Die Entwicklung der Menschheit aus geistiger Sicht (10)

Sind wir Menschen ewige, geistige Wesen? Und wenn ja: welche praktischen Konsequenzen hätte diese Erkenntnis?

Wie ich in den bisherigen Grundlagen-Artikeln beschrieb, z.B. hier, ist unser Handeln letztlich von unserem – meist unbewussten – Weltbild bestimmt. Durch Schule und Gesellschaft haben wir alle das materialistische Weltbild verinnerlicht, das auf folgenden Grundannahmen fußt:

  1. Menschen sind (auch nur) Tiere, deren Daseinszweck sich im Überleben und Lustbefriedigung erschöpft. Leistung und Kampf mit allen Mitteln sind die zwangsläufigen Maximen.
  2. Wir wurden nicht von einem Schöpfer erschaffen, sondern sind das Ergebnis einer Explosion. Somit gibt es weder ein Vorher oder Nachher, noch einen Richter unserer Taten. Ein Streben nach Moral ist somit sinnlos.

Wichtig: selbst wenn Du selbst das anders sehen solltest, liebe Leserin oder Leser, dann macht das nicht viel. Denn a) ist unsere Gesellschaft nach diesen Grundannahmen inzwischen umgestaltet worden, weshalb Menschlichkeit nicht gedeihen kann, auch wenn sie Sonntags in der Kirche beschworen wird oder eine Partei sich christlich nennt. Und b) sind wir mit diesen Dogmen aufgewachsen, und haben ein entsprechendes Denken und Handeln verinnerlicht.

Dagegen hilft nur eine gründliche Entgiftung, eine Grundannahmen-Bereinigung, und die braucht Zeit und Besinnung.

Wir müssten also wieder dahin kommen, aus voller Überzeugung sagen zu können: „Ich bin ein geistiges Wesen, weil…“ Doch wie machen wir das? Wie kommen wir gegen die Wissenschaft an, die doch scheinbar bewiesen hat, dass wir Zufallsprodukte der Evolution sind, Eintagsfliegen?

Was ist ein geistiges Wesen?

Damit ist gemeint, dass ICH nicht mit meinem Körper identisch bin, sondern ihn nur für eine gewisse Zeit bewohne. ICH bin nur zu Besuch hier, meine Heimat ist aber woanders. ICH beziehe einen Körper, um bestimmte Erfahrungen zu machen, verlasse ihn und kehre in meine eigentliche Heimat zurück. Dann trete ICH die Reise erneut an, viele Male.

Dieses ICH können wir übrigens leicht und deutlich erleben. Denn egal ob mit 10, 30 oder 80 Jahren wissen wir beim Blick in den Spiegel immer ganz genau: das bin ICH! Ein Außenstehendender wird Mühe haben, das Babyfoto mit dem des alten Menschen zusammenzubringen. Wir selbst aber nicht.

Gestalt oder Wesen?

Da fällt mir die Geschichte von einem Dinosaurierfund ein, aus dem man zwei neue Spezies ableitete: die einen mit einem knöchernen Kamm auf dem Schädel, die andere nicht. Zwei neue Spezies!? Da freuten sich die Forscher; doch dann dämmerte einem von ihnen, dass der mit dem Kamm das Saurierkind sein könnte, und so war es auch. Aus unbekannten Gründen bildet sich beim Heranwachsenden dieser Kamm aus, der aber wieder zurückgebildet wird. Also nicht zwei Spezies, sondern eine!

Der Fehler war, vom Aussehen auf das Wesen zu schließen! Bei uns Menschen ist das ja auch so: im Mutterleib entwickeln wir Kiemen, die sich dann aber wieder zurückbilden.

Also nicht von der Form auf das Wesen schließen, das sie bewohnt und bildet!

Schauen wir nach dieser Vorbereitung nochmal auf die Entwicklung der Lebewesen, also die Reihe vom Einzeller, über Fische und Affen zum Menschen. Auf den ersten Blick sind es lauter unterschiedliche Geschöpfe, die miteinander kaum etwas zu tun haben. Doch was wäre, wenn wir hier nur unterschiedliche Gestalten ein und desselben Wesens vor uns hätten? Nämlich unseres Wesens? (Welche Verwandtschaft zwischen den heutigen Tiere und uns besteht, erläutere ich ein andres Mal.)

Da Charles Darwin diesen Gedanken nicht hatte oder haben wollte, also das einen Körper bewohnende und gestaltende Wesen mitzudenken, kam eben das Modell einer letztlich geistlosen Evolution heraus. Diesem möchte ich nun ein anderes gegenüberstellen.

Am Anfang war..

Genau wie wir heutzutage als Einzeller im Schoß unserer Mutter beginnen, und uns über viele Stadien (z.B. das einer Beere oder Morula, s.u.) erst zu unserer eigentlichen menschlichen Form entwickeln, so taten wir das auch über diesen langen Zeitraum der Erdgeschichte.

Wie eine Idee zunächst auch nur unsichtbar und gestaltlos in unserem Geist existiert, um dann Form anzunehmen und z.B. als Kunstwerk in Erscheinung zu treten, so ähnlich können wir uns das auch hier vorstellen:

Als Geist existieren wir schon sehr lange, traten aber erst nach und nach in Erscheinung.

Das ist aber nicht wie bei Raumschiff Enterprise, also ein „beamen“ von einer (geistigen) Sphäre in die andere; es mussten ja erstmal Körper entwickelt werden, um in die Erscheinung treten zu können. Der Schritt von der Idee (geistiges Sein) zum physischen Sein kann nach den Gesetzen des Lebens nur auf der kleinstmöglichen Stufe beginnen: dem einzelligen Organismus!

Der Geist nimmt also die Stoffe der Erde und formt aus ihnen einen Organismus. Doch nicht das Leben an sich ist das Bemerkenswerte,

sondern dass sich ein geistiges Wesen eine Hülle gibt, und sich damit von der umgebenden Welt absondert.

Ein Wassertropfen im Ozean ist mit den anderen verschmolzen, ein Einzeller aber nicht mehr. Hier wird klar zwischen Außen und Innen unterschieden – und diese Unterscheidung, diese Absonderung ist die Voraussetzung für eigenständiges Bewusstsein, Erkennen und letztlich Freiheit!

Sünde meint absondern

Gott, so sagen die Sufis, war einsam. Er hatte wunderbare Wesen erschaffen, aber diese konnten ihn nicht sehen, nicht erkennen. Denn sie waren Geist in seinem Geist, Teil seines Geistes. So schuf er den Menschen als eigenständiges Wesen, das sich ihm bewusst gegenüberstellen, erkennen und (so war der Plan) danken kann.

Als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis aßen, was passierte da? Die Einheit mit Gott zerbrach und sie bemerkten ihre Nacktheit!

Die Bibel schildert hier also nicht Böses, sondern einen Aufwachprozess!

Sünde kommt von „sondern“, ist also primär nichts Böses, sondern von Gott gewollt. Nur weil wir uns körperlich, seelisch und geistig absondern, können wir uns der Schöpfung gegenüberstellen und sie schließlich erkennen.

Der Sündenfall beschreibt also einen damals begonnenen Abnabelungsprozess, der natürlich auch Probleme macht. Um wirklich ganz ICH zu werden, muss nämlich jedes Hineinregieren Gottes in unsere Angelegenheiten aufhören. Wir müssen diese Gottverlassenheit unbedingt erleben und durchmachen, denn nur dann können wir unseren eigenen Weg suchen. Das führt zwangsläufig zu Fehlern, zu Verstößen gegen die göttliche Ordnung. Absondern führt zu Sünden!

Als Kind stoßen wir uns solange den Kopf, bis wir die Tischkante als Tatsache anerkannt haben. Das ist ein schmerzhafter Lernprozess, den wir auch und gerade in moralischer Hinsicht durchmachen müssen, bis wir gelernt haben, die Wahrheit und das Rechte wieder zu lieben.

Wenn Du also das nächste Mal eine Doku über die Evolution ansiehst, dann betrachte all die Wesen als unsere ehemaligen Erscheinungsformen. Und ja: wir lebten einst auch im Wasser, allerdings nicht als Fische. Wie viel Mythologien berichten, waren wir einst Mischwesen, oben Mensch und unten Fisch. Diese finden sich nicht nur als Nixen etc. in Märchen, sondern an jeder Ecke in christlichen Kunstwerken. Ist das nicht erstaunlich? Wusste die Kirche vielleicht über diese Dinge Bescheid? Ganz offensichtlich.

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Die Konsequenzen

In meinem Beitrag über das Problem der roten Ampel habe ich schon angedeutet, dass die Entwicklung zur Eigenverantwortung in unserer regelwütigen Gesellschaft kaum Nährboden findet.

Im Augenblick fördern wir das Tier in uns; was müsste und würde sich aber ändern, wenn wir uns als Wesen begreifen, die aus eigener Kraft (durch Irrtum und Schuld) das Wahre und Rechte finden wollen?

Nun, wir würden

  • viel liebevoller und geduldiger miteinander umgehen,
  • das Wegsperren in Gefängnisse unterlassen,
  • keinen Staat dulden, der uns überall Vorschriften macht, sogar über die richtige Meinung per Zensurgesetz (gerade aktuell!)
  • das Erkenntnisvermögen von Kindern fördern, statt ihnen Wissen einzutrichtern,
  • die Welt nicht als Kaufhaus behandeln, sondern als Lernort schätzen,
  • gieriges, rücksichtsloses Verhalten wieder als bedauernswerte Verirrung erleben und benennen,
  • und nicht zuerst nach Nützlichkeit fragen, sondern ob es recht getan ist.

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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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