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Wege aus der Krise: wie dichtende Denker Gesellschaft gestalten

Von der Herde zur freien Assoziation

Wenn man den Vorwurf des Verschwörungstheoretiker als Herausforderung begreift, dem Übervater doch endlich mal zu widersprechen, wo ist dann das Pendant? Wer reizt den Dichter in uns, der Muttersippe und ihren Zwängen mal den Kampf anzusagen? Corona tut es, denn wer es wagt, aus der Masse auszuscheren und sein Ding zu machen, wird mit der ultimativen Verherdungsformel beschossen, die da lautet: “Du solltest dich was schämen! Du bist schuld wenn wir alle sterben.” Stichwort Quarantäneschämen oder quarantine-shaming.

Gezielte Arbeit mit diffuser Schuldzuweisung

Fern aller Beweise wird hier unterstellt, ein Einzelner könnte durch sein “aus der Reihe tanzen” alle ins Verderben stürzen – oder durch etwas, dass man in sich trägt. Angesichts fehlender Fakten ließe sich das leicht vom Tisch wischen, aber dennoch entfalten Schamappelle und Schuldzuweisung ihre lähmende Wirkung, nicht wahr? Denn kann man sich wirklich sicher sein, keine Gefahr darzustellen? Vielleicht ist man ja wirklich einfach egoistisch, und sollte es deshalb den anderen “gleichtun” und auf die Sippe hören?

Das gleiche Motiv kommt im Alltag zur oft Anwendung, um unliebsame Konkurrenten auszuschalten.

Statt auf womöglich berechtigte Argumente einzugehen, wird mit “du komischer Vogel” die Gesamtpersönlichkeit in Frage gestellt. Sprüche wie “alle hier sind sich einig, dass mit dir irgendwas nicht stimmt”, oder “keiner mag dich, da kannst du alle fragen” sind so mächtig, weil sie die ganze “Art” in Frage stellen. Warum wirkt die Behauptung so stark, das einzige schwarze unter lauter weißen Schafen zu sein?

Weil es eine Zeit vor der Individualisierung gab, wo die Art alles war, die Abstammung und die guten Gene.

“Aus gutem Hause zu sein” hat in manchen Kreisen heute noch Bedeutung, und die schlimmste Beleidung ist in vielen Kulturen immer noch die Verunglimpfung der Mutter. “Du Hurensohn” impliziert, dass man durch und durch schlecht, verdorben und am besten auszumerzen ist. Ein fauler Apfel, der zum Wohl des ganzen Korbes einfach entfernt wird, und niemand muss ein schlechtes Gewissen haben!

Der Ruf zur Vermobbung wirkt in der Schule, in Kollegenkreisen und Parteien, und natürlich auch bei der Abstempelung ganzer Volksgruppen als “der” Feind. Wo immer mit Pauschalurteilen gearbeitet und jemandes ganze “Art” in Frage gestellt wird, mit einer nicht näher definierten Abweichung vom “Normalen”, die für die “Allgemeinheit” irgendwie zur Gefahr werden könnte, ist höchste Wachsamkeit geboten. Der Weg von der Brandmarkung des Sündenbocks und Schwarzen Schafes bis hin zur Gruppenvergewaltigung, Lynchjustiz und Euthanasie ist ein sehr kurzer.

Wölfe im Hammelpelz?

Typisch für Herdenverhalten sind, wie schon gesagt, wilde Emotionen bei möglichst unklarer Faktenlage. Da interessiert nicht, wie jemand einsam auf der Wiese sitzend jemanden anstecken könnte, aber darum geht es auch gar nicht.

Der liest ein Buch und tut somit was für sich! Der sondert sich ab, und brät (ganz männlich) eine Extrawurst! Schäm dich, du bringst uns alle in Gefahr!

Das ist der eigentliche Stein des Anstoßes, der den Angriff der Herde auslöst! Er richtet sich gegen Abweichler (vom Ichpol), die es den anderen nicht gleichtun wollen. Hier kann klar werden, dass wir schon weit vom reinen Herdeninstinkt entfernt sind, denn in einer galoppierenden Büffelherde hält niemand nach Mitgliedern Ausschau, die sich von den Löwen vielleicht nicht erschrecken lassen und stehenbleiben, oder zur Gegenwehr aufrufen. Das ist typisch menschlich, im Sinne des uns eigenen Egoismus. Den haben Tiere nicht!

Dafür haben wir einen Verstand, doch wird dieser ausgeschaltet, in natürlich auftretender oder künstlich geschürter Panik, dann regen sich Reste des einstigen Instinktes. Mit Egoismus verquickt ergibt sich dann eine Bösartigkeit, die auf Unterdrückung und Ausmerzung alles Fremden zielt, das aus dem gleichen Schema fällt!

Das wieder aufblühende Denunziantentum hat mit einer echten Herde nichts zu tun. Selbst will man sich schützen, und im Schutze der Uniformierung endlich all jenen an den Kragen, die einem immer schon ein Dorn im Auge waren – den Abweichlern und Andersartigen, was wir ja im Grunde alle sind. Nicht die Gruppe an sich zwingt, sondern Einzelne, die eine Masse mit ähnlichen Motiven hinter sich behaupten. Diffuse Hoffnung auf Zusammenhalt mit Irgendwem (ich erinnere an die Augenbinde, zur Verschleierung der Individualität des Gegenübers) vermischt sich mit verqueren Dominanz- und Machtgelüsten.

Deshalb fände ich es so wichtig, dass sich die Buchleser ebenfalls zusammentun, um das aufkeimende Blockwarttum (männlich) in die Schranken zu weisen. “Bleibt ruhig Leute, der will nur Panik machen und euch aufstacheln!”

Danach kümmert man sich um die Rädelsführer, die ihre Macht und Einfluss mit einseitigen und unklaren Informationen zur Panikmache missbraucht haben.

Corona, ein soziales Experiment

Ich wiederhole im Kontext noch einmal, wohin solche Instinkte der Nachahmung eigentlich wollen.

Instinkte des mitmachen und sich anpassen müssens wollen zu williger Bindung an jene Menschen werden, mit denen einen das Leben selbst in Wirtschafts- und Versorgungsgemeinschaften immer neu zusammenführt. Diesen öffnet man sich wie sonst nur Geschwistern oder Familienangehörigen, verbunden durch freiwilligen Dank und Sorge.

Mit anderen Worten: uns aufeinander einlassen in Freud und Leid, ohne Rücksicht auf unwillkürliche Sympathien und Antipathien – ausgelöst durch jemandes Art, also sein geschlechts-, temperaments- oder kulturbedingtes Gebaren. Ich versage mir besonnen die unwillkürliche Reaktion, und nehme stattdessen unvoreingenommen wahr und Anteil. Ich versetze mich in die Lage des anderen, in Nachahmung seiner Haltung, Empfindungen und Gedanken. Darüber reflektiere ich sodann.

Zu dieser ebenfalls unangenehmen Entwicklung zu wahrer Objektivität fordert uns Corona heraus, und das entnehme ich wieder mal den Schlagzeilen der Mainstreampresse! Denn es wird ganz offen zugegeben, dass gerade (mal wieder) ein gigantisches Soziales Experiment läuft. Siehe hier, hier oder hier. Offenbar sind sich die Betreiber des Experiments über den Ausgang nicht sicher, nämlich ob wir (wieder) in die Falle falscher Versippung tappen.

Lässt sich die alte Bindung wieder aktivieren, wie anno 1933, wo Leute ihr ganzes Sein über den gemeinsamen Stall definierten, dem ihr Körper- und Seelenkleid angeblich entstammte? Reduzieren wir uns wieder auf äußere Merkmale, und suchen seelische Verbindung über eine äußere Gleichheit, die ja gar nicht mehr existiert? Oder ertragen wir die Wirklichkeit,

…dass mittlerweile jeder seine eigene Art ist, und deshalb einsam bis zur Knüpfung neuer Herzensbande?

Solange sich eine gewisse Zahl von Menschen nicht vom Bann solcher massenpsychologischen Mechanismen emanzipiert, und gleichzeitig gegen das Diktat des scheinbar übermächtigen Papa ermächtigt hat, kann es keine menschliche Mitte und damit Soziale Dreigliederung geben. Die gesuchte weltweite Brüderlichkeit wird erst möglich, wenn wir durch freie Beziehung zur großen Mutter jeden Menschen und jedes Wesen als Geschwister entdecken, und auf schwesterliche Art liebgewinnen können.

