Kunden sollen Könige sein? Klärende Gedanken zur Demokratie.

Gerade aktuell (2