer ab, sondern an die “Meinung der Mehrheit”. Da wird geschunkelt und gelacht, gegackert und getratscht. Es ist das Reich der Zwischentöne, der Intrige und des flüsternden Mauschelns, wo es menschelt und die Lust regiert. Doch Gemeinschaft im heute gesuchten Sinne ist es nicht, sondern entweder der Sog in die gesichtslose Herde oder die (Schläger- und Verschwörer-) Bande.

Vorschau
Die von uns gesuchte Gemeinschaft von Souveränen setzt ein neues Verhältnis zu den alten Gruppenarten voraus – ja zu Menschen überhaupt! Freie Begegnung wird durch (unbewusste) Verbrüderung oder Verschwägerung behindert bis unmöglich.

  • Kamaraderie will sich zu zeitweiligen Interessen- und Forschungsgemeinschaften wandeln, die auf freier Anerkennung der Kompetenz anderer gründen, ohne in ihnen Halt zu suchen. Jeder strebt eigenständig und selbstverantwortlich nach Erkenntnis, doch bereit, die Ergebnisse / Standpunkte anderer zur Vervollständigung mit einzubeziehen.
  • Instinkte des mitmachen und sich anpassen-Müssens wollen zu williger Bindung an jene Menschen werden, mit denen einen das Leben selbst in Wirtschafts- und Versorgungsgemeinschaften immer neu zusammenführt. In Anerkennung der Notwendigkeit öffnet und verpflichtet man sich diesen zur (Für-) Sorge, wie üblicherweise nur Geschwistern oder Familienangehörigen.

Ein unerhörter Gedanke, ich weiß, doch nur auf den ersten Blick. Denn Patchworkfamilien praktizieren genau das, nur muss der Kreis sich eben weiten. Und wie viele von uns bemühen sich vergebens um ein gutes Verhältnis mit ihren leiblichen Eltern? Warum sie nicht einfach ihrer Wege ziehen lassen, und stattdessen die Energie in jene investieren, mit denen man über Schulgemeinschaften, Nachbarschaften, Vereine oder das weitere Familiennetzwerk real verbunden ist, wo das Sorgen gebraucht und vielleicht sogar erwidert wird?

Auch der Drang ist nur zu verständlich, in Arbeitskollegen beste Freunde zu suchen, doch immer wieder erlebt man da herbe Enttäuschungen. Warum? Weil sich in gemeinsamer Arbeit an der Sache eigentlich freier Geist an freiem Geist entzünden will, auf Basis von freilassendem Respekt. Gedanken wollen sich erwärmen, damit Ideen zünden können, doch es lockt eben die Verbrüderung auf anderer Ebene. Da macht man auch gemeinsame Sache, allerdings durch Hetzen gegen den Chef oder Zusammenhalten gegen andere Kollegen / Konkurrenten. Aus potentiellen Forscherkollegen werden beste Kumpels, doch steigt der eine auf oder wechselt den Arbeitsplatz, ist ja i.d.R. Schluss mit Kumpelei, nicht wahr?

Versöhnliche Zwischenbemerkung

Bitte missverstehe mich nicht: ich verdamme weder Kameradschaft noch Familie. Ich weise nur auf die Gefahr hin, dort nach einem Zuhause zu suchen, wo es nicht mehr zu finden ist.

Zur Erinnerung
Die Zeiten haben sich gewandelt, und deshalb ist alles auf den Kopf gestellt! Die Frage ist nur, ob wir uns ebenfalls wenden wollen.

Ich rede hier nicht leicht daher, sondern als einer, der – wie viele andere – unter den tausend sozialen Enttäuschungen gelitten hat, die halt so üblich sind. Wieviele glückliche Familien und Beziehungen kennst Du, wo nicht ständig Spannungen sind? Oder all die Stunden auf Arbeit, wo getuschelt und geflüstert wird, Leute die Köpfe zusammenstecken und einander bedeutungsvolle Blicke zuwerfen? Was nützt der tollste Job, mit klasse Partner, Haus und Boot, wenn das nicht endlich aufhört? Das ist einfach nicht zu ertragen, doch leicht zu ändern – wenn immer mehr verstehen, in welche schöne neue Welt das will.

Bis vor Kurzem empfand ich die “Soziale Frage” einfach nur als lästig, und die Zustände als nicht dauerhaft verbesserbar. Gleichzeitig lebte die unverbesserliche Überzeugung in mir, dass es verstehbare Gründe für das ständige Verfehlen des Friedens geben muss, den wir uns schließlich alle tief wünschen. Durch die Entdeckung der zwei Arten von Gemeinschaft, ausgehend von Vater- und Mutterpol, begann sich das Durcheinander auf einmal zu lichten! Mit einem Mal füllte sich dieser schon lange bekannte Ausspruch Rudolf Steiners mit Leben:

Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen.

Bitte lies mal die Erläuterung zu diesem Ausspruch, und sage mir: versteht man das? Also ich nicht, bis mir beim Stichwort “Freies Denken” klar wurde, dass der Freiheit die Befreiung vorangehen muss – und zwar von den tief verinnerlichten alten Normen und Geboten, an die das Denken und gemeinschaftliches Handeln bisher geknüpft waren. Auf einmal ergeben all die Bemühungen so vieler einen Sinn, wo Rollen hinterfragt werden, Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf, oder was in der Beziehung zu Eltern, Geschwistern oder Partnern richtig und angemessen ist.

Hier will sich der Denker befreien und der Dichter emanzipieren!

Es ist nichts weniger als ein heroischer Befreiungskampf, dem die “Coronakrise” hoffentlich Vorschub leistet. Sein Ziel ist, unparteiisch ins Gespräch gehen zu können, zur Überbrückung gegensätzlicher Standpunkte und Interessen. Fahren wir in diesem Sinne fort mit der Betrachtung der zwei Gemeinschaften.

Manipulierbar durch alte Instinkte

Wie schnell man in die Bande oder Herde gezogen wird, wird in Büchern/Studien wie “Die Welle” oder “Das Experiment” wunderbar beschrieben. Mitläuferschaft für falsche Ziele, was ja in der Nazizeit ein Problem war, und unter Mao Millionen Chinesen das Leben kostete, ist aber ein modernes Phänomen.

Was Kameraden einstmals verband, war echte, aufrichtige Liebe zum Anführer und seinen Idealen. Viele Lieder singen noch davon. Da wollte jeder folgen und gehorchen (sprich hören), wie auch heute noch Kinder gegenüber echter elterlicher Autorität. Auch akzeptierte jeder, ja begrüßte, wenn der Kamerad aufgrund seiner Verdienste in der Befehlskette höher stieg als man selbst. Für Schutz vor Missbrauch von Autorität war auch gesorgt, und zwar über den von allen als verpflichtend empfundenen Ehrenkodex. Man denke hier an die (selten gewordenen) rührenden Gesten von Kampfsportlern gegenüber dem Unterlegenen, oder an die Samurai, die sich im Falle des Versagens sogar das Leben nahmen!

Man ging füreinander in den Tod, und Brandschatzen oder Plündern wurde früher nicht gebilligt, sondern aufs Härteste bestraft. Und ließ sich ein Befehlshaber zu Unredlichkeit hinreißen, verlor er unwiderruflich sein Gesicht. Wichtig ist: jeder empfand das so, weil das Wissen um das Rechte ähnlich tief eingewurzelt war wie das berühmte Urvertrauen von Säuglingen. Hier könnte man mit Recht von einem System sprechen, einem in sich sinnvollen Gefüge von Wenn-Dann Reaktionen, wie wir es aus der Tierwelt kennen. Doch mit zunehmender Abnabelung hin zum Individuum löste sich der Bann, weil bewusste, auf Erkenntnis gründende Selbstkontrolle unwillkürliche Reaktionen ersetzen sollten. Ohne ausreichende Bewusstseinsbildung bleiben bestimmte Verhaltensmechanismen aber bestehen (persistent), und können z.B. durch passende Haltungen, Gesten, Laute und Worte wieder aktiviert werden.

Diese Schwäche machen sich Manipulateure seit rund hundert Jahren zunutze.

Künstliche Bandenbildung

Wie provoziert man unwillkürlichen Zusammenhalt inklusive hierarchischer Struktur, und schafft damit künstliche Kamaraderie? Ganz einfach:

  • durch Markieren des Obermackers und herrischen Befehlston,
  • durch (falsches) Lob und Auszeichnung vor der Gruppe (Mitarbeiter des Monats),
  • die Einschwörung auf einen (angeblichen) gemeinsamen Feind, also durch Stigmatisierung anderer Gruppen (!) als feindlich, von Fußballteams oder Konkurrenzuternehmen hin zu “den” Muslimen oder Juden
  • Appelle an die (vorgebliche) Pflicht mit Durchhalteparolen, an Ehrgefühl, Männlichkeit etc.

All das sind vom männlichen Pol stammende, tief eingewurzelte Werte, auf die man ohne Bewusstseinsarbeit anspringt wie der Hund aufs Leckerli. Ich selbst wurde oft genug Opfer von Appellen an meine Ehre, einfach um mich bei derselben zu packen. Willig tat ich die dümmsten Sachen wie geheißen, und mein vorgeblicher Kumpel lachte sich ins Fäustchen. Ich hatte es mit Freundschaft verwechselt.

Künstliche Vermobbung

Wie man Teams und (Räuber-) Banden künstlich schaffen kann, so auch falsche Sippen, sprich Mobs. Kennzeichnend für sie ist die Lust, in eine Masse wogend-wimmelnd-dampfender Leiber einzutauchen und darin aufzugehen. Die Loveparade ist ein wunderbares Beispiel, die mit menschlicher Liebe nichts zu tun hatte, die erkennende Begegnung braucht.

Rauschhafte Ekstase führt zu Vertierung und Verherdung. Weitere Beispiele sind große Sport- oder Musikevents, aber auch Demos.

Wie schweißt man einander fremde Menschen als Gruppe zusammen, um sie wie eine (dumme) Herde in die gewünschte Richtung lenken zu können? Durch Appelle an das Nicht- oder Überindividuelle, das wir gemein(sam) haben, wo wir uns gleichen. Wie am Ende klar wird, entsteht dieses Wir nicht aus der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sippe oder Volk. Es ist eine menschheitsübergreifende Uremotion, die nur zeitweise an bestimmte Gruppierungen geknüpft wurde. Gemeint ist die hier gezeigte Art von Verbindung, nur in diesem Fall zwischen Mensch und Tiergeschwistern.

Auch der Wunsch nach Umarmung und “einfach angenommen werden, wie man ist”, gehört zu dieser Urempfindung. Interessant ist dieses Video, wo eine Frau auf öffentlichem Platz zur Umarmung einlädt. Wie wäre das Experiment wohl verlaufen, wenn sie die Augen nicht verbunden hätte? Sich auf dieser nonverbalen Ebene zu begegnen

…fällt umso leichter, je weniger das Individuum (an seinen Augen, Stimme, Verhalten oder Ansichten) erkennbar ist.

Da sucht man nicht das Gegenüber, sondern was einen jenseits davon als Angehöriger der Gattung Mensch verbindet. Der Hinweis auf diesen bedeutungsvollen Unterschied zum Menschenbild am Vaterpol (s.o.) lag in “ohne Ansehen der Person” verborgen, worüber auch das Meditieren lohnt. Es hat ja einen Grund, warum Ermahnungen zu genügend Schlaf, auf Ernährung oder ganz allgemein die Gesundheit zu achten, viel öfter von den Frauen kommt. Sie interessiert weniger, dass und was einer “aus sich macht”. Hauptsache, das Menschenkind lebt sein volles Leben und vergeudet es nicht!

Zurück zur Manipulation. Ein tüchtiger Applaus am Ende des Konzerts ist wunderbar, für die Künstler wie für uns. Dank auszudrücken ist wichtig, doch mit einem Anheizer gerät das leicht in andere Fahrwasser. Die Aufforderung, jetzt mal tüchtig zu klatschen, zu trampeln und zu schreien ist der Beginn der Verallgemeinerung, am besten begleitet von rhythmischen Bewegungen und treibenden Beats. War die “Liebesparade” ein spontanes Event, und Ausdruck eines echten Wir? Nein. Wie Corona war sie ein (gelungenes) Experiment der Sozialingenieure, wo mit genau solchen Mitteln gearbeitet wurde – zu denen natürlich auch berauschende Substanzen gehören. Einfach alles, was die Unterschiede verwischen lässt und Urtriebe in roher, wilder Nacktheit anspricht.

Fühl dich ganz wie bei “deinesgleichen”! Nur keine falsche Scham, wir sind hier unter “uns”! Greif zu, lass die Sau raus und hol dir dein Schnäppchen. Der Papa braucht es nicht zu erfahren. Leider geht mit Scham und Distanz auch der Respekt flöten, die Grundlage allen Rechts.

Herde heißt nicht Zusammenhalt!

Es geht natürlich auch etwas zivilisierter, z.B. durch Appelle an Zusammenhalt in unklarer Bedrohungslage. Ich habe hier darüber berichtet. “Wir schaffen das” gehört in diese Riege, “und da müssen wir jetzt gemeinsam durch”.

Je unklarer Art und Quelle der Bedrohung sind, und was denn genau auf welche Weise zu schaffen ist, umso mehr wirkt das Ansprechen des Gemeinsinns. Dieser Begriff klingt nach Zusammenhalt, doch das Gegenteil ist der Fall. Man steht eben nicht wie die berühmten 300 als ein Mann gegen einen gemeinsamen Feind, denn der ist in der Menge ja nicht auszumachen. Wie bei Corona könnte der unsichtbare, nicht lokalisierbare Feind überall und jederzeit zuschlagen! Besser passt das Bild des verängstigten, in die Ecke getriebenen Tieres, das wild um sich schnappt – auch nach der Kehle eines Herdenmitgliedes!

Das kennt ja jeder, dieses plötzlich angefaucht werden, aufeinander herumhacken, bissige Kommentare und das sich Verbeißen in Belanglosigkeiten; auch und gerade von denen, die man zu den “Seinen” rechnet. Urplötzlich ist Schluss mit Kuschelkurs.

Eine fliehende Büffelherde mag wie das Urbild von Miteinander wirken, doch es ist das Gegenteil: jeder flieht da nämlich für sich allein, und wer im Weg ist, wird niedergetrampelt. Es wirkt wuchtig, weil alle in Panik den Kopf und jedes Unterscheidungsvermögen verlieren. Genau diese Reaktion wurde in der Flüchtlingskrise bei vielen ausgelöst, und zwar durch eine besonders fiese Verdrehung: durch das Zeigen von (gestellten) Bildern weinender Kinder, geschlagener Frauen und im Stich gelassener, hilfloser Alter (letzteres kam bei Corona zur Anwendung).

Solche (Ur-) Bilder triggern den Trieb zum (panischen) Zusammenrücken und Zähne fletschen, nur dass er hier den Schutzzweck verfehlt. Statt des besonnenen Anführers, auf den die Herde in Urzeiten ja vertrauen konnte, waren welche da, die zur Öffnung der Tore (Grenzen) rieten. Die uralte “Wolf im Schafspelz”-Geschichte, die hier gegen die Menschen auf beiden Seiten eingesetzt wurde. Durch ausgeschaltete Freund-Feind-Erkennung, sprich Besonnenheit und (männlich-kaltblütiges) Differenzierungsvermögen, wurde nicht nach den wirklichen Gründen für die plötzliche Menschenflut gefragt.

Vielmehr wurden jene aus den eigenen Reihen angegangen, die zur Besonnenheit raten wollten. Lyncht sie, sie sind der Feind! Künstlich inszenierte Vermobbung vom Feinsten. die auch bei Corona funktioniert. Denn es braucht gar keine Polizisten, um die mehr als fragwürdige Maskenpflicht durchzusetzen. Das besorgen wir schon allein, indem jene heftigst angegangen werden, die Bedenken äußern oder das Tragen der Maske gar verweigern. “Wage es ja nicht, dem Befehlshaber zu widersprechen, sonst machen wir (ich) kurzen Prozess mit dir!” Die Gewaltbereitschaft ist wirklich beängstigend, die einem da entgegenkommt, und natürlich schauen die Umstehenden betreten weg. Ich habe es getestet und verstanden, wie das 1933 war, oder in all den anderen Regimen.

Abhilfe schafft nur, der (urweiblichen) blinden Emotion nicht einfach nachzugeben, sondern sie am Ich-Pol zu reflektieren – also durch Spiegelung ins Bewusstsein zu bringen.

Welches Kind wird auf dem Bild gezeigt, was ist hier wirklich geschehen? Wo sind eigentlich Sherlock und Watson, wenn man sie mal wirklich braucht? Ist selbstmörderischer Wirtschaftskollaps die adäquate Antwort auf den Virus, und gibt es den überhaupt? Einfach erstmal Fragen stellen, statt gleich Jagd auf “Quarantänebrecher” zu machen.

Die in der Phase der Vermobbung gefühlte Einigkeit ist naturgemäß nur von kurzer Dauer, denn sie ist ja nur die Imitiation der Verbundenheit in der weise geführten Sippe, wie sie einstmals bestand. Heute wird sie künstlich geschürt, was man bei einem üblen Foul im Fußball wunderbar beobachten kann. Da springen alle wie von der Tarantel gestochen auf und brüllen sich die Seele aus dem Leib. Männer natürlich deutlich mehr, denn Frauen quittieren das meist nur mit “autsch” oder einem lauen “wie gemein”. Dafür werden sie zu Furien, wenn gequälte Wesen gezeigt werden. Dass solche Emotionen vielleicht bewusst provoziert werden, damit die Drahtzieher im Windschatten von Rage und Hysterie ihr Ding machen können, kommt dem Normalbürger eher nicht in den Sinn.

Hier sind im großen Umfang Aufklärung und Seelenschulung zu leisten, auf die wir später zu sprechen kommen.

Die neue Gemeinschaft

Die bedeutsame Erkenntnis ist: weder Kameradenbund noch Sippenwärme können die Art stabiler zwischenmenschlicher Nähe stiften, die wir heute im Grunde des Herzens (!) suchen. Das Selbstverständnis hat sich gewandelt, das früher – wie schon gezeigt – so aussah:

Auch wenn jemand Familie hatte, so fühlte sich ein Mann doch eher bei den Kameraden zuhause, die Frau in der Sippe. Und das ist bei vielen (leider) noch heute so! Nach meist kurzer Verliebtheitsphase beklagen z.B. die Frauen, dass er mit den Kumpels oder auf Arbeit mehr Zeit verbringt als mit ihr. Kommt andererseits Nachwuchs, beklagen wiederum die Männermenschen, warum das Kind so viel mehr Aufmerksamkeit bekommt als er. Da kann er merken, dass ihre Wir-Phantasien nicht wirklich ihm als Person galten, sondern der Gemeinschaft mit im Grunde austauschbaren Gesichtern.

“Ja”, fragt er dann, “was hat der, das ich nicht habe?” Er missversteht, dass für sie weniger individuelle Merkmale im Vordergrund stehen, sondern dass “jemand” mitzieht. Hauptsache, es menschelt und ein Wir entsteht, ob mit Peter oder Ulrich ist am Ende nicht so wichtig. Das gilt um so mehr, je weniger sich Frauen bewusst mit ihrem Typus auseinandergesetzt haben.

Weil wir jetzt Bürger beider Welten sind, und als Weltbürger zwischen ihnen wechseln können, wird die Mitte wichtig zwischen einstigem Bruderbund und Sippe.

Diese Mitte ist langsam gewachsen, und zwar daran, dass sich das Königsamt mehr und mehr auf die Person bezog, die es bekleidete. Frühere Herrscher wie Pharaonen waren ferne, im Grunde gesichtslose und damit austauschbare Gestalten, doch mit Sissy und Josef konnten sich die Menschen persönlich identifizieren. Und welcher Jubelruf erscholl, wenn sich das geliebte Königspaar in der Kutsche zeigte?

Für Heimat und Vaterland!

Tauscht man Heimat durch Mutterland, wo gekocht wird wie bei Muttern, wird klar, was hier eigentlich besungen wurde: die Hochzeit von Vater- oder Mutterpol! Dieser Ruf ist heute vorbelastet, wird in die völkische und rechte Ecke eingeordnet, doch meiner Meinung nach zu Unrecht. Er dokumentiert nämlich eine bedeutsame seelische Reifung,

…weil beide Geschlechter erstmals das Hauptziel des jeweils anderen anerkennen konnten, und damit die Zusammengehörigkeit von väterlicher Ordnung und Mutterrecht aktiv bejahen.

Die Trennung der Geschlechter

Hinter dieser vielleicht ungewöhnlichen Sichtweise steht die anthroposophische Erklärung, warum das Körper- und Seelenkleid (s.o.) von Mann und Frau so unterschiedlich ist. Das hat mit der von Rudolf Steiner beschriebenen Geschlechtertrennung zu tun, also dass die ursprünglich gleichförmige Menschheit unterschiedliche, zueinander polare Wege beschritten hat.

Löwenmensch, gefunden in der Stadel-Höhle im Hohlenstein, Schwäbische Alb (Quelle)

Die Art des Weges formte die Körper und Seelen in typischer Weise: er wurde hart und kantig, sie weich und rund, biegsam usw.

Stiermensch von Michael Ayrton 1969 (Quelle)

Ja, Darwin hat schon recht: wir Menschen haben mal ganz anders ausgesehen, doch anders, als er glaubte! Wie ich in meinem nächsten Buch beschreibe, ist die Unterschiedlichkeit in Wesen und Aussehen auf die absolute Identifizierung mit je einem der beiden Kraftpole zurückzuführen – damals, in Lemurien.

  • Der eine Teil der Menschheit wurde ganz zum Gesetz, der andere ganz zum Leben,
  • der eine widmete sich dem Vater, der andere Teil der Mutter,
  • einer lebte für das (spätere) Vaterland, der andere verwurzelte sich in der Erde, der späteren Heimat

Um einmal das Ganze zu verstehen, mussten die Teile herausgebildet und durchlebt werden.

Das war der Sinn der Geschlechtertrennung. Das Durchleben ist nun erfolgt, denn jeder war oft genug Mann oder Frau, und kennt von daher beide Prinzipien (Ich und Wir). Jetzt gilt es, sie anzuwenden, was nur geht, wenn man aus der Identifizierung mit einem der Pole findet – und beide als berechtigt anzuerkennen vermag.

Dieser Schritt in der Bewusstseinsentwicklung wurde bereits von jenen Seelen geschafft, die Heimat und Vaterland gleichermaßen begrüßen konnten. Der Weltbürger-Anwärter wurde hier geboren, der sich wegen ausreichender Abnabelung nicht mehr ausschließlich mit einem der Pole identifiziert. Stellen wir es so dar:

Eine neue Art der Liebe

Im Zuge dieser Abnabelung wandelte sich gleichzeitig das Verhältnis der Geschlechter. Zwar hatten Eheleute auch früher Gefühle füreinander, doch die speisten sich aus gleicher Zugehörigkeit zur Sippe und unpersönlicher, sprich artbezogener erotischer Anziehung. Mit Bedacht schreibe ich “art-” statt geschlechtsbezogen, denn man findet sich ja auch oft eigen-artig, nicht wahr? Männer und Frauen sind von einer ganz anderen Art, die eine von der Venus stammend, die andere vom Mars. Das ist tatsächlich so, und lange Zeit war das einzig Verbindende das Zusammenpassen der Geschlechtsorgane.

Persönliche Liebe, die dem anderen als unverwechselbarem Individuum gilt, die gab es nicht oder kaum.

Eine schwerwiegende Behauptung, die ebenfalls kurze Meditation verdient. Liebe war nicht zu allen Zeiten gleich, sondern hat sich gewandelt wie die “Mutterliebe” des Säuglings zu der eines Erwachsenen. Das Gemeinte lässt sich noch gut in der Großelterngeneration beobachten, wo Paare ja oft eher wie Kameraden und Kumpels wirken.

Persönliche Liebe, die wirklich den anderen Menschen als Individuum meint, ist etwas Neues in der Weltentwicklung, und das stelle ich aus Zeitgründen ebenfalls einfach so hin. Diese will zum Weltbürgertum. Bevor der eigentlich schon beendete Geschlechterkampf erneut entbrannte, und man 1870 den Völkchen weltweit falsche nationale Identitäten überstülpte (siehe hier), gab es eine Phase der Versöhnung auf zwischenmenschlicher Ebene, ganz privat und individuell.

Erstmals sahen sich die Eheleute, die ja im Prinzip Vertreter verschiedener Lager und Welten sind, an und in die Augen.

Das Bild dazu:

Diese Phase erstmaliger Anerkennung des anderen als Person oder eben Mensch, jenseits von Rollen, ist bekannt als Deutsche Romantik. Ihr wahrer Wert wurde begraben und harrt der Wiederentdeckung.

Die Rede ist von einer Art der Zuneigung, die nicht auf (letztlich egoistischen) Lustgewinn oder Verschmelzung in der Herdenwärme zielt, sondern das Geheimnis im anderen erahnt. Also den Menschen, der jemand wirklich ist. Deshalb sehen sich Verliebte (oder sich verwandt fühlende Seelen) so verzückt in die Augen, als ob sie auf dem Grund der anderen Seele etwas suchten. Dieses Etwas offenbart sich aber nur dem geduldig Unbefangenen, der zu lauschen und warten vermag.

Genau diese frohe Erwartung wird mit Corona in ihr Gegenteil verkehrt, wo Angst vor dem geschürt wird, was jemand in sich tragen könnte.

Diese Art zärtlich-scheuer Liebe, die als Ideal im 18. Jahrhundert im Land der Dichter und Denker geboren wurde, will den anderen verstehen. Ich möchte das gern dick unterstreichen, so wichtig ist der kleine Satz.

Verstehen heißt, den Platz zu tauschen

Diese Liebe sucht nicht nach bewusstloser Verschmelzung in einem diffusen Wir, sondern nach Überbrückung der Unterschiede in einer bisher nie dagewesenen Herzlichkeit. Diese ist sorgfältig von Kumpanei und leutseliger Verbrüderung zu unterscheiden, was wir bei der Dreigliederung weiter vertiefen werden. Die neue Herzlichkeit ist im Rahmen der (christlichen) Ehe langsam herangereift, wo man durch Aushalten von Unterschieden die Gelegenheit bekam, das Erbarmen zu lernen. Mann und Frau, Ich- und Wirpol können aus sich heraus nicht zusammenfinden, sondern maximal im Rahmen bestimmter Regeln (=Protokoll) miteinander verkehren. Freie und wirkliche Gemeinschaftsbildung ist nur mit der hier gemeinten Mitte möglich, die beide Seiten nachvollziehen kann.

Ist es nicht zum Herzerbarmen, dieses ewige Gegeneinander, und die Spaltung der Welt in Ost und West? Wie viele müssen noch sterben, bevor wir die Brücke schlagen? Wir, die Angehörigen der deutschen Völker im Herzen der Welt?

Denn dieses Land ist Mittelerde, wie Tolkien wusste, und fällt es, wird lange Zeit das Dunkel herrschen – Sauron, der Geist der Zwietracht.

Gerade hält die Welt den Atem an, im wahrsten Sinn des Wortes. Still wird es, so dass die von vielen bewegte Frage endlich hörbar werden kann: wie soll es denn nur weitergehen? Die Antwort können nur die Erben der Dichter und Denker geben.

Wie Rudolf Steiner sagte, steht die Menschheit am Scheideweg. Eine menschliche Zukunft wird es nach seiner Aussage nur geben, wenn wir diese von ganzem Herzen wollen. Ein Bild, eine Vision muss her, die besonders in Verliebten auftaucht. Das Bild einer Zukunft, in der wir uns wieder lieben gelernt haben über alle Unterschiede hinweg, und jeder sein eigener Kaiser und Papst geworden sein wird. Ja, früher sollte man beiden geben, was ihnen gebührt, doch in der neuen Zeit kann und muss jeder dem Vater und der Mutter (in sich und im Außen) frei gegenüberstehen, damit das Herz in der Mitte fühlend schlagen kann. Wir werden noch ansehen, was dazu nötig ist, mit diesen Bildern als Vorschau.

Lasst uns also nach einer Vision streben, gemeinsam mit Herz und Hand, wie es in der Nationalhymne heißt – berührt und geführt von der “Freude schöner Götterfunken”. Ob sich die richtige Vision einstellt, erkennen wir daran, dass sie sich sinnvoll anfühlt, und die Leere im Herzen zu erfüllen beginnt. Sehen wir uns nun die Soziale Dreigliederung genauer an, die großen Aussichten und verbleibende Hürden.


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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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Jürgen Elsen - 3. Mai 2020

“..Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, dass möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können.” (GA 196)

R.S. spricht darüber 1920 – also vor 100 Jahren.
Sind heute irgendwo diese – letztenendes organisational wirkende Institutionen im Sinne des von Steiner gemeinten Kontextes von Menschen gebildet worden ?

Ich kann keine sehen. Das einzige, was mir dazu einfällt ist mal wieder das KRD und schade, daß hier geschaffene – natürlich noch in den Anfang steckende Institutionen, die den Menschen im Sinne des obigen Artikels im Mittelpunkt haben – gerade von denen, die schon 100 Jahre über so etwas debattieren nicht mit weiterentwickelt werden …

Woran liegt das? Was stimmt denn nicht? Was braucht es denn noch?

Reply
    Thomas C. Liebl - 3. Mai 2020

    Danke für Antwort, Jürgen!

    Nein, die Institutionen sind nicht gebildet worden, oder besser der Staat nicht dreigegliedert. Der Grund dafür liegt m.E. im Zitat. Es haben sich eben zu wenig Menschen gefunden, die “diese Dinge” verinnerlicht haben. Wer das tut, muss staatliche Bevormundung in Bildungs- oder Gesundheitsfragen (!) vehement ablehnen. Aber genau das erlebe ich bei sehr wenigen. Da haben Dichter noch Emanzipations vor sich, wie ich schrieb, und Denker Befreiungsarbeit.

    herzlich
    Thomas C.

    Reply
Jürgen Elsen - 13. Mai 2020

Danke, Thomas – natürlich auch wieder für Deine anregenden Texte, Deine Zeit und Aufwand …. !

Wie Du schon sagst: es haben sich zu wenige Menschen gefunden, die … VERINNERLICHT haben…

Bei mir bedeutet Verinnerlichung eben auch das Einschließen von Willensenergie (= Tat).

Der “Moll-Schritt” der Verinnerlichung ist nur die eine Seite, darauf folgt der “Dur-Schritt” der Tat.

Und deshalb reicht es auch nicht “irgendetwas” – ja meist wohl gedanklich und verbal – abzulehnen (wie Du schreibst), sondern es müssen DAZU dann auch Schritte manifestiert werden.

Sonst kommt es eben nicht zu den Einrichtungen (“Dur-Manifestationen”), selbst, wenn Menschen da sind, die schon schön “mollig” sind und das überall hintönen 😉

Wir können uns ja jetzt alle “corona-bewähren”. Ich setze nirgendswo eine Maske auf, sondern ein freundliches Lächeln.

Falls ich des Hauses (Geschäft) verwiesen werden, komme ich dem natürlich nach, aber nicht ohne entsprechende “Belehrung”, nach dem Motto: Sie müssen das nicht tun !!! 😉

herzliche Grüße und weiterhin viel Energie und Wohlwollen

Jürgen

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Ursula - 27. Mai 2020

Ich möchte mitteilen, dass ich sehr zu einer Gemeinschaft im obigen Sinne zählen würde, aber doch lieber den Rückzug in mein kleines Reich antrete, da ich die allerwenigsten Menschen zu ertragen weiß.
Also gelingt es mir nicht, in einem heilenden Sinne zu wirken. Da ist zu viel kaputt.
Wozu kann ich denn noch dienen, wenn nicht zum Aufbau einer weiterführenden Gemeinschaft?

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Martin MS - 3. Juni 2020

Auch wenn ich nicht alles 1 zu 1 teile, das Gefühl geistiger Verwandtschaft ist sehr deutlich, von daher: *meld*.
Herzlichen Gruß,
Martin aus Marburg

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