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Wege aus der Krise: wie dichtende Denker Gesellschaft gestalten

Dreigliederung dynamisch

In der alten Welt haben wir Rollen gespielt, in all den Kulturen, die letztlich Kulisse eines Lehrstücks waren. Ziel der langen Lebensschule war, am Vorbild von Papst und König, also den irdischen Repräsentanten des himmlischen Vaters und der Großen Allmutter, das Handwerk des Schöpfers zu erlernen.

Nun sind wir frei, doch nicht um zu tun und zu lassen, was jedem gefällt. Nur im Rahmen heiler Gemeinschaften kann sich der Einzelne entfalten, die ins Glück zu bringen die Mithilfe aller braucht. Im Rahmen einer gemeinsamen Vision kann jeder an seinem Platz mit seinen Kräften helfen, den Seelenraum zu einem Kunstwerk zu gestalten. Und Künstler sind wir. Der unübersehbare typisch menschliche Drang, Freude und Begabung zur Erschaffung von Schönem ist in der großen Schule des Lebens langsam gereift. Wieviel Erfindergeist und Geisteskraft unsere Lehrer aufgewandt haben, beweisen die fast schon vergessenen alten Kulturen.

Bringen solche Sorgfalt und Liebe zum Detail nicht tief in uns etwas zum Klingen, wenn in zahllosen Arbeitsschritten Schönes geformt wird? Ginge es nur um Nutzen, könnte man es einfacher haben, nicht wahr? Und regt sich nicht ebenfalls freudvolles Staunen ob solcher Könnerschaft und Wissensfülle?

Sie lebt in uns allen, nur will sie jetzt auf unser Zusammenleben angewendet werden. Menschengärtner sollen und wollen wir sein.

Auch in der neuen Zeit wird es schöne Häuser und Dinge geben, oder sagen wir besser wieder. Aber das Motiv zu ihrer Herstellung wird nicht das Trachten nach Bequemlichkeit sein, oder weil wir etwas gelten wollen. In unserer Zeit, wo das Jagen nach Erfolg und irdischem Genuss ganz oben steht, neigen Begriffe wie Geistesleben und Wirtschaftsleben zur Irreführung. Viele werden ja nur Professor oder Unternehmer, um sich ein entsprechendes Einkommen und/oder Status zu sichern. So ist die Kraft vergeudet und geht am Ziel vorbei. Rudolf Steiner dazu:

Allerdings innerhalb derjenigen Gesellschaftsordnung, welche die gegenwärtigen Zustände gezeitigt hat, hat die Aussicht auf wirtschaftlichen Vorteil eine tiefgehende Bedeutung erlangt. Aber diese Tatsache ist eben zum nicht geringen Teile die Ursache der Zustände, die jetzt erlebt werden können. Und diese Zustände drängen nach Entwicklung eines andern Antriebes für die Betätigung der individuellen Fähigkeiten.

Dieser Antrieb wird in dem aus einem gesunden Geistesleben erfließenden sozialen Verständnis liegen müssen. Die Erziehung, die Schule werden aus der Kraft des freien Geisteslebens heraus den Menschen mit Impulsen ausrüsten, die ihn dazu bringen, kraft dieses ihm innewohnenden Verständnisses das zu verwirklichen, wozu seine individuellen Fähigkeiten drängen.
(aus: Kernpunkte der Sozialen Frage)

Jedem soll es gutgehen im Rahmen des für alle Möglichen, doch zur Verwirklichung der Dreigliederung braucht es zuvor Einigkeit über den Sinn des gemeinsamen Treibens. Im Rahmen dieses Beitrags ist dies:

  • die größtmögliche Förderung des Einzelnen
  • in einer globalen Menschenfamilie
  • zur Höherentwicklung aller Bewohner dieses Planeten.

Warum, und wie alles zusammenhängt, soll jetzt geschildert werden, mit diesem Ausspruch Rudolf Steiners als Wegweiser.

Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.

Der Sinn des Spiels

Wir Menschen sind geistige Wesen, entstammen also einer Welt ohne Raum und Zeit. Doch um zu Selbstbewusstsein zu erwachen wurde die Erde als Theater erschaffen. Nur in einer physischen Welt mit Begrenzungen kann man sich selbst erfahren und mit anderen in Beziehung setzen. So begann das Leben mit einfachen Formen, die sich über lange Zeiträume höherentwickelten. Der Impuls dazu kam von uns selbst als Bewohner dieser Formen, aus denen wir unsere jetzigen Körper- und Seelenkostüme entwickelten. Nun sind sie auf Hightech-Niveau, mit großen Kräften und allen Möglichkeiten des Denkens, Fühlens und Empfindens begabt.

Werden wir heute geboren, ist das Setting so: jeder in der Gemeinschaft soll und will sich weiterentwickeln, doch die dazu nötigen geistigen und seelischen Impulse kommen nicht mehr von weisen Anführern. Sie liegen jetzt in den Einzelnen mit ihren Anlagen. Stellen wir uns den Ring der Macht, also einen Schlüssel zur Ermächtigung vor, der in Millionen Teile zerbrochen wurde. Jeder von uns besitzt einen Teil, doch er muss ihn aus seinem Himmel holen. Um das tun zu können, braucht jeder die zu ihm passenden Lern- und Entfaltungsgelegenheiten.

Die Gemeinschaft hat deshalb höchstes Interesse daran, dass jeder aus sich machen kann, was bereits in ihm liegt.

In Rudolf Steiners Worten:

Nicht gefragt soll werden: Was braucht der Mensch zu wissen und zu können für die soziale Ordnung, die besteht; sondern: Was ist im Menschen veranlagt und was kann in ihm entwickelt werden? Dann wird es möglich sein, der sozialen Ordnung immer neue Kräfte aus der heranwachsenden Generation zuzuführen. Dann wird in dieser Ordnung immer das leben, was die in sie eintretenden Vollmenschen aus ihr machen; nicht aber wird aus der heranwachsenden Generation das gemacht werden, was die bestehende soziale Organisation aus ihr machen will.
(a.a.O.)

Volle Förderung des Einzelnen

Sind Kinder unsere Zukunft? Ja, aber nur wenn wir zulassen, dass sie sich frei entwickeln und die gewachsene Gegenwart verändern dürfen. Was genau jeder zur Entfaltung seines vollen Potentials braucht, wieviel Förderung oder Hemmung, vermögen Eltern, Lehrer und die Gemeinde nur zu erahnen. Doch gemeinsam können sie sich dem Geheimnis nähern, indem nämlich alle ein Kind betrachten, es geistig in die Mitte stellen, und jeder seinen Blickwinkel, Ahnungen und Erfahrungen beisteuert.

So entsteht in vollständigeres Bild, weil

…in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.

Solche Beziehungsarbeit sollten aber nicht nur Lehrer am Kind leisten, sondern wir auch füreinander! Denn in der Regel wissen die anderen viel besser, was einem zu Glück und Entwicklung fehlt, nicht wahr? So kann konstruktives Menschengärtnern das fruchtlose und schädliche Tratschen ersetzen.

Eine Seele wächst heran, darf lernen und im Rahmen der Möglichkeiten (!) auf ihren Wegen nach Entwicklung suchen. “Was will ich werden?” taucht als Frage auf, und ebenfalls erste Ideen. Vor allem an der Begegnung mit anderen Menschen und ihren Sorgen, Nöten und Fragen erwachen Ideen, was man tun und wohin die Lebensreise gehen könnte.

Die Rolle der Gemeinschaft

Auch in Gutenberg keimten Ideen, der zur Erfindung des Buchdrucks kam wie die Jungfrau zum Kind. Von scheinbar Irgendwo flog ihm die Idee zu, das Volk solle lesen dürfen, z.B. was wirklich in der Bibel steht.

  • Die Zeit war eben reif dafür und einer brachte, was zur Weiterentwicklung aller nötig war.

Dies war ihm aber nur möglich, weil andere für sein leibliches Wohlergehen gesorgt hatten, seelische Reifung, Bildung und entsprechende Anregungen – wenn auch meistens ohne das Spiel zu überblicken.

Überwiegend sind es andere Menschen, die direkt oder indirekt unser Lebensschiff lenken.

Hier ergattert man einen tollen Job, dort verliert man ihn durch einen Konkurrenten oder Widersacher. Das gehört zum Spiel, denn in der Summe bringen uns all die scheinbar zufälligen Ereignisse an genau den jeweils richtigen Platz im Leben, wo etwas zu lernen oder zu geben ist. Wie beim Bau eines Hauses einer den Willi ruft, er möge Nägel bringen, und es von drüben “Mittagessen” tönt, so rufen wir einander auch in Seelentiefen. Solche Schicksalsrufe einerseits hören zu lernen und aufzugreifen, und zudem selbst die Situation durch Überblick zu gestalten, das ist das Lernfeld der Gegenwart.

  • Um herauszufinden, was z.B. eine kriselnde Beziehung oder Gruppe braucht, muss man sich ihr nur als denkender Künstler widmen.

Man erfragt jedermanns Sicht und Erleben der Dinge, und stellt die Einzelpersonen dann im Geiste ins Beziehungsgefüge. Immer mit der geduldigen Frage unter Bemühung der Phantasie, was das wohl werden will (und nicht, was im Sinne irgendeines Gesetzes richtig wäre). Schon fliegen einem Ideen und Impulse zu, einfach weil

… sich im Spiegel der Menschenseele bildet die ganze Gemeinschaft.

Das Prinzip wurde am Beispiel der Fabrikarbeiter und guter Gastgeberschaft bereits erläutert.

Der Einzelne kann die Welt nicht retten, doch er kann ihr die ihm möglichen Impulse geben, an seinem Platz zum Zeitpunkt X.

Jeder kann seine Sterne vom Himmel holen, die sich mit anderen Impulsen zum Ring der Ermächtigung fügen.

Da braucht es (männliches) Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, wie auch (weibliche) Anteilnahme am Schicksal und Erleben der anderen. Aus ihnen tönen die Fragen, die zu Impulsen werden können.

  • Nicht darum geht es, der Weisheit letzten Schluss auf die Erde zu bringen und andere zwangszubeglücken, sondern aus meinem Zugang zur Weisheit das in meinen Augen jetzt Förderliche zu schenken.

Verhältnis Ich und Gemeinschaft

Auch der kostspielige Bau einer Fabrik inklusive Ressourcenverbrauch kann förderlich sein, doch darüber entscheiden ich und der Herr Bankdirektor nicht allein.

  • Dazu muss mich die Gemeinschaft finanziell und mit Befugnissen ermächtigen, wie sie mich vorher zur Erlangung der nötigen Fähigkeiten unterstützt hat.

Die Mutter schickt den Jungen an den Hof des Königs, auf dass er dort zu Macht und Würden kommen möge. Als Fabrikchef oder Abteilungsleiter darf und soll man in gewissen Grenzen diktieren, trägt aber auch Verantwortung. Diese ist als Antwort auf Entwicklungsbedürfnisse der Gemeinschaft gemeint. Je bewusster diese formuliert werden können, um so besser. Als Antwort ist der Reichtum zu verwenden, der Mehrwert oder Zehnte, der mir direkt durch Bestellung als Geschäftsführer oder auch indirekt über Lottogewinn zufließt.

  • Ich darf führen, weil andere meinem (Urteils-) Vermögen trauen, dass sich im Spiegel meines Bewusstseins zeigt, was unter anderen werden will. Und dass einer die Kompetenz hat, dieses Etwas auch in die Wirklichkeit zu bringen.

So zeigt sich Selbstverwirklichung als etwas höchst Wünschenswertes, damit auf Bedürfnisse geantwortet werden kann.

(Mit Bedürfnissen ist zum einen echter Bedarf im Sinne einer Grundversorgung gemeint, zum anderen, was der Weiter- und Höherentwicklung Einzelner wie der Gemeinschaft dienlich ist. Das Welt- und Menschenbild kommt hier zum Tragen, also ob Privat-Gelüste befriedigt werden sollen, oder spirituelles Wachstum ermöglicht. Dann entscheidet nicht der der Hang zur Bequemlichkeit, ob und wieviele Autos oder Smartphones produziert werden sollen, sondern was man Sinnvolles damit anstellen will. Dies erfordert natürlich eine Befreiung von Markt-Mechanismen zugunsten freier Gestaltung der Wirtschaftskreisläufe.)

  • Gleichzeitig trägt die Gemeinschaft das Risiko, wenn der Führende versagt oder es so scheint.

Veränderung macht Angst, aber genau die sollen die Individualitäten ja bringen. So ist die Gemeinde gefordert, immer wieder um Vertrauen zu ringen und es dem Verantwortlichen auszusprechen – oder zu entziehen. Hier taucht wieder das Verhältnis zwischen Volk und Adel in neuer, freier Form auf. Das Wie war im Rahmen des Protokolls geregelt. Man sprach noch nicht frei, sondern verkehrte miteinander nach Vorgabe ritueller Verkehrsregeln.

  • Aus ihnen kann jetzt das freie Gespräch werden, sofern immer auch die Perspektive des anderen eingenommen wird.

Denn im Verkehr steckt ja das verkehren, also etwas verkehrt herum zu betrachten. Nur dadurch wird Bezugnahme und Beziehung möglich.

In mir als Einzelnem muss der Vater mit der Mutter sprechen, wie das Geistes- mit dem Wirtschaftsleben. Beide sind keine voneinander getrennten Sphären, sondern bedingen einander im Spiel um eine zentrale Vision. Kurz: wir haben unsere Fähigkeiten, um sie einzubringen, und tief drinnen warten alle darauf, dass es jeder tut. Der Bildungsminister lässt uns aber nicht, und deshalb darf er gern in Rente gehen.

Übergeben und loslassen können

Bin ich der Verantwortung nicht mehr gewachsen, oder ist meine Aufgabe einfach erfüllt, dann gebe ich selbstverständlich den Stab der Führung und Reichtum zurück, damit andere mit ihrem Vermögen (im doppelten Wortsinn) das ihnen richtig Scheinende daraus machen.

  • Sehr weiblich lasse ich das Alte los. Nicht zum Horten sind Macht und Pfründe gedacht, sondern um Entwicklung zu befördern.

Und für das Lebensnotwendige dessen, der gerade nicht in Amt und Würden ist, sorgt die Gemeinschaft dann ganz nebenbei. Lebenslange Renten für kurze Zeit im Parlament sind nett, aber weder fair noch lebensgerecht. Wer gerade nichts leistet, braucht auch keine Mittel, um Leistung zu vollbringen. Da reicht dann Grundeinkommen.

  • In der schönen neuen Welt geben wir uns Zeit für Ruhe, Lernen und Reifung; wir zwingen niemanden, sich einzubringen, aber wir wünschen es uns.

Mit hoffnungsfroh-erwartungsvollen Kinderaugen blicken wir einander an, geduldig-gespannt, was da noch alles werden möchte. Statt auf Fehlern rumzuhacken richtet sich der Blick auf das im anderen, was da noch wachsen will, und wertschätzt das bereits Gewordene.

Solche Blicke wecken die Bereitschaft Einzelner, ihr Potential entfalten zu wollen.

An früherem Ruhm halte ich nicht fest, sondern gehe im Vertrauen meiner Wege, dass daraus schon das Rechte werden wird. Dies geht an die Adresse der betagten Firmenlenker, die den Weg einfach nicht freimachen wollen. nur weil sie der neuen Generation nicht zutrauen, es (so gut?) wie sie selbst zu machen. Doch das ist auch gar nicht deren Aufgabe. Sie widersetzen sich der Weiterentwicklung, obwohl sie die Zukunft gar nicht kennen können.

  • Meine Ideen und Taten gehen ein in das mütterliche Bewusstsein der Menschheit, lösen sich darin auf und werden Nährstoff.

Was juckt mich mein Geschwätz von vor 10 Jahren, und sei es noch so brillant gewesen? Altes darf vergehen, verwesen und im Seelenschoß der Menschheit verkompostieren. In anderer, neuer Form mag es anderswo zu neuer Blüte kommen. Viele Zwischenstationen, Zeit für Reife und komplexe Verknüpfung von Ideen waren ja nötig, um den Buchdruck oder Tiefseetauch-U-boote zu entwickeln. Nichts ist umsonst, das kann man wissen. Wie unser Körper einmal die Würmer nährt, die an einem vielleicht fernen Ort den Boden für neue reiche Ernte lockern, so verbinden sich meine Sterne und Gaben mit dem irdischen Entwicklungsstrom. Auch meine jetzige Gestalt ist ihm ja entsprossen, und nicht mein ureigenster Verdienst.

Das Spiel von Werden und Vergehen

Jede Fähigkeit, die einer entwickelt, jede kleine oder große Tat ist wertvoll für alle Wesen, doch irdischer Ruhm darf nicht ewig währen. Emsig wie die Eichhörnchen gilt es täglich neu zu schauen, was jetzt ist und wohin es will.

  • Gedanken und Standpunkte wollen gefasst, aber auch wieder losgelassen werden, damit sie reifen und in neuer Gestalt auferstehen können.

Dieses Prinzip gilt auch für alle Einrichtungen, seien es Ämter, Ratsversammlungen, Universitäten etc., die aus den Bedürfnissen der zusammenlebenden Menschen entstehen sollen – aber auch vergehen, wenn sich diese ändern. Das meinte Rudolf Steiner mit den eingangs zitierten Worten: “Sondern es wird zu Menschengemeinschaften angeregt, die aus ihrem Zusammenleben das sozial Wünschenswerte herbeiführen können.

Wie das Wasser steige ich zum Himmel auf, wo wogender Dunst Gestalt annimmt, sich formt und im Denken verdichtet. Als hoffentlich fruchtbarer Regen netzt es dann das Land, damit die im Boden schon wartenden Keime sprießen können. Ich bin offen für das Unerwartete in aller Eigenart, und will nicht immer nur meine Sicht der Dinge verwirklicht sehen. So spricht der Weise.

Das ist für mich Soziale Dreigliederung: auf zum Himmel und zur Erde nieder, einmal Denker, einmal Dichter, gehe ich in Seelenruhe meinen Lebensweg. Ruhe wohnt in meiner Herzensmitte, weil ich mich von Engeln und dem Geist der Menschheit getragen weiß, und meinen Mitwesen herzlich in Schicksalsgemeinschaft verbunden fühle. Und wenn am Ende aller Tage die Einzelsterne sich als Firmament in jeder Seele spiegeln, dann ist das Lebenswerk vollbracht.

Die sogenannten drei Glieder des Geistes-, Rechts- und Wirtschaftsleben sind nichts Abstraktes, kein System, das irgendwie im Kreis herumgeht. Sie sind vielmehr wie Kopf und Bauch, die durch Vermittlung einer neutralen Herzensmitte zusammenwirken, um einem geistigen Wesen vernünftiges Handeln zu ermöglichen.

Ich benutze meinen Kopf, um im Sinne des Notwendigen so zu handeln, dass es menschengemäß ist. Ich muss mich abgrenzen, um einen Gedanken fassen zu können. Ja, Massentierhaltung wäre effektiv.

  • Doch durch Öffnung für die andere Seite, durch am besten Vorempfinden des verursachten Leids, stellt sich das Gefühl ein: das ist nicht recht, ist unmenschlich.

Was uns zurück zur extremen Parteinahme bringt. Denn den beschriebenen Wechsel – als Voraussetzung für herzliches Abwägen – kann nur vollziehen, wer nicht mehr am Vater oder an der Mutter klebt. Ich möchte an dieses Zitat erinnern, wobei die “Erkenntnisfähigkeiten” nun vielleicht im neuen Licht erscheinen. Denn durch Mitempfindung Gewonnenes sind auch Erkenntnisse, nur eben nach der Mutter Art.

…sondern es handelt sich darum, dass möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können.” (GA 196)

Wie also befreien sich Dichter und Denker vom Zwang zur Parteinahme?


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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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Jürgen Elsen - 3. Mai 2020

“..Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, dass möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können.” (GA 196)

R.S. spricht darüber 1920 – also vor 100 Jahren.
Sind heute irgendwo diese – letztenendes organisational wirkende Institutionen im Sinne des von Steiner gemeinten Kontextes von Menschen gebildet worden ?

Ich kann keine sehen. Das einzige, was mir dazu einfällt ist mal wieder das KRD und schade, daß hier geschaffene – natürlich noch in den Anfang steckende Institutionen, die den Menschen im Sinne des obigen Artikels im Mittelpunkt haben – gerade von denen, die schon 100 Jahre über so etwas debattieren nicht mit weiterentwickelt werden …

Woran liegt das? Was stimmt denn nicht? Was braucht es denn noch?

Reply
    Thomas C. Liebl - 3. Mai 2020

    Danke für Antwort, Jürgen!

    Nein, die Institutionen sind nicht gebildet worden, oder besser der Staat nicht dreigegliedert. Der Grund dafür liegt m.E. im Zitat. Es haben sich eben zu wenig Menschen gefunden, die “diese Dinge” verinnerlicht haben. Wer das tut, muss staatliche Bevormundung in Bildungs- oder Gesundheitsfragen (!) vehement ablehnen. Aber genau das erlebe ich bei sehr wenigen. Da haben Dichter noch Emanzipations vor sich, wie ich schrieb, und Denker Befreiungsarbeit.

    herzlich
    Thomas C.

    Reply
Jürgen Elsen - 13. Mai 2020

Danke, Thomas – natürlich auch wieder für Deine anregenden Texte, Deine Zeit und Aufwand …. !

Wie Du schon sagst: es haben sich zu wenige Menschen gefunden, die … VERINNERLICHT haben…

Bei mir bedeutet Verinnerlichung eben auch das Einschließen von Willensenergie (= Tat).

Der “Moll-Schritt” der Verinnerlichung ist nur die eine Seite, darauf folgt der “Dur-Schritt” der Tat.

Und deshalb reicht es auch nicht “irgendetwas” – ja meist wohl gedanklich und verbal – abzulehnen (wie Du schreibst), sondern es müssen DAZU dann auch Schritte manifestiert werden.

Sonst kommt es eben nicht zu den Einrichtungen (“Dur-Manifestationen”), selbst, wenn Menschen da sind, die schon schön “mollig” sind und das überall hintönen 😉

Wir können uns ja jetzt alle “corona-bewähren”. Ich setze nirgendswo eine Maske auf, sondern ein freundliches Lächeln.

Falls ich des Hauses (Geschäft) verwiesen werden, komme ich dem natürlich nach, aber nicht ohne entsprechende “Belehrung”, nach dem Motto: Sie müssen das nicht tun !!! 😉

herzliche Grüße und weiterhin viel Energie und Wohlwollen

Jürgen

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