Deshalb scheint mir auch Schwesterlichkeit als Prinzip für die Wirtschaft viel passender als Brüderlichkeit! Wie wäre es mit Väterlichkeit – Mütterlichkeit – Menschlichkeit?

Machen wir uns ans Befreiungswerk, damit sich die Schwestern aller Länder vereinigen können, dort draußen und in uns.

Wenn die Welt zusammenbricht

Rückbesinnung
Hast Du für Dich klären können, warum nicht immer der frühe Vogel den Wurm fängt, sondern “gut Ding Weile haben will” und Entschlüsse reifen müssen? Oder warum man nicht immer sein Ding machen kann, sondern die Fernwirkungen auf andere bedenken sollte, für den Fall des Wiedersehens, in diesem oder einem anderen Leben? Und wieso liegt mein Schicksal in Gottes Hand, wenn ich doch gleichzeitig meines Glückes Schmied bin? Und nicht zuletzt: wie verträgt sich Demut mit stolzer Mannhaftigkeit, die beide zu den Tugenden des Ritters gehörten?

Unter normalen Bedingungen empfinden wir ein Selbstvertrauen, das sich auf persönliche Erfolge zu stützen scheint, Hobbies und alles, was “mich eben so ausmacht”. Es scheint, als käme die Sicherheit aus uns selbst, aus dem bewussten Ich. Doch die unvermeidlichen Lebens- oder Sinnkrisen belehren uns eines Besseren, in die wir durch die Enttäuschung wegen Verrat oder Betrug geworfen werden, oder weil ein wichtiger Mensch geht oder stirbt. Mit einem Schlag bricht die ganze Welt zusammen. Was vorher wichtig war, wird fad und bedeutungslos, und hehre Zukunftspläne schal. Die Hoffnung schwindet, und aus der Tiefe steigt Dunkelheit. Tief in den Eingeweiden nagen Schmerz und Kummer, die das Gegenbild zur hellen Empörung sind. Dazu fehlt die Kraft, ja, für alles.

Doch wer im Leiden nicht versinkt, sondern es annimmt, bejaht und ansieht, den erwartet großer Gewinn.

Dieses so stabil geglaubte Ich entpuppt sich als winziger Korken, der auf haushohen Lebenswellen tanzt. Sie bestimmen die Richtung nach ihrem Rhythmus. Und damit ist nicht nur gemeint, dass es halt manchmal Krisen gibt, die man irgendwie meistern und sich anpassen muss. Klar muss es immer irgendwie weitergehen, und es ist nicht leicht, sich mit Scheitern anzufreunden, mit Abschied und Verlust. Doch hier geht es nicht um platte Lebensweisheiten, sondern um die Kunst, sich einverstanden zu erklären – und zwar mit den als nicht diskutierbar erkannten und durch Studium bekannten Grundlagen des Lebens. Dazu zählen biologische Rhythmen und in Jahrsiebten erfolgende innere Wandlungen genauso, wie (leider noch kaum bekannte) karmische Gesetzmäßigkeiten

…und andere innere und äußere Bedingtheiten – denen wir unterworfen sind.

Wer ehrlich Resumée zieht, wird finden, dass er seine Erfolge nur zum kleinsten Teil sich selbst verdankt. Da kann Bescheidenheit sich regen, der Widerpart des starken Machers. Was wären wir ohne die uns geschenkte Lebenskraft, Gesundheit, Verständigkeit und Talente? Was ohne begleitende Eltern, Lehrer, Ausbilder, Freunde und noch mehr die Feinde? Was ohne die Bauern und Handwerker, die uns mit dem Nötigen im Überfluss versorgen, so dass wir eigenen Zielen nachstreben können? Oder die zahllosen Maler, Komponisten, Mathematiker und andere Geistesgrößen, ohne die wir gar nichts wären?

Winzig ist das selbst Errungene zu den Gaben, derer wir teilhaftig wurden.

Wir stehen auf den Schultern von Riesen, und profitieren von Leistungen, die Generationen vor uns oft schwer erkämpft haben. Den Ahnen gebührt Dank! Was dem stolzen Hochmut vom Ichpol wie nebensächliches Beiwerk erscheint, sind uns tragende, mächtige Lebenswogen mit gewaltigen Schicksalsströmungen in den Abgründen darunter. Da hat man keine Kontrolle, sondern kann nur mitgehen.

Wir sind alle verschwistert und verschwägert

Nochmal: das wenigste verdanken wir eigener Kraft und Größe! Wer sich dies eingesteht, dem öffnet sich der Blick für eine Realität, die gerade wir Männer gern verdrängen wollen: wir sind Teil, ja Produkt des gewaltigen, urzeitlich-überpersönlichen Lebensstromes.

Und aus diesem menschheitlichen, rassen- und nationenübergreifenden Strom kommt, was in diesem oder jenem Volk oder Persönlichkeit zur Blüte kommen mag. Es entstammt dem Schoß der Menschheit!

Wir werden beim nationalistisch-völkischen Heimatgefühl als früher notwendiger Teilwahrheit darauf zurückkommen.

Was man am Vaterpol auch immer erreichen will und zu sein glaubt, es wächst aus einem gigantisch-unübersehbaren Gewebe von Abhängigkeiten, die z.B. unseren Körper konstituieren. Ob das dem Ego gefällt oder nicht, das sich gern für wahnsinnig unabhängig und einzigartig hält. Oben erhebt sich die stolze Eiche, einsam und scheinbar über alles erhaben. Doch unten, im dunklen Erdreich, ist sie Teil eines unfassbar komplizierten und weltweiten Geflechts, ohne das die Eiche nicht leben könnte.

Sie muss es dulden, dass da Myriaden anderer Wesen sind, die ihr Nahrung bringen und von ihr fordern, dass geteilt, geholfen und auch mal geopfert werden muss, wenn das Leben singen soll. Doch gleichzeitig, o Wunder, ist die mächtige Mutter auf das Mittun aller Wesen angewiesen. Denn so klein der Beitrag eines jeden auch erscheinen mag, so unverzichtbar ist er als Befruchtung für die Weiterentwicklung des Ganzen. Die rechte Waage zwischen Ich und Wir zu finden, zwischen „ich mache mein Ding“ und “opfere mich für das Gemeinwohl”, daran kann uns Corona erinnern.

Sich aus Rücksicht auf Alle von diesen zu isolieren, ist das groteske Gegenbild des eigentlich Geforderten: nämlich Eigeninitiative mit dem abzugleichen, was die Gemeinschaft braucht und verkraften kann.

Damit ist das Verhältnis von Mutter und Vater im Grunde erschöpfend beschrieben, doch wesentliches harrt noch der Entdeckung.

Werde zu den anderen

Die in Sinnkrisen erlebte Ohnmacht erinnert uns an die Abhängigkeit, doch sie will uns nicht erniedrigen. Vielmehr lädt sie uns ein, den Blick zu weiten und das Geschehen zu umfassen. “Das alles bist auch du!” raunt die Mutter uns zu. “All diese Wesen und ihre Schicksale sind Teil von dir, gehören zu dir! Nimm sie an, als die Geschwister, die sie sind – und zwar im Kleinen wie im Großen! Sorge dich um sie, denn dann sorgst du auch für dich.”

In Lebenskrisen erlebte Schmerzen und Trauer sind ein Helfer, aus der einseitigen Identifizierung mit unserer kleinen Körperhülle zu finden, und all das Gewimmel dort draußen als den eigentlichen Körper zu begreifen. Männliche Eigenliebe will sich zu weiblicher Weltliebe weiten – und zwar durch Einfühlung in Freuden und Leiden der anderen und scheinbar von uns getrennten Wesen, als wären es die eigenen. Ich und Wir sind zwei Seiten derselben Münze, und sie finden zusammen, wenn der Wechsel der Perspektive vom Punkt zum Umkreis möglich ist. Dann werden Grenzschließer und Weltumarmer, väterlicher und mütterlicher Standpunkt ins Gespräch finden. Rudolf Steiner hierzu:

Auf äußeren Wegen – er braucht dazu nicht hellsichtig zu sein – wird der Mensch heute zur Sozialität hin gezwungen, weil er eigentlich nur real in dem andern ist, in dem Verhältnis zu dem andern. Und das wird (…) so stark werden, daß es (einmal) als ein Axiom gelten wird: Kein Glück eines einzelnen Menschen ist möglich ohne das Glück der Gesamtheit, so wie ein einzelnes Organ im Menschen nicht funktionieren kann, ohne daß eigentlich das Ganze funktioniert.
GA 187

(Dass es einen solchen Menschheitskörper mit eigenem Seelenraum gibt, beweist die Tatsache, dass neue, selbst ungewöhnliche Ideen zeitgleich an verschiedenen Enden der Welt gefunden werden. Oder dass eine neue Fähigkeit, die Finken in Europa erworben haben, zeitgleich bei Artverwandten in Asien auftritt. Siehe Rupert Sheldrakes Forschungen über morphogenetische Felder.)

Und jetzt etwas sehr Wichtiges
Was am Mutterpol wirklich gelehrt wurde, dem sogenannten einfachen Volk, war das selbstlos-weibliche Aufgehen im Wir. Das war die eigentliche Lektion. Und egal in welchem Volk mit welcher speziellen Heimat und Gebräuchen war die Grundlektion immer die Gleiche: einfach zu werden, schlicht und selbstvergessen, um später im Dienste und Sinne der Gemeinschaft denken und handeln zu können.

Gelehrtheit gegen Bauernschläue

Die einfachen Leute mit dem berühmten schlichten Gemüt wurden mit Absicht lange Zeit bildungsfern gehalten, im Sinne von unverkopft, weil jeder am eigenen Leib erleben sollte, wie das Leben spielt. Hautnah und in erster Reihe. Nur wer körperlich wie seelisch dünnhäutig ist, wie bei Frauen üblich, ist beeindruckbar und empfänglich für Eindrücke.

Um nachdenken und begreifen zu können, muss das Wahrgenommene erst in uns hinein gespiegelt, also reflektiert werden. Dadurch versteht man Gesetzmäßigkeiten, verliert aber auch den unmittelbaren Zusammenhang mit dem Leben. Das ist wie beim unwillkürlich-instinktiven Wippen der Beine im Takt eines Liedes. Versucht man bewusst zu ergründen, worauf man da reagiert, wird der Instinkt sofort unterdrückt.

Verkopfung ermöglicht Verständnis, trennt aber auch von der unmittelbaren Mitempfindung.

Man wird im doppelten Wortsinn dickhäutig, entfremdet sich der Welt mit der Gefahr der Sklerotisierung und Verkalkung. Zurück zum unverbildet gehaltenen Volk, das nicht dumm war, sondern in Form instinktiver (Bauern-) Schläue über eine andere Art des Wissens verfügte. Was sollte sich ihm einprägen im Zustand der Empfänglichkeit?

Der Bauer kann nicht einfach in den Urlaub fahren, weil die Tiere Futter brauchen, Kühe gemolken und ihre Kälber in die Welt geholt werden wollen. Heute wird das zurecht oft als einengend empfunden, weil wir Raum für Ich-Entwicklung brauchen. In den alten Tagen wäre es den Landleuten und Lebenshütern noch nicht einmal in den Sinn gekommen, Urlaub zu nehmen, weil die Nöte und Befindlichkeiten anderer die eigenen vollständig übertönten. Euer Wille geschehe, nicht meiner. Das war die Lektion. Selbstlos mitgehen und (weiblich) aufgehen in dem, was nötig ist – und mithelfen, dass es geschehen kann, ohne (männlich) nach dem Warum zu fragen.

Der Weise erkennt die Grenzen seiner Macht, und auch die Untiefen, die der hellste Verstand nicht auszuloten vermöchte. So beugt er ritterlich das Knie vor der Priesterin, statt männlich zu bocken und abzublocken, und übergibt den Frauenmenschen. Denn im bildhaften Erfassen und Erfahren des Nichtverstehbaren haben sie die Meisterschaft errungen, so lange war ihnen das dienende Hüten, Pflegen und sogar das Hervorbringen neuen Lebens anvertraut.

Deshalb verstehen sie auch ohne Worte, und können zwischen den Zeilen lesen. Und deshalb sollte weibliche Wesensart in wirtschaftlichen und Gemeinschaftsfragen das Szepter schwingen, mit Männermenschen als (technischen) Beratern.

Frauen haben feine Sinne für Befindlichkeiten, weil sie in den anderen leben. Nur zu gerne geben sie, weil das ihr Wesen ist, und deshalb fällt ihnen die heute nötige Abgrenzung oft so schwer. Da kann man ihre Hilfsbereitschaft ausnutzen, wie auch ihre Gabe, Informationen zu verbreiten. Ja, die Geschwätzigkeit von Frauen, die sich zur Tratschsucht steigern kann, und denen das Hüten von Geheimnissen viel schwerer fällt als Männermenschen, diese ist die Vorahnung einer Gabe.

Richtig netzwerken

Die Mitteilsamkeit sorgt ja dafür, dass sich die Kunde von der Not eines Mitgliedes wie ein Lauffeuer verbreiten kann. “Dem geht es schlecht, da muss geholfen werden, zu Hilfe!” Das fühlt sich dringend an, einfach, weil man es wie am eigenen Leib erlebt, was dem anderen widerfährt. Natürlich auch im Guten, weshalb sich die frohe Kunde ebenfalls in Windeseile verbreitet. “Er hat die Prüfung geschafft, bravo!” “Er hat sie endlich gefragt, ob sie ihn heiraten will! Heizt den Backofen an!”

Allerdings mit einer großen Ausnahme: heutige Frauen tun das nur, wenn etwas ihre Neugier erweckt oder sie mit jemandem im Wir verbunden sind – sprich: wenn jemand zu ihrer Welt gehört. Und genau hier liegt das Problem!

Einst war der Bund der Schwestern global, doch im Zuge der Ichwerdung engte er sich auf einen immer kleineren Kreis von Liebsten ein. Das war notwendig, weil man nur im kleinen Rahmen von Volk und Familie das Handwerk der Beziehungskunst und -gestaltung erlernen kann. Die früher nomadische Menschheit musste ihre Allverbundenheit opfern, um erkennend in Beziehung zu einem Gegenüber treten zu können.

Doch das Vorbild war und ist das Netzwerk im Wurzelreich unter unseren Füßen. Da herrscht typisch weibliche Kommunikationsfreude und Anteilnahme, und leidet einer Wassermangel, wissen es sofort die anderen und drosseln die eigene Wasseraufnahme. Eigensinn in perfekter Ausgewogenheit mit Gemeinsinn. Wie auch in unserem Gehirn, wo aus allen Ecken Informationen gesammelt und zu einem Bild gefügt werden. Ein Bild, verstehst Du!? Für eine (wirtschaftende) Gemeinschaft ist wichtig, dass jeder über jeden in seiner Nähe – sowie über den Gesamtzustand im Bilde ist. Nur dann kann jeder seine (am Vaterpol gewonnenen) individuellen Fähigkeiten entsprechend einbringen.

Das mütterliche Teilhaben am Ganzen will sich jetzt wieder auf Weltniveau weiten, doch stellen sich alte Instinkte in den Weg. Der da gehört nicht zu mir, ist nicht von meiner Art. Eigentlich fühlen wir uns schon der Menschheit verbunden, was die Reiselust, internationale Freundschaften und Austausch im Rahmen einer globalen Wirtschaft beweisen.

Doch bestimmte Gesten oder Worte können den alten Instinkt zur Zusammenrottung wecken, der in alter Zeit magisch gewirkt wurde.

Die Quelle des alten Wir

Anders als die völkische Strömung glaubt, sahen auch die Germanen nicht einer aus wie der andere. Diese Stämme waren ja das Ergebnis vielfältiger Vermischung in zahlreichen Völkerwanderungen. Nicht auf gleichem Aussehen gründete das Verwandtschaftsgefühl, sondern es kam aus der Stimme des Blutes! Wie Rudolf Steiner so wunderbar beschreibt, wurden verschiedenste Individualitäten künstlich-magisch aneinandergekettet, um die Empfindung der Zugehörigkeit zu bewirken. Zwischen Seelen wurden Bande geschmiedet, die in der diffusen Empfindung einer Seelenverwandtschaft bis heute nachhallen. Inzwischen wurden sie aber gelöst, weshalb ja keine Landsleute herbeieilen, wenn einer der “Ihren” auf der Straße umfällt.

