Das Zeitalter der Freiheit – oder das Problem der roten Ampel (7)

Immer warten wir. Auf die nächste Wahl, Urlaub oder Gehaltserhöhung. Wir warten, dass jemand endlich die Umwelt rettet, all die Kriege stoppt und das Bankenkartell zerschlägt. Wir wissen zwar, dass all das nur möglich ist, weil wir mitspielen, aber wir warten weiter, während eine Handvoll Leute über unser Leben bestimmt. Warum also warten wir und tun nichts, wehren uns nicht?

Ganz einfach: weil wir das System nicht verstehen, in das wir geboren wurden.

Man erzählte uns, das Leben sei halt kein Zuckerschlecken, und noch nie gewesen. Aber stimmt das? Ist das Leben eben hart, oder sind es nicht viel mehr die heute herrschenden Spielregeln?

Das helle Mittelalter

Wie viel Urlaub hat heute ein deutscher Arbeitnehmer? 24 maximal, richtig? Und das in Europa, dem ach so aufgeklärten, emanzipierten Abendland. Wusstet ihr, dass es im angeblich dunklen Mittelalter üblich war, also um 1000 n.Chr., bis zu einem Drittel des Jahres frei zu haben? Hier ein lesenswerter Artikel dazu.

Aberdutzende kirchliche Feiertage gab es da, an denen die Arbeit ruhte, die Menschen feierten und sich besinnen konnten. Man kann viel Schlechtes über die Kirche sagen: aber damals schuf sie gute, menschengemäße Spielregeln. Da musste man auch nur den Zehnten entrichten, und nicht weit über 50 %, wenn man alle offenen und versteckten Steuern einrechnet, Zinslasten etc.

Halten wir fest: obwohl uns inzwischen Maschinen den größten Teil der Arbeit abnehmen, müssen wir deutlich mehr und länger arbeiten als die Menschen damals. Für Ruhe und Besinnung bleibt dem normalen Menschen keine Zeit mehr, und immer mehr sind erschöpft, krank und am Ende. Was ist da los?

Könnte es sein, dass die Spielregeln mit Absicht so mörderisch sind?

Beweist die Bankenrettung in 2011 nicht, dass da Absicht im Spiel ist? Denn angeblich fehlt ja immer Geld, aber für das Finanzkartell war es auf einmal da. Komisch, oder? Was würde denn passieren, wenn wir mal kürzer treten und richtig ausschlafen könnten? Ich behaupte: wir würden tun, was frische Menschen so machen, nämlich Fragen stellen.

Etwa warum vor hundert Jahren Könige vom Thron gestoßen wurden, wir heute aber schlimmere Untertanen sind als damals. Seit hunderten von Jahren kämpfen Menschen um Freiheit, also um das Recht, selbst zu entscheiden und (vor allem geistig) auf eigenen Beinen zu stehen. Keiner soll uns die Religion vorschreiben, den Beruf oder den Partner. Freiheit! Dafür kämpfen wir.

Der Kampf um Freiheit

Ist es nicht interessant, dass sich dieser Freiheitsimpuls immer wieder Bahn bricht, gegen Bevormundung durch Tyrannen und Unrechtsregime? Offenbar gehört dieser Impuls ganz elementar zu unserem Menschsein.

Doch aus welcher Quelle wird er gespeist, und worauf zielt er?

Das sind genau die Art Fragen, die sich ein ausgeruhter Mensch stellen würde. Recht schnell würde einem dämmern, dass wir vielleicht wirklich öfter leben. Keine Eintagsfliegen sind, sondern ewige, geistige Wesen, die hier auf Erden lernen wollen, in Freiheit zu lieben.

Freiheit ist ja nicht so einfach! Klar kann sich jemand in die freien Weiten Kanadas zurückziehen, doch hat er auch die Fähigkeiten, dort zu überleben? Und wenn wir heute verstaubte Anstandsregeln ablehnen, haben wir dann auch automatisch die Fähigkeit, uns eigenständig miteinander ins Einvernehmen zu setzen? Konsens zu finden und Frieden zu schließen?

Nein, denn das müssen wir lernen und üben, wie auch gehen, sprechen und Fahhrad fahren. Das braucht Zeit, und vor allem Übungsgelegenheit, z.B. im Rahmen von Kommunikationsseminaren oder Rollenspielen. Eigenständigkeit entwickelt sich nur in Freiräumen, wo wir selber denken und entscheiden können. Auch Fehler gehören dazu, natürlich.

Wir bräuchten also einen gesellschaftlichen Rahmen, der Selbständigkeit fördert, statt Vorschriften zu machen.

Und vor allem Vertrauen müssen wir uns entgegenbringen, dass wir auch ohne königliche Anordnungen miteinander klarkommen. Da wir neben dem Freiheitswillen auch Empathie mitbringen, können wir die Balance zwischen Selbstverwirklichung und fürsorglicher Gemeinschaft auch hinbekommen. Doch nochmal: dazu brauchen wir einen entsprechenden Freiraum, Zeit und Förderung.

Sitz! Platz!

Und jetzt seht euch unter diesem Blickwinkel mal unsere Gesellschaft an: überall werden wir gemaßregelt, und dazu erzogen, brav zu folgen. Sogar vor roten Ampeln müssen wir bei Androhung von Strafe stehen bleiben. Kein Auto ist weit und breit zu sehen? Egal! Vorschrift ist Vorschrift. Ist das eines freien Menschen würdig?

Fazit: die heutigen Spielregeln sind perfekt, um Menschen unfrei und unselbständig zu halten. Darum sind sie, wie sie sind. Und es wird immer schlimmer werden, wenn wir das Spiel nicht durchschauen. Die hier angebotenen Wissens-Perlen sollen genau dabei helfen.

Weiter zu: Fit für die Maschine: Menschen als Cyborgs (8. Beitrag aus „Grundlagen“)

Passend zum The​ma

Passend zum The​ma

​​Mal ein völlig neuer, augenöffnender Blick aufs Ganze! ​Vorträge von Axel Burkart. 

Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

- 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar: