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Wege aus der Krise: wie dichtende Denker Gesellschaft gestalten

Gesellschaftliche Rollen und der gute Ton

Ordnungen mit mehr oder weniger starrer Aufgaben- und Kompetenzzuweisung gibt es auch heute noch zuhauf, z.B. in Sportmannschaften oder Firmen. Das ist uns vertraut. Auch die Notwendigkeit von Zusammenarbeit leuchtet ein, denn miteinander baut sich ein Auto leichter als alleine.

Was jedoch völlig vergessen wurde, ist das Wie der Zusammenarbeit.

Was Du hier siehst, liebe Leserin und Leser, ist eine erste Antwort auf die Frage, in welcher Welt wir eigentlich leben – bzw. lebten. Skizzenhaft ist angedeutet, was bei der Übernahme der alten Ordnung weitgehend unter den Tisch fiel, nämlich in welcher Art man sich miteinander in Beziehung zu setzen hatte.

Rollenzuweisung war an Verhältnisregelung gekoppelt!

Wie gesagt, reagiert ja eine Mehrheit verärgert, wenn sich Amtsträger auf Kosten aller ihr privates Säckel füllen. Das ist korrupt, das geht gar nicht! Wir spüren, dass in der heutigen Gesellschaftsordnung etwas fehlt, das im Bild gezeigt wird: Regeln für Anstand und Sitte nämlich, die für alle Beteiligten gelten. Macht wurde früher eben nur dem Dienstwilligen verliehen, denn wozu sollte er sie nutzen? Zur Bereicherung? Natürlich nicht, sondern um aus den (Ab-) Gaben des Volkes etwas Sinnvolles zu machen, etwas, das die Gemeinschaft weiterbringt.

Steuern heißen so, weil durch sie das Gesellschaftsschiff möglichst weise gesteuert werden sollte. Dieses Motiv klang schon beim Unterschied von Apparat und weise gelenkter Apparatur an. Steuern wurden normalerweise nicht erpresst, sondern willig im Vertrauen übergeben, dass der Würdenträger die Würde verantwortungsvoll zu tragen vermochte. Doch darüber wachte “der da oben” schon, der gute Hirte als gesalbtes Oberhaupt.

Anmerkung
Sollte sich der Verdacht regen, hier würde für eine Rückkehr zur guten alten Ordnung plädiert, so sei beruhigt. Wir wollen ja in die Zukunft, nicht zurück. Zunächst geht es nur um ein vollständigeres Bild der alten Gesellschaft, denn vieles wurde vergessen und verdreht. Erst dann fragen wir nach dem Sinn, und Du wirst erstaunt sein, was das alles mal werden will!

Letzte Reste des einst umfassenden Regelkanons haben sich im politischen Protokoll erhalten, das bei offiziellen Anlässen noch zur Anwendung kommt (siehe hier). Bitte öffne die Seite und achte auf Formulierungen wie “ist zu berücksichtigen” oder “angemessene Berücksichtigung.” Herrscher oder Repräsentant zu sein erfordert offenbar sehr viel Umsicht und vorbildhafte Selbstdisziplin, worüber u.a. die Wohlhabenden unter uns mal nachdenken sollten. Wie schon der Begriff verrät, halten sie das Wohl in den Händen, und damit ist nicht ihr eigenes gemeint.

Sollte man wieder gängeln?

Ich bin noch mit dem “Knigge” aufgewachsen, den von der heutigen Jugend kaum noch jemand kennen dürfte. Heute ist alles so “frei”, dass es schwerfällt, sich den Grad der Durchregulierung vorzustellen, der früher herrschte. Doch eigentlich muss man nur mal den jüdischen Talmud in die Hand nehmen oder nach Asien schauen, wo sich Hunderte solcher Benimmregeln bis heute erhalten haben.

Nun die Frage: ist es gut, dass sie bei uns außer Kraft sind, oder sollten wir sie wieder einführen – inkl. Pranger?

Da stößt man unversehens auf eine äußerst schwierige Situation. Denn einerseits verwahren wir uns dagegen, jeden Schritt und Handgriff vorgeschrieben zu bekommen. Selbst will jeder tun und lassen, was ihm oder ihr gefällt, die anderen aber – und erst recht die da oben – sollen durchaus gemaßregelt und in die Schranken verwiesen werden. Klagen über “all die Idioten da draußen” hört man ja ständig, doch Selbstkritik fast nie.

Jedes zweite Gespräch dreht sich um die Verfehlungen anderer, die man nur zu gerne am Pranger oder gar am Galgen sähe. In den Spiegel blicken hingegen nur wenige, was für einen Souverän aber vornehmste Pflicht wäre! An dieser Stelle kann deutlich werden, wie schwer und unangenehm das innerliche Wenden und “auf den Kopf stellen” ist.

Freiheit will jeder, doch wer will ihren Preis zahlen, sich nämlich wie ein Würdenträger so zu verhalten, dass er anderen zum Vorbild dient?

Wer Umsicht und Selbstdisziplin nur von denen da oben fordert, selbst aber “die Sau rauslässt”, stellt sich selbst nach unten an die Position des Untertans. Ist z.B. die Nacktheit in den Straßen als ungehörig, unanständig und unsittlich zu bezeichnen, zu der in all diesen stylishen “Blättchen” ermuntert wird?

Aber sicher doch, schon weil sie junge Männer der Chance beraubt, die seelischen Qualitäten von Frauenmenschen wertschätzen zu lernen. Diese werden ja nie ins Bild gesetzt, doch leider wird als prüde belächelt und beschimpft, wer das anprangert. Da hat die nach dem Krieg einsetzende Umerziehung ganze Arbeit geleistet. Doch ist das Ablegen aller Scham jene Art von Freiheit, für die Generationen gekämpft und geblutet haben? Ich denke nicht, und deshalb wird ein wichtiger Schritt in die ersehnte heile Welt sein, dass wir uns über neue Regeln für Anstand und Sitte unterhalten,

…denen wir uns aus Einsicht genauso freiwillig unterwerfen wie Diätplänen.

Nochmal: wir spüren, dass zügellose Willkür keine Option ist, und das dürfte auch der Grund sein, warum „political correctness“ nicht vehement abgelehnt und als das erkannt wird, was sie ist: eine Gedanken- und Verhaltenspolizei!

Wenn Kanzlerin Merkel fordert, man solle sich an ihre Regeln halten und nur offiziellen Meldungen “glauben”, müsste das unter Souveränen einen Sturm der Entrüstung auslösen. Tut es aber nicht, aus Gründen, die noch klar werden im Laufe dieser Ausführungen. Ein Souverän verbittet sich jede Einmischung, weil er nur eigener Einsicht folgt – basierend auf Verständnis. Warum gab es also all die Vorschriften, was meinst Du?

Der Sinn des Protokolls

“Weil die Mächtigen eben Spaß am Kontrollieren und Ausbeuten hatten”, werden viele wohl meinen. Doch wie schon beim Thema Stadtplanung im Mittelalter gesagt, hielt selbstsüchtige Korruption erst nach und nach Einzug.

“Es ging einfach um Ordnung”, werden andere sagen, “also um Platzanweisungen wie heute in einer Fabrik, damit trotz all der Idioten etwas produziert und der Karren am Laufen gehalten werden kann.” Doch ist das so? Zucht und Ordnung für materiellen Wohlstand? Warum dann aber Erntedankfeste oder die vielen Feiertage, wo man noch wirklich der Verstorbenen gedachte oder der Himmelfahrt des Christus? Wäre die frühere Gesellschaft nur als Produktionsbetrieb mit straffer Führung verstanden worden, hätte man sich das “spirituelle Klimbim” doch sparen können, oder?

Auch ich trug lange das Bild der frommen, schlichten Gemüter mit mir rum, die letztlich aus abergläubischer Angst ein gottgefälliges Leben führten. War aber wirklich Angst vor der Höllenfahrt das Motiv, Häuser und alle Gegenstände des Alltags und selbst die Waffen liebevoll zu verzieren? Ist das der Grund für höchste Kunstfertigkeit im Mittelalter, oder all die Mühe bei Züchtungen von Obstsorten, Landschaftsgestaltung etc.? Man war auf Gestaltung regelrecht versessen, auch auf die von Beziehungen und hatte offenbar eine sehr genaue Vorstellung davon, wann etwas recht getan ist, und was sich unter Menschen schickt und ziemt. Woher kommt das? Oder was ist mit diesen ausgeklügelt-facettenreichen Bändertänzen inklusive kunstvollster Trachten in grenzenloser Vielfalt?

Warum die Mühe und überbordende Kreativität?

Ein Verdacht stieg auf, als bei Recherchen zufällig eine Verbindung zwischen moderner Klangforschung und alten Kathedralen sichtbar wurde, siehe hier. Es kann schon erstaunen, dass die Farben in der Natur immer in Harmonie zueinander sind, was mehr auf künstlerische Kompetenz als auf Zufall hindeutet.

Doch dass jeder Klang, jede gesprochene Silbe wunderschöne geometrische (!) Gebilde erzeugt, ist mehr als erstaunlich. Wer hätte das auch nur geahnt oder gar gewusst, bevor sich Menschen mit Kymatik beschäftigten?

Nun, die alten Baumeister offenbar, denn die 800 Jahre alten Kirchenfenster entsprechen diesen Klangformen exakt!

Ein paar der hier gemeinten Klangformen sind im Video ab 3:07 zu sehen. Dazu am Anfang Aufnahmen, die Zellstrukturen verblüffend ähneln. Könnte die Welt womöglich so entstanden sein, wie es die Genesis beschreibt, nämlich aus und durch das gestaltend-schöpfende Wort (eines) Gottes?

Bitte GANZ ansehen!

War der Zweck dieser Fenster also wirklich nur Zierde, wenn man die Aufwändigkeit der Herstellung bedenkt? Oder sollten sie Seelen harmonisieren, die im Zustand der Gläubigkeit viel offener sind – sie also gesunden (Stichwort Klangheilung)? Gleichzeitig aber Harmonie als erstrebenswertes Grundprinzip aller Schöpfung eindrücklich vor Augen führen?

Betrieb man diesen Aufwand aus pädagogischen Gründen – für die Schöpfer nämlich, die wir selbst dereinst werden sollen?

Gesellschaft als Klangbild

Die Welt ist Klang, wie Joachim-Ernst Berendt so treffend formulierte, ein klingend-schwingendes Gebilde, wie jedes Wesen in sich selbst. Feste, starr gefügte Materie ist eine Illusion, wie auch die Wissenschaft inzwischen weiß. Es gibt keine kleinen Kügelchen mit definierbaren Grenzen, die wir Elektronen oder Atomkerne nennen, sondern nur vibrierende, also höchst unberechenbare Energiezustände. Wie jede lebende Form bestehen auch wir Menschen aus miteinander tanzenden Kräften, die als die Vier Elemente schon lange bekannt sind.

Jeder, der mit östlicher Medizin vertraut ist, kennt das Prinzip: Gesundheit erhalten heißt Kräfte ins Gleichgewicht zu bringen. Normalerweise beziehen wir das Prinzip aber nur auf unseren eigenen Organismus, doch es gilt universell. Wie im Großen so im Kleinen.

Auch wir miteinander bilden einen Organismus, und sind seelisch-geistig aufs Intimste miteinander und mit allen Geschöpfen verbunden.

Das beweisen auch die Forschungen von Masaru Emoto, der nachweisen konnte, dass unsere Gedanken und Gefühle weitreichende Auswirkungen haben. Negativ eingestellte Menschen ziehen einen spürbar herunter und entziehen Lebenskraft, und die soziale Atmosphäre wird durch unpassende Bemerkungen, Patzigkeiten und Beleidigungen vergiftet. Andersrum wird diese durch wohlmeinende oder versöhnliche Worte spürbar entlastet und aufgehellt.

Man denke auch an die gedrückte oder gelöste Stimmung, bleiern lastende Schwere oder an die alle ergreifende Begeisterung.

Das Zwischenmenschliche ist eine Realität, die unabhängig von unserer subjektiven Wahrnehmung oder Interpretation existiert! Es kann gesund und fruchtbar sein, oder krank und lähmend. Und selbstverständlich können Blicke töten, wenn auch langsam, und sinnloses, nervtötendes Geschwafel greift die Nerven an. Suche am besten selbst Beispiele für solche Wahrnehmungen im Seelenraum, deren es noch unzählige gibt!

Hier, was Rudolf Steiner zur Illusion des Getrenntseins zu sagen hat:

Wir sind nicht getrennt, denn in der Ätherwelt, in der unsere Gedanken einander berühren, besteht die Trennung nicht, die in der stofflichen Welt ist. […] Und in diesem Geistig-sich-vereinigt-Fühlen mit den Dingen kann es uns auch allmählich klar werden, dass das wahre Sein der Dinge in dieser unsichtbaren, aber als real empfundenen Geistesatmosphäre liegt, während das, was die Dinge stofflich sind, uns mehr und mehr seinen Charakter der Irrealität enthüllen wird.
(aus GA 266c, S. 273 ff)

Gerade hat alles Angst vor einem winzigen Stück Information (mehr ist ein Virus nicht), doch über die Folgen der modernen Arbeitswelt spricht keiner.

Die Wirkung sinnloser Maloche

Viele von uns gehen ja nur mit Widerwillen zur Arbeit, und hassen die in vielen Fällen überflüssige und sinnlose Maloche. Das dabei freigesetzte Seelengift hat weitaus gravierendere Folgen als sie ein Virus haben könnte. In Wahrheit bereitet solches Seelengift erst den Nährboden, auf dem dieser gedeihen kann. Darüber könnte in der derzeitigen “Coronakrise” mal nachgedacht und diskutiert werden, wie die Freude an der Arbeit gefördert werden könnte.

Und damit sind nicht noch trickreichere Anreiz- und Belohnungssysteme gemeint, sondern wie das Wirtschaften neuen Sinn bekommt, so dass man sich auf jeden neuen Arbeitstag freuen kann. Neben der Verbesserung der äußeren Bedingungen durch Soziale Dreigliederung scheint mir ein wesentlicher Aspekt in der Förderung des Miteinanders zu liegen, damit aus armen Seelen in der gleichen Tretmühle ein seelisch bereichernder Kollegenkreis wird. Ohne dass wir uns neu “in Beziehung setzen”, wird es auch im Wirtschaftsleben einer Dreigliederung nicht besser laufen.

Halten wir fest
Das Wie menschlichen Miteinanders wurde früher geregelt, weil man um die gesundenden oder krankmachenden Wirkungen bestimmter Handlungen und der dahinter stehenden Gedankenkräfte wusste.

Deshalb wurden auch Klatsch und Tratsch streng unterbunden und teils rigoros bestraft, wie auch Ehrverletzungen, Verleumdungen oder üble Nachrede.

Um uns jetzt frei in Beziehung zu setzen, was zeitgemäß ist, müssen die Regeln bekannt sein und beherzigt werden. Das ist der Kerngedanke dieses Beitrags!

Der soziale Organismus ist genauso kompliziert wie unser eigener, und für beide gilt: Gedanken- und Gefühlskräfte müssen in der richtigen Abfolge und Dosierung eingebracht werden, damit das soziale Klima stimmt. Musikalisch geschulte Sinne nehmen die Störung des Einklangs durch Misstöne deutlich wahr, sprich das sich daraus ergebende Klangbild. In Farben übersetzt wurde die Kunst des Zusammenklangs seit Jahrtausenden gelehrt, und zwar u.a. durch Mandalas!

Es sind Beispiele für die Kunst, elementare Kräfte in harmonisches Spiel zu bringen. Dieses Wissen ist die Quelle der alten Regelwerke für soziales Verhalten. Wird ein Organismus verletzt, also die rechte Ordnung gestört, beginnt das Leben aus ihm zu weichen. Für den uns verbindenden Seelenraum gilt das gleiche. Der Ton macht die Musik, nicht wahr, und Worte kann man nicht zurücknehmen. Ätzende Bemerkungen entfalten ihre zerstörende Wirkung bis hin zum Kriegszustand – Worte der Versöhnung aber stiften Frieden.

Um es klar zu sagen:
Wenn uns heute von Kommunikations-“Theoretikern” erzählt wird, eine Beleidigung sei eine rein subjektive Angelegenheit, so ist das gefährlicher Unsinn! Mit Abprallen lassen und Taubstellen ist es nicht getan! Es ist erstrebenswert, Gelassenheit gegenüber verbalen Angriffen zu üben, und ihnen mit Sanftmut zu begegnen. Doch Beleidigungen verletzen die Ehre und treffen das Herz, das eigene wie das des Sozialen Organismus. Deshalb ist es ja so wichtig, seine Zunge zu hüten – ein hoher Anspruch an den Souverän in uns. Der lässt eben nicht die Sau raus, sondern verwandelt das Biest in die Schöne.

Vom guten Zusammen-“Spiel”

Die alte Gesellschaftsordnung entstand also aus Bemühung um Einklang, sprich die sich in Wort und Tat auslebenden Seelenkräfte so zusammenspielen zu lassen, dass der Organismus gesund und lebensfähig ist. Nur dann kann darin das Glück und ein einigender Geist wohnen. Im umgekehrten Fall zieht der Ungeist ein, z.B. wenn Frauenmenschen ihre Kräfte als Waffen einsetzen, statt das Leben mit ihnen zu fördern, oder Männer ständig auf Prinzipien rumreiten, statt lediglich Grenzen zu ziehen, in denen sich Dinge entwickeln können.

Wie viele mögen in Gefängnissen sitzen, in deren Verhalten sich die Krankheit nur Bahn brach, die letztlich von allen mit bewirkt wird?

Noch vor 100 Jahren suchte man die Ursache für Verbrechen in den Genen, und bis heute spekuliert man auf eine Art Ansteckungsmechanismus. Sinnvoller wäre, von Wechselwirkungen im Seelenfeld auszugehen oder zumindest mit einzubeziehen. Wie man durch Familienaufstellungen weiß, entfalten z.B. ungesühnte Verbrechen ihre kränkende Wirkung über Generationen hinweg, und ein Unschuldiger lebt oftmals aus, was jemand ganz anderes verbrochen hat. So erstaunlich hängen wir alle miteinander zusammen, und vielleicht wirft das neues Licht auf die häufige Klage, wie krank unsere Gesellschaft sei.

Hier schimmert die mütterliche Kugel durch, also das Bewusstsein für die Tatsache des Verflochtenseins bis hin zu Erblinien etc. Wie abhängig wir voneinander sind, führt uns nicht zuletzt Corona vor Augen: wenn kein Geld mehr fließt, weil wir wechselseitig unsere Angebote nachfragen, sitzen alle auf dem Trockenen. Der Blutstrom des Sozialen Organismus versiegt.

Hören wir auf, die Schuld immer nur bei wenigen “Bösewichten” zu suchen, und bemühen uns lieber ganz allgemein um wohlmeinende Gedanken, eine warme soziale Atmosphäre sowie eine Änderung der Arbeitsbedingungen. Irgendwo muss der Hass ja hin, der in der Arbeitswelt produziert wird. Wir Menschen arbeiten gerne, aber nicht, wenn guter Wille ausgenutzt wird und wir für immer weniger Lohn zu immer mehr unbezahlten Überstunden gepresst werden. Das ist doch die wahre Bilanz dieses unsozialen Bruttoprodukts, dass die Überproduktion von immer mehr Ramsch mit gegenseitiger Erpressung, Nötigung und Vergewaltigung erkauft wird.

Vielleicht ist ein Wirtschaftskollaps sogar zu begrüßen, so dass wir Wirtschaft mal neu und menschengemäß denken können?

Wer die Kräfte kennt, aus denen der Kosmos besteht, und wie sie zusammenspielen müssen, der kann heilen – einen menschlichen Organismus wie auch eine Gesellschaft. Nichts anderes tut ein Dirigent mit den unterschiedlichen Instrumenten und Stimmlagen von Sängern. Er arrangiert sie zu einem Klangkörper, in dem der die Seele erhebende Geist wohnen kann. Und welche Kräfte sind das, und wie müssen sie zusammenspielen (siehe Verhältnis Adel und Volk)?

Was Kasper uns sagen will

Diese Wissenschaft wurde meines Erachtens über Mythen und Märchen vermittelt, und natürlich im Kasperletheater!

Quelle

Die Charaktere in dem, was Kinder richtigerweise noch als Drama (im Welttheater) wahrnehmen, sind im Grunde die personifizierten vier Elemente, die mit den 12 Seelenarten des Tierkreises zusammenhängen. In anderen Kulturen hatte man andere solche Theater, z.B. die Peking-Oper in China.

Dieselben Kräfte, die äußerlich wahrnehmbar Galaxien erschaffen und auch unsere Erde (ich erinnnere an das Magnetfeld), treten in uns als Archetypen auf.

Kasper, Gretl, Krokodil und auch der Teufel sind personifizierte, fleischgewordene Weltenkräfte, die in jedem von uns in unterschiedlicher Dosierung leben. Doch jeder versteht, dass sie alle zum Spiel gehören, denn ohne den Teufel käme man nicht in Versuchung, und ohne böse Zauberer hätte der Ritter keine Prinzessin zu retten. Das Zusammenspiel dieser personifizierten Kräfte, das wurde im Kasperletheater unterrichtet und im Alltag gelebt. Was also waren die alten Gesellschaften mit ihrer strikten Rollenverteilung?

Richtig, ein großes Theater mit genau definierten, verteilten Rollen. An ihnen sollten wir die Kräfte der einzelnen Charaktere kennenlernen, damit wir sie heute selbstbestimmt und dynamisch handhaben können.

Die Theaterkunde haben wir schon absolviert, was erklärt, warum wir treffsicher den Klassenclown oder Spielverderber erkennnen, wenn er sich in einer Gruppe zeigt: wir haben diese Typen ja alle mal gespielt – allerdings im Rahmen eines wohl definierten Ablaufplanes, wie er im Protokoll für Staatsempfänge etc. noch erkennbar ist. Jetzt ist die Zeit vorbei, in der wir uns mit einer bestimmten Rolle identifizieren und in ihr aufgehen sollen – was die Empfindung des Politzirkus beweist.


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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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Jürgen Elsen - 3. Mai 2020

“..Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, dass möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können.” (GA 196)

R.S. spricht darüber 1920 – also vor 100 Jahren.
Sind heute irgendwo diese – letztenendes organisational wirkende Institutionen im Sinne des von Steiner gemeinten Kontextes von Menschen gebildet worden ?

Ich kann keine sehen. Das einzige, was mir dazu einfällt ist mal wieder das KRD und schade, daß hier geschaffene – natürlich noch in den Anfang steckende Institutionen, die den Menschen im Sinne des obigen Artikels im Mittelpunkt haben – gerade von denen, die schon 100 Jahre über so etwas debattieren nicht mit weiterentwickelt werden …

Woran liegt das? Was stimmt denn nicht? Was braucht es denn noch?

Reply
    Thomas C. Liebl - 3. Mai 2020

    Danke für Antwort, Jürgen!

    Nein, die Institutionen sind nicht gebildet worden, oder besser der Staat nicht dreigegliedert. Der Grund dafür liegt m.E. im Zitat. Es haben sich eben zu wenig Menschen gefunden, die “diese Dinge” verinnerlicht haben. Wer das tut, muss staatliche Bevormundung in Bildungs- oder Gesundheitsfragen (!) vehement ablehnen. Aber genau das erlebe ich bei sehr wenigen. Da haben Dichter noch Emanzipations vor sich, wie ich schrieb, und Denker Befreiungsarbeit.

    herzlich
    Thomas C.

    Reply
Jürgen Elsen - 13. Mai 2020

Danke, Thomas – natürlich auch wieder für Deine anregenden Texte, Deine Zeit und Aufwand …. !

Wie Du schon sagst: es haben sich zu wenige Menschen gefunden, die … VERINNERLICHT haben…

Bei mir bedeutet Verinnerlichung eben auch das Einschließen von Willensenergie (= Tat).

Der “Moll-Schritt” der Verinnerlichung ist nur die eine Seite, darauf folgt der “Dur-Schritt” der Tat.

Und deshalb reicht es auch nicht “irgendetwas” – ja meist wohl gedanklich und verbal – abzulehnen (wie Du schreibst), sondern es müssen DAZU dann auch Schritte manifestiert werden.

Sonst kommt es eben nicht zu den Einrichtungen (“Dur-Manifestationen”), selbst, wenn Menschen da sind, die schon schön “mollig” sind und das überall hintönen 😉

Wir können uns ja jetzt alle “corona-bewähren”. Ich setze nirgendswo eine Maske auf, sondern ein freundliches Lächeln.

Falls ich des Hauses (Geschäft) verwiesen werden, komme ich dem natürlich nach, aber nicht ohne entsprechende “Belehrung”, nach dem Motto: Sie müssen das nicht tun !!! 😉

herzliche Grüße und weiterhin viel Energie und Wohlwollen

Jürgen

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