Hilft einer, tut er das aus (christlicher) Nächstenliebe.

Dieses Band wurde mit bestimmten Lauten und Rufen aktiviert, aus denen das “Wir schaffen das” geworden ist, oder indem der Anführer Panik verbreitete. Weil da jeder automatisch den eigenen Kopf verlor, wurden die Seelen empfänglich für den Ruf des Anführers, sich um ihn zu scharen. Und bestimmte Melodien bewirkten, dass alle willig aufs Feld marschierten. An diese Tage erinnert der Rattenfänger von Hameln, wo Musik noch absolute Macht über uns hatte. Ähnlich wie beim Kulning, der wunderbar weiblichen Art, die Herde zu rufen.

Abschied von der Sippe

Damals wie heute gibt es nur ein Mittel, sich der Hypnose zu widersetzen: die Frage nach dem Warum!

Warum soll ich Fleisch essen oder die Füße nicht auf den Tisch legen? Geht es nicht auch anders? Das erfährt, wer eine Weile ins Ausland geht, und sich mit den Sitten dort arrangiert und die Menschen liebgewinnt. Da fährt man im wahrsten Sinne des Wortes aus der (alten) Haut und schlüpft in eine neue. Mit Abstand blickt man dann auf das Treiben daheim, was in der Regel zu Schwierigkeiten mit Familie und den alten Kumpels führt. Der ist auf einmal ja so anders, macht es nicht mehr so, wie “wir” es tun. (Männlicher) Widerspruchsgeist bricht den Bannfluch der falschen Sippe, weil man durch Hinterfragen irgendwann erkennt, dass es gar keine Gleichartigkeit mehr gibt, auf die man ehrlicherweise Verbundenheit stützen könnte.

Denn bis in die Gene hinein ist jetzt jeder von uns eigen- und einzigartig, sprich seine eigene Art und Volk.

Einsamkeit ist der Preis der Auflehnung, und heimatlose Vagabundenschaft. Dafür erntet man die Freiheit, sich als Kosmopolit und Weltbürger überall zu beheimaten, zu verschwistern und verschwägern – sprich frei zu anderen zu gesellen, die man jenseits ihrer Eigenarten als Kinder der gleichen Mutter wiedererkennt. Als Erdenmenschen teilen wir alle das gleiche Los, haben Hunger, Durst und sind den Rhythmen des Lebens unterworfen. Wer das in aller Demut als Tatsache zu akzeptieren vermag, kann instinktives Verbundenheitsdrängen in freie, selbstgewollte Einfühlung verwandeln.

In der Schule der Führerschaft haben wir alle ja nach und nach gelernt, das unwillkürliche Verschmelzen zu dirigieren!

Anführer zu werden war ein langer Weg, der wie im guten alten Handwerk mit der Lehrlingsstufe begann. Da musste man die Starallüren hinunterschlucken und “niedere” Arbeiten verrichten. Wer sich dazu überwand, aus Einsicht in die Notwendigkeit – wie auch aus Freude an der Wohltat einer sauberen Werkstatt oder Stube -, der durfte weiterschreiten bis irgendwann zum Meister.

Nicht dem eitel selbstverliebten Pfau wurde dieser Titel verliehen, sondern wer sich selbst gemeistert hatte. Dazu gehört auch, sich mit allem “Gestricktsein” auseinanderzusetzen, wie Prägungen des Seelenkleides durch das Geschlecht, Temperamente, kulturelle Einflüsse etc. Als Meister und Freier durfte man harte Entscheidungen treffen, weil man gleichzeitig die Fähigkeit erworben hatte, sich durch Hintanstellen eigener Motive wieder gemein zu machen und einzufühlen.

Intelligente Vernetzung

Im Zustand dienstbereiter, selbstvergessener innerer Schlichtheit wird man empfänglich für das Befinden der anderen, ihre Wehwehchen und was in ihnen rumorend werden will. Doch das ist nur der Anfang. Die wahre Kunst besteht in dem, was unser Körper die ganze Zeit tut, und was mit Schlagworten wie “intelligente Vernetzung” in unsere Seele dringen will. Die Forderung der Zeit ist:

Männlich zentrierte Verstandesaktivität (Intelligenz) mit dezentral-weiblicher Vernetzung und Empfindungsarbeit zusammenzubringen.

Das Vorbild des Gemeinten sind die zwei Arten von Nervensystemen in unserem Körper:

  • Das linear aufgebaute zentrale Nervensystem
  • und das dezentrale oder periphere, in sich autonome Nervensystem, welches weitverzweigt ist und nicht so eindeutig zu lokalisieren. Es zeichnet sich durch Geflechte aus, die durch Überkreuzung sich verästelnder Nerven entstehen. Dadurch werden verschiedene Bereiche miteinander verbunden.

Das zentrale System ermöglicht bewusste Steuerung, das autonome nur in geringem Maße. Da wohnen die (Herden-) Instinkte und Triebe, sowie unwillkürlich ablaufende Urreaktionen zur Sicherung des Überlebens. Wie unschwer zu erkennen, ist es das Reich der Mutter, die sich nicht gern in die Karten schauen lässt. Wie genau dieses untere Hirn mit seinen blitzschnellen Reaktionen funktioniert, ist bis heute nur in Ansätzen bekannt. Wir werden es gleich ins Bild bringen.

Für beachtenswert halte ich, dass beide Systeme nur im Zusammenspiel das gesunde Funktionieren unseres Körpers ermöglichen, und Vorbild für den Sozialen Organismus sind.

Derzeit ist dort nur ein zentrales Nervensystem aktiv, wo Informationen von unten nach oben geleitet werden. Das untere Hirn, das vom großen Vater (Staat) autonom sein muss, wo Informationen miteinander gekreuzt und auf sonderbare Weise verarbeitet und verdaut werden, ist gerade lahmgelegt. Deshalb soll mit 5G und Handyüberwachung jetzt eine Prothese in den “Volkskörper” implantiert werden.

Weil wir uns nicht in rechter Weise zur Informationsgewinnung vernetzen, wozu sich erst jeder als Teil des Ganzen verstehen und ihm zur Verfügung stellen müsste, und weil durch zu viel Eigensinnigkeit auch die rechte Informationsweiterleitung und –aufbereitung im kollektiven Bewusstseinsfeld nicht klappt, soll dies nun eine künstliche Intelligenz tun. Das Ziel: Waren- und Menschenströme effektiv und in Echtzeit (!) zu lenken.

Also die künstliche Nachahmung dessen, was die Nervensysteme in unserem Körper tun. Halt nur auf unmenschliche Maschinenart. Ich erinnere an den Umverteilungsmechanismus für Flüchtlinge.

Zur Vermeidung dieses Alptraumes müssen uns die Frauenmenschen zu Hilfe kommen, denn sie haben die Lektionen des einfachen Volkes auf besondere Weise verinnerlicht. Ihr Glaube ist nun gefragt, ihr Staunen und Wundern, Loslassen und Verwandelnkönnen, weil all das die Basis dezentraler Vernetzung ist.

Das Ohr am Puls des einfachen Volkes

Versetzen wir uns ins Mittelalter, in ein Dörfchen in Mittelfranken. Es ist 10:17 Uhr vormittags, als das Gerücht gestreut wird. “Hast Du schon gehört? Der König hatte heute guten Appetit!” In Windeseile breitet sich die frohe Kunde aus, wie ein Lauffeuer landauf landab, bis es alle Spatzen von den Dächern pfeifen: “Der König wird Maria von Westfalen heiraten!” Völliger Unsinn natürlich, aber interessant ist, wie der Buschfunk funktioniert! (Schlüssworte sind kursiv)

Denn willig greift jeder auf, was ihm zugetragen wird und trägt es weiter. Man bezieht andere mit ein, bauscht auf, schmückt aus und gibt eigenen Senf dazu. Von überall kommen neue Informationen, wer was gehört hat oder gehört haben will, und laufend verändert sich das Bild. Im Volkskörper brodelt und rumort es, man tuschelt, tratscht und flüstert. In warmer Behaglichkeit geht man alle Details der frohen Kunde durch, dreht und wendet sie zur Beleuchtung von jeder Seite.

“Ja, was wäre wenn, stell Dir nur die Auswirkung vor!” An Stammtischen und Waschtrögen im ganzen Land wird die Neuigkeit durchgekaut und wieder ausgespuckt, mit blühender Phantasie gewürzt und völlig verändert wieder in die sozialen Kanäle gegeben. Bis die ursprüngliche Nachricht oft genug die Runde gemacht hat, und sich zur (scheinbaren) Erkenntnis verdichtet: Der König wird die Maria heiraten.

Die einfachen Leute halt, was will man auch erwarten. Doch wenn Ich- und Wirpol, Volk und Führer richtig kooperieren, wird daraus ein Schuh!

Stell Dir dazu folgendes als Nachricht vor, im selben Dorf im 21. Jahrhundert: “Zwischen Heinz und Rita stimmt was nicht! Sie guckt so traurig und er ganz bissig.” Statt nun zu tratschen, zu lästern und Gerüchte zu streuen, begreifen wir die schlechte Kunde als Aufgabe: was ist das Heilmittel für die Beziehungsblockade? Denn jeder weiß ja, dass deren Unglück auch das unsere ist, weil wir im Seelenraum verbunden sind.

Die neue Beziehungsarbeit

Die Aufgabe ist aber nicht leicht, denn am Ende stellt sich raus: Heinz steckt beruflich in einer Sackgasse, will das aber nicht zugeben. Was ihm gut täte, wäre eine Auszeit, vielleicht ein Monat auf dem Jakobsweg, Zeit zum Nachdenken und zur neuen Orientierung. Doch wer soll das bezahlen? Und seine Frau möchte er auch nicht allein lassen, die hängt ja so an ihm – allerdings wie eine Klette! Rita fühlt sich dem Leben nicht so recht gewachsen ohne Heinz und die Familie, auch da ist noch Entwicklungsbedarf! Eine verzwickte, komplizierte Situation.

Heute wäre üblich, dass man die beiden nach ein paar gut gemeinten Ratschlägen schnell an Therapeuten und das Amt verweist.

Sollen die doch die Situation analysieren, kreativ werden, die beiden Seiten beleuchten und Möglichkeiten ersinnen. Ist doch ihr Job. Und wenn Rita mit einem blauen Auge in die Bäckerei kommt, rufen wir halt die Polizei. “Ja der Heinz, verstehen wir auch nicht, der war früher so ein guter Kerl”.

Während meiner Zeit im Rettungsdienst wurden wir auch zu Selbstmorden gerufen, und fast immer war es das gleiche: keiner schien irgendeine Ahnung zu haben, was “mit dem denn los war”. Ähnlich in Beziehungen, wo viele Trennungen für den Partner völlig überraschend kommen. So wenig nehmen wir aneinander Anteil!

Was könnten wir also noch tun, außer einander immer allein zu lassen und an Obrigkeiten zu verweisen, die uns das Füreinander-Sorgen abnehmen sollen?

Nun, da wir eh alle die Auswirkungen im Seelenraum zu spüren bekommen, können wir auch gleich aktiv werden – und tun, was wir im einfachen Volk auch taten. Anteil nehmen, die Angelegenheit von allen Seiten beleuchten, kreativen Senf dazugeben, durchkauen etc. Ziemlich männlich führerhaft könnten wir zudem Arbeitsgruppen bilden, um

  • beide Positionen und die Vorgeschichte zu ermitteln
  • die Wünsche und Ängste der beiden
  • Möglichkeiten zu erwägen, wie die Gründung eines Hilfsfond für Heinz, Anregungen für Rita etc.

Also einfach aktiv werden und phantasievoll Lösungen entwickeln. Erste und wichtigste Voraussetzung ist natürlich die Empfindung, dass uns das was angeht. Wenn die vielschichtige Thematik einer Beziehung in einer Gruppe gemeinsam bewegt wird, gedreht und gewendet in warmer Sorge und liebevoller Zuwendung, dann bekommt man Durchblick und Ideen.

Über die schläft man, lässt es reifen und sich verwandeln, bis irgendwo auf geheimnisvollen Wegen etwas spruchreif wird.

Trägt jeder das Schicksal der beiden im Herzen, wo derzeit Fernsehstars den Platz besetzen, erreicht die Geschichte auch scheinbar Außenstehende. “Du, ich kenn da jemanden”, sagt der dann plötzlich, und völlig neue Horizonte tun sich auf. Was alle Beteiligten verbindet, ist die gemeinsame Vision eines glücklichen Paares, oder zumindest einer Lösung. Vielleicht trennen sie sich auch, doch Hauptsache ist, es geht weiter auf jedermanns Lebensweg – damit er an die Orte und zu den Menschen findet, zu denen er oder sie finden soll.

Was könnte jemand brauchen, das ich habe?

Früher wurde dieses feine Schicksalsgewebe von den Engeln gesponnen, doch mehr und mehr ist das nun unsere Aufgabe als Menschengärtner. Eigentlich hat der (karmische?) Impuls, der über den scheinbar Außenstehenden kam, schon darauf gewartet, zu Heinz und Rita zu gelangen. Und von dort vielleicht zu anderen. Doch das kann er nicht, wenn wir uns einander und dem Strom des Lebens eigensinnig verweigern.

Wie ich bei der Dynamischen Dreigliederung sagte, trägt jeder einen Teil vom Ring der Macht in sich, und der muss in die Runde. Doch damit sich die Teile fügen, ist neben Geduld und Phantasie Vertrauen nötig. Vertrauensvolle Öffnung für die Realität, dass mir das Meine zufließt, wenn ich selber Fluss erlaube. Der aber wird durch Parteinahme unterbrochen.

Nein, der gehört nicht zu den Meinen, und was gehen mich die Kinder in Indien an (außer dass sie meine Kleider billig nähen)?

Sympathie oder Antipathie für einen Menschen, also unser Urteil über sie, verhindert die am Mutterpol und in der Wirtschaft benötigte schlichte Unvoreingenommenheit. Dann kann der Impuls nicht mehr so durch mich zu anderen fließen, wie er es braucht. Das (Vor-) Urteil verfremdet und verbiegt das Bild, das im Geiste von der Lösung entstehen möchte.

Das Prinzip ist: einerseits kristallklar und ohne Eigenwillen sein, wie das Silizium, durch das im Computerchip die Informationen fließen; und andererseits es sehr persönlich rumoren, brüten und köcheln lassen. Denn gut Ding will Weile haben. Einfach mal rumspinnen und auf völlig verrückte Ideen kommen, die dann wieder andere anstoßen bis zur richtigen Lösung. Ein Post auf facebook genügt einfach nicht, weil man zwar teilt (wenn überhaupt), sich i.d.R. aber nicht zuständig fühlt.

Darüber sollten wir reden, wer eigentlich für wen zuständig ist. Und an der Haltung arbeiten, uns Einmischung in unser Leben so vehement zu verbitten.

Ist es meine Sache, ob ich ein Kind in die Welt setze, und nicht für es sorgen kann – egal aus welchen Gründen? Es fällt doch eh wieder auf die Gemeinschaft zurück, nicht wahr? Ich plädiere für eine neue Kultur, andere zum Mitdenken und Mitgestalten des eigenen Lebens einzuladen! Was meinst Du, was aus mir werden könnte? Siehst Du mich auf dem richtigen Weg? Wohlgemerkt ist nicht gemeint, jemanden in das eigene Lebenskonzept und Wertekanon zu pressen. Sondern dessen ureigene Geschichte fortzuspinnen vor meinem seelischen Hintergrund.

Wie sieht seine Geschichte durch meine / unsere Brille aus? Wir brauchen einander als Spiegel, um uns selbst darin erkennen zu können.

Wir vergessen für den Augenblick also das eigene Kasperletheater und gehen mit dem des anderen – seinem Lebensdrama – und fiebern mit. Genauso, wie wir das heute beim Krimigucken machen, nur eben mit realen Menschen. Wo unklare, dunkle Stellen auftauchen, oder wo das Drama des anderen ins Stocken kommt, verhalten wir uns wie Sherlock und kommen ins Grübeln und tauchen in die Intuition. Wohin will das, was fehlt hier?

Wir nutzen unsere tastende Kreativität, um das fehlende oder noch falsch liegende Puzzleteil zu finden. Dieses übergeben wir dann, auf dass der andere das Seine damit macht. Das ist die Methode.

Füreinander eigenständig Sorge tragen

Aus häufigem Erleben bin ich sicher, dass solche Art des im Herzen-Tragens-und-Bewegens eine Welle der Kreativität auslösen würde, die jeden an die richtigen Lebensstationen zu tragen vermag – zum Nutzen aller. Wo wird jemand mit Deinen oder seinen speziellen Fähigkeiten gerade gebraucht? Ja, ich kenn da jemand, der jemand kennt und der… Ganz einfach, zumal mit Internet, wenn die Kunde nur ins Netz gegeben und von anteilnehmenden Menschengärtnern weitergetragen wird in wechselseitiger Fürsorge.

Was könnte jeder nötig haben, ist die einfache Frage, um seinen Weg zu gehen? Sie ergänzt die andere, was ich brauche, um meine Fähigkeiten zu entfalten.

Verfüge ich über hilfreiche Informationen, Anregungen, Kontakte? Oder könnte für jemanden wertvoll sein, was bei mir als alter Krempel im Keller lagert? Also nach Unterstützendem zu suchen, bis hin zur Option, Gelder in die Hand zu nehmen. Die gemeinschaftliche Beratung ergab, dass der oder die ein Flugticket nach Spanien braucht? Kein Problem, wir dürfen es aus dem Steuer- oder Gemeinschaftstopf selbstverantwortlich bezahlen.

Wir müssen nicht erst Frau Meyer auf dem Amt um Erlaubnis fragen.

Auch dies eine ungeheuerliche Idee. Doch unsere Ämter haben Milliarden zur Verfügung, die sie im vergeblichen Versuch verschleudern, zentral und fernab des Geschehens das Leben von Millionen in die richtigen Bahnen zu lenken. Wie wäre es, diese Mittel bei der Gemeinschaft zu belassen, auf dass diese nach Gutdünken (also was ihr als gut erscheint, nach bestem Wissen und Gewissen) eigene Entscheidungen trifft? Ist Frau Meyer weiser als ein Kollektiv von Menschen mit unterschiedlichsten Kompetenzen, eigenem Verstand und Erfahrungen miteinander? Ach ja, den darf Frau Meyer ja gar nicht benutzen, weil sie nur Anweisungen befolgt.

Wirklich intelligente Vernetzung bringt nicht nur jeden auf seinen Weg zum Nutzen des Ganzen; sie ist auch viel effektiver und billiger als der Behörden-Apparat. Aber sie braucht Menschen, die zwischen Hingabe und Eigenständigkeit souverän wechseln können, zwischen Lauschen auf des Volkes Wille und eigenen Sachverstand.

Das tun auch die wahren Profis unter den Sportlern, wenn die einstudierten Spielzüge versagen, weil einer ausgefallen ist.

Blitzschnell gehen sie im Geiste die Möglichkeiten durch und verwerfen sie wieder. “Wenn ich zu dem spiele, der dann zu dem und der…” Ohne Rücksicht auf die eigenen Befindlichkeiten stellt man sich dem gemeinsamen Ziel zur Verfügung, den Ball im Tor zu versenken. Ergibt sich eine Strategie, die interessanterweise in den Beteiligten oft gleichzeitig als Intuition auftaucht, dann gibt jeder uneigennützig entweder ab, oder ermächtigt sich zur finalen Tat. Das ist eine hohe Kunst, die das Gemeinte vielleicht noch besser veranschaulicht – wie auch diese Zeichnung.

Wenn jeder in sich selber ruht

Was zwischen den Spielern in gleichem rasenden Tempo wie bei Reflexen (!) abgeht, vermag keiner zu sagen. Aber es passiert.

Jeder für sich ist Zentrum von Informationsgewinnung, doch sie wird dezentral in der unsichtbaren Vernetzung irgendwie aufbereitet.

Weibliche und männliche Qualitäten spielen hier wunderbar zusammen. Das ist für mich mit “intelligenter Vernetzung” gemeint, mit der wir im Zusammenleben zu geringen Kosten sehr effektiv wären. Aber es braucht eben Vertrauen, dass es miteinander schon werden wird, weil die anderen in ihrer manchmal befremdlichen Andersartigkeit doch zu mir gehören. Dass man sie wie ein neutraler Profi als Geschwister annehmen mag, statt immer noch den Kameraden nachzutrauern, oder sich in die Arme eines nicht mehr existierenden Volkes zu flüchten. So verstehe ich diesen Ausspruch des großen Rudolf Steiner:

Denn es müssen in Zukunftszeiten die Menschen füreinander sein,
und nicht einer durch den Anderen. Nur so wird das Weltenziel erreicht, wenn jeder in sich selber ruht, und jeder jedem gibt, was keiner fordern will.

Frei gehe ich meinen Lebensweg aus der Herzensmitte, die ruhig sein kann, weil ich nicht mehr zwischen Vater und Mutter hin- und hergerissen werde. Meinen Weg erleuchtet die Vision einer heilen, geeinten Menschheit, die nach getaner Arbeit aus der Dualität wieder in die Einheit zurückfinden möchte. Der Vater weiß um das Ideal, die Mutter um die Wirklichkeit.

Aus beidem das jetzt Mögliche zu entwickeln, war früher die Aufgabe erleuchteter Häupter; jetzt ist es Deine, meine, unsere.

Damit durch Zusammenfügen im Tanz der Elemente der Eine wieder zum Vorschein kommt, der urspüngliche Mensch, aus dem wir alle hervorgegangen sind. Heute nennen wir ihn Christos.

Freie Assoziationen und Resumée

Fassen wir zum Abschluss noch kurz das Wirtschaftsleben in einer Dreigliederung ins Auge. Momentan werden Produkte mehr oder weniger blind auf den Markt geworfen, und die Nachfrage wird der “Lust” von “Verbrauchswilligen” überlassen, die sich um lästige Fragen wie Sinnhaftigkeit, Ressourcenverbrauch, Reparatur, Entsorgung oder Recycling möglichst nicht kümmern sollen. Zukünftig sollen wir uns aber als Konsumenten, im Selbstverständnis von Bedürftigen, in Assoziationen / Kooperationen zusammenfinden, wie auch Produzenten und Händler. Im Gespräch dieser Parteien soll ermittelt werden, was auf welche Weise produziert und verteilt werden soll, zu welchen Bedingungen und Preisen.

Aus “der” Wirtschaft im Sinne eines mörderischen Apparates will etwas werden, wo Menschen im Geiste der Schwesterlichkeit über die Stillung von Bedürfnissen beraten, grundlegende wie zivilisatorische. Die Art des Gespräches wurde gerade geschildert, doch wie realistisch ist es? Jeder soll da “jedem geben, was keiner fordern will”? Und sich “aus Liebe zum Handeln” im “Verständnis für das Wollen der anderen” mit seinen Fähigkeiten einbringen?

Beschleicht einen nicht trotz allem, was bisher gesagt wurde, das Gefühl völliger Weltfremdheit?

Wallt nicht leise Empörung über solchen Unsinn auf, weil “ein aufeinander achten” mit all diesen Idioten und Egoisten da draußen doch niemals praktizierbar ist (man selbst natürlich ausgenommen)? Es mag ja sein, dass man im Waldboden kooperiert, aber unter Menschen? Da pocht doch immer jeder nur auf sein Recht, und ist sich selbst der Nächste! Ja, momentan ist das oft so, was aber an der einseitgen Förderung dieser Haltung liegt, und dass positive Gegenbeispiele fast nie ins Rampenlicht gerückt werden. Geben wir also auf in der Hoffnung, schon irgendwie weiterwursteln zu können? Nutzen wir Corona als Chance der Besinnung und emsigen Lernens, für Überprüfung der Glaubenssätze und persönliche Entwicklung? Oder ist das alles doch eh vergebene Liebesmüh?

Der Sinn des Datensammelns

Nun, eines ist Fakt: dieses Füreinander muss kommen, und wenn nicht freiwillig, dann mit brutaler Gewalt. Stichwort “Protokollierung von Nutzerverhalten”, dessen Ausmaße in diesem Video geschildert werden.

Warum sammeln google, amazon und Co eigentlich wie verrückt Daten? Was machen sie damit? Es ginge nur ums Geldverdienen, glauben viele, und fürchten sich vor zuviel Transparenz. Doch Umsatzsteigerung ist nur ein Nebenschauplatz. Was “man” wirklich wissen will ist, wie es den Leuten geht, was sie sich wünschen und brauchen – noch bevor sie selbst es wissen.

Der verrückte Vater möchte hier die Aufgaben der Mutter übernehmen, doch seine “Sorge” bringt mit Sicherheit nicht, was wirklich gebraucht wird und werden will.

Er kann sich ja nicht einfühlen, und muss deshalb abstrakt schlussfolgern, was ein Lächeln bedeutet, eine Magenverstimmung oder irgendeine soziale Konstellation. Es ist wie beim Androiden “Delta” von Startrek, der menschliches Verhalten nur nachahmt, weil er selbst nicht fühlen kann. Er kann nicht (weiblich) zwischen den Zeilen lesen, und versteht weder Anspielungen, noch Doppelbödigkeiten, oder warum jemand A sagt, aber B meint.

Ein Beispiel aus einem anderen Video: die künstliche Intelligenz erkennt die Änderung im Nutzerverhalten einer jungen Frau beim Shampookauf, die plötzlich auf potentiell schädliche Inhaltsstoffe achtet. Durch Abgleich weiterer Daten, u.a. aus Gesichtserkennung oder Arztbesuchen, zieht die KI den messerscharfen Schluss, dass die Frau schwanger ist. Und schon ist klar, was sie “braucht”: Cremes, Windeln, Lektüre über Kindererziehung etc. Das wird ihr dann angeboten, und der verrückte Vater wähnt diesen “Verbraucher” gut versorgt, da er ja von Liebe, Zuwendung oder sozialer Unterstützung nichts weiß, die hier wirklich nötig wären.

Ich weiß besser, was gut für dich ist!

Er gibt die Information auch nicht weiter, weil er nicht weiß, wer helfen könnte. Typisch männlich auf Geheimhaltung eingeschworen behält er alles für sich, und speichert ab, statt etwas in seinem Gemüte zu bewegen. So was hat er ja auch nicht, sondern nur empfindende Menschen, die aus wechselseitiger Anteilnahme füreinander kreativ werden können (oder auch nicht). Wie hieß es noch gleich in diesem Lied von Udo Lindenberg aus den 80ern? “Sie wollte Liebe, und kriegte Taschengeld; keiner hörte ihr SOS, so verzweifelt sie auch rief; ihren Schrei unter Wasser, tausend Meter tief”. Aber sie kann sich ja Shampoo und Windeln kaufen, immerhin.

Sorgen kann der einsame, mutterfeindliche Vater nicht, aber in einem ist er gut: im Vorschriften machen!

Vergessen wir nicht, dass Corona der Auftakt für eine Welt ist, wo allen jeder Schritt vorgeschrieben werden soll – vom “richtigen” Abstand zu anderen und “angemessenem” CO²-Verbrauch bis hin zur richtigen Ernährung. Nur von wenigen bemerkt wird in den USA gerade die Fleischproduktion an die Wand gefahren, mit Absicht! Ohne Rücksicht auf die Möglichkeit, dass Fleischverzehr in Maßen sinnvoll sein kann, werden alle zwangsweise zu Veganern gemacht, ob sie wollen oder nicht.

Auch die junge Frau wird bald feststellen, wie gut der Vater “Staat” für sie sorgt, wenn sie nämlich nichts mehr kaufen kann, was nach seiner Meinung für Schwangere nicht “richtig” ist. Zwangsernährung also, und natürlich Reiseverbot! Denn wie “die” Wissenschaft ja “weiß”, muss sich die Schwangere schonen! Da gibt es kein Vertun, denn typisch männlich kann es da nur einen Standpunkt geben, am besten vom dem vertreten, den man dafür bezahlt (siehe Corona und wer da “berät”). Ach ja, Kontaktverbot wird der Frau wohl auch erteilt, um das ungeborene Leben um jeden Preis zu schützen (wie jetzt die alten Menschen).

Mit seinen Diensten ist uns der väterliche große Bruder gern “zu Diensten”, mit denen er sich über alle äußeren Aspekte unseres Lebens genauestens ins Bild gesetzt hat. Wie man oft hört, kennt er uns besser als wir uns selbst, und kann deshalb am besten für uns sorgen, nicht wahr? Diese Art Fürsorge und Zwangsbeglückung wird sich weiter etablieren, bis hin zur totalen Kontrolle aller Aspekte des Lebens,

  • wenn wir nicht füreinander und uns umeinander sorgen,
  • und nicht die Freiheit erstreiten, dass jeder nach seiner Wahrheit und Facon glücklich werden darf.

Sagen wir unserer Hörigkeit den Kampf an, und suchen im wahren Leben nach den spannenden Geschichten, statt in virtuellen Chats und Spielen. Lasst uns füreinander aufwachen, bevor wir in einem Alptraum erwachen.

Schlusswort

Hab Dank, lieber Mitmensch, wenn Du mir bis hierher gefolgt bist. Es war sicher anstrengend, hoffentlich aber auch inspirierend. Wenn ja, dann greife die Gedanken bitte auf, und entwickle sie weiter. Hunderte Stunden Arbeit stecken in diesem Beitrag, denn es war unglaublich schwer, graue Dreigliederungstheorie mit Erlebbarem und Wohlbekanntem zu verknüpfen. Ich habe hier absolutes Neuland betreten, im Versuch, wieder ein wenig Ordnung in das heillose Chaos unserer Tage zu bringen. Ist ein erster Wurf gelungen? Du entscheidest.

Wie es weiter gehen könnte? Als erstes wollen wohl noch viele Dichter aus dem Dornröschenschlaf geweckt, und Denker vom Fluch der Stiefmutter erlöst werden. Dazu braucht es Schulungen*! Magst Du welche mit mir zusammen entwickeln? Dann melde Dich! Als zweites sollten sich die finden (z.B. über Jungelo), die schon Weltbürger im hier beschriebenen Sinne sind. Um Gemeinschaften zu gründen, sei es virtuell oder real an einem Ort.

Deckt sich das mit einer eigenen Vision, und rührt es etwas an? Dann schreib mir unter info@thomasliebl.de , und lass uns den Austausch suchen.

in herzlicher Verbundenheit
Dein Thomas Christian


Weil ich zum Thema Schulungen schon gefragt wurde, hier ein paar Anregungen:

Weltbildarbeit
Als Basisarbeit, begleitend zu nachfolgend vorgeschlagenen Schwerpunkten, halte ich die Konfrontation mit einer Reihe von Tabus für unerlässlich – doch ohne Vorwurf, man habe uns ja belogen. Es stimmt zwar, dass z.B. der Darwinismus nur durch Unterschlagung und Fälschung von Fakten durchgeboxt werden konnte, doch jeder Topf hat seinen Deckel.

Die Menschen haben nur zu gerne angenommen, dass wir vom Affen abstammen (statt umgekehrt), unsere Vorfahren somit dümmer waren (statt in einer Hochzivilisation schon weit vor Christus weltweit vernetzt), oder dass man durch Impfen Krankheiten beseitigen könne. Das materialistische Weltbild der Machbarkeit wurde nur zu willig begrüßt, auch von uns selbst. Es hat ja auch sein Gutes, weil es uns bei der Konzentration auf das mit Sinnen Fassbare half. Sich über Verschwörer aufzuregen, also geheime Kameradenbünde und Seilschaften, hat überhaupt keinen Wert, weil gerade die Emotion die Befreiung des Denkers und Dichters verhindern.

Also bitte aufhören mit Aufregen, und sich stattdessen mit all den Themen befassen, die das bisherige Weltgebäude unter Schmerzen zum Einsturz bringen.

Wusstest Du z.B., dass die farbigen Menschen in den USA nicht die Nachfahren von afrikanischen Sklaven sind? Sie stammen vielmehr von versklavten Einheimischen ab!

Anders als uns Karl May mit seinen zugegeben schönen Geschichten Glauben machte, fand Kolumbus keineswegs lauter rothäutige Wilde vor, sondern Menschen unterschiedlichster Hautfarbe, von schwarz bis weiß, und von primitiv bis hochzivilisiert. Diese Informationen verdanken wir alten Quellen, die dank Internet jetzt frei verfügbar sind, und von fleißigen Zeitgenossen gesichtet wurden. Alles deutet daraufhin, dass die uns vermittelte Entwicklung der Völker reine Fiktion ist, die vom wahren Werdegang ablenken sollte. Doch wer sich diesen zu Gemüte führt, wird nach Monaten innerer Aufruhr alle nationalistischen Emotionen für immer ablegen. Garantiert!

Vielleicht zielt die Aussage des Christus genau darauf, die Wahrheit würde uns freimachen? Die Geschichte der Welt und Wesen muss völlig neu geschrieben werden, wozu Rudolf Steiner schon riesige Vorarbeit geleistet hat. Sich erschüttern zu lassen ist der Anfang von allem, denn Unzähliges fußt (von uns unbemerkt) auf falschen Annahmen, die uns als Lügengespinst gefesselt halten. In einem zukünftigen Beitrag werde ich einen Überblick versuchen. Erschütterung bis in die Grundfesten des Daseinsgefühls sollte m.E. folgender Arbeit vorangehen:

Beziehungskompetenz schulen
Nach erster Verliebtheit kommen regelmäßig Streit und Befremdung, weil beide nichts von der Andersartigkeit wissen. Wie unterscheiden sich die Seelenkostüme, und wie können sie sich ergänzen zur Geburt geistiger Kinder und heiler Seelenräume? Ein völlig anderer Beziehungsansatz, wo Sinnfragen gestellt und erstmal Wissen / Kompentenzen erworben werden, bevor man sich ins Abenteuer stürzt. Gesprächskultur entwickeln mit Nachfragen (wenn ich dich richtig verstanden habe, dann…), Ja-Aber vermeiden, erkennen lernen, wenn nicht ich – sondern Rollen sprechen, Wertschätzung für Beiträge anderer ausdrücken, Konzepte zur gegenseitigen Hilfe (Verabredung, etwas zu vertagen, konstruktiv zu bleiben, nicht übergriffig etc.) // Fragekultur entwickeln, um nicht von mir auf andere zu schließen: wie hast du das gesehen / erlebt?

Menschen – oder Sozialgärtner ausbilden
Dem Studium männlicher weiblicher Kräfte folgt das von Temperamenten, mit der Frage, wann sie für Gruppen hemmend oder fördernd wirken. Welchen Rahmen und Zutaten braucht ein Seelenraum, damit etwas darin entwickeln kann nach eigener Gesetzmäßigkeit? Rollenspiele finden hier ihren Platz, schauspielerische Nachahmungsübungen, und natürlich Chorgesang mit freier Improvisation. Die Prinzipien kann man natürlich auch an Farben studieren und erüben, und vor allem an Gruppentänzen. Kooperationsspiele nicht zu vergessen. Generell: Wahrnehmung für den Seelenraum (Stimmungen) entwickeln und Übungsszenarien.

Denkerschulen ins Leben rufen
Unterscheiden lernen zwischen Fakten und Annahmen, Spekulationen und bewährten Thesen. Beispiele finden für Annahmen, wie die Erde ist rund, der Mensch ist gut, stammt vom Affen ab und überprüfen: woher weiß ich das? Ganz wichtig: Wahrnehmungsschulung! (was ist wirklich und was füge ich hinzu? – Also Trennung von Wahrnehmung und Urteil. Exakt beschreiben lernen; Thesenbildung beobachten >> Fallen der Wahrnehmungspsychologie kennen lernen)
Auf Emotionalität achten, mit der man an einem Standpunkt hängt, und (dialektisch) den Gegenstandpunkt einnehmen. In Gruppen unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselbe Sache finden. Nach dem Blockwart in mir suchen, der sich herrisch aufspielt, statt sachlich zu argumentieren. Bandenbildung erkennen und unterbinden lernen!

Dichter befreien
Klare Fakten vom Reich der Zwischentöne unterscheiden lernen. Wieso sagt ein Bild mehr als tausend Worte – und was denn eigentlich? Welche Aspekte des Daseins umschreibt der “der Mond ist aufgegangen”? Wie spielen sie mit den klaren Begriffen des Denkers zusammenspielen – um einen lebendigen Begriff zu bekommen? Die Welt der Unter- und Zwischentöne kennenlernen, was nicht gesagt wird und doch im Raum steht, Spitzen, Auslassungen, Doppelbödigkeiten, Abgründiges etc. Eintauchen in mystische Empfindungen und auf den Traumpfaden der Aborigines wandeln – dann beleuchten. Unsichtbare Unterströmungen der Familien- /Beziehungsgeschichte betrachten, leise Vorwürfe, Schwelendes, nie Erlöstes. Wo arbeiten wir mit emotionaler Erpressung (wehe, du verlässt mich / subtile Schuldeinforderung und -zuweisung). Mobbildung erkennen und unterbinden lernen!

…und natürlich: wann ist etwas recht? Beispiele für Unvereinbarkeiten finden, und wie man sie erlöst / sowie für Freiräume des Herzens, die sich unter Souveränen bilden.


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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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Jürgen Elsen - 3. Mai 2020

“..Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, dass möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können.” (GA 196)

R.S. spricht darüber 1920 – also vor 100 Jahren.
Sind heute irgendwo diese – letztenendes organisational wirkende Institutionen im Sinne des von Steiner gemeinten Kontextes von Menschen gebildet worden ?

Ich kann keine sehen. Das einzige, was mir dazu einfällt ist mal wieder das KRD und schade, daß hier geschaffene – natürlich noch in den Anfang steckende Institutionen, die den Menschen im Sinne des obigen Artikels im Mittelpunkt haben – gerade von denen, die schon 100 Jahre über so etwas debattieren nicht mit weiterentwickelt werden …

Woran liegt das? Was stimmt denn nicht? Was braucht es denn noch?

Reply
    Thomas C. Liebl - 3. Mai 2020

    Danke für Antwort, Jürgen!

    Nein, die Institutionen sind nicht gebildet worden, oder besser der Staat nicht dreigegliedert. Der Grund dafür liegt m.E. im Zitat. Es haben sich eben zu wenig Menschen gefunden, die “diese Dinge” verinnerlicht haben. Wer das tut, muss staatliche Bevormundung in Bildungs- oder Gesundheitsfragen (!) vehement ablehnen. Aber genau das erlebe ich bei sehr wenigen. Da haben Dichter noch Emanzipations vor sich, wie ich schrieb, und Denker Befreiungsarbeit.

    herzlich
    Thomas C.

    Reply
Jürgen Elsen - 13. Mai 2020

Danke, Thomas – natürlich auch wieder für Deine anregenden Texte, Deine Zeit und Aufwand …. !

Wie Du schon sagst: es haben sich zu wenige Menschen gefunden, die … VERINNERLICHT haben…

Bei mir bedeutet Verinnerlichung eben auch das Einschließen von Willensenergie (= Tat).

Der “Moll-Schritt” der Verinnerlichung ist nur die eine Seite, darauf folgt der “Dur-Schritt” der Tat.

Und deshalb reicht es auch nicht “irgendetwas” – ja meist wohl gedanklich und verbal – abzulehnen (wie Du schreibst), sondern es müssen DAZU dann auch Schritte manifestiert werden.

Sonst kommt es eben nicht zu den Einrichtungen (“Dur-Manifestationen”), selbst, wenn Menschen da sind, die schon schön “mollig” sind und das überall hintönen 😉

Wir können uns ja jetzt alle “corona-bewähren”. Ich setze nirgendswo eine Maske auf, sondern ein freundliches Lächeln.

Falls ich des Hauses (Geschäft) verwiesen werden, komme ich dem natürlich nach, aber nicht ohne entsprechende “Belehrung”, nach dem Motto: Sie müssen das nicht tun !!! 😉

herzliche Grüße und weiterhin viel Energie und Wohlwollen

Jürgen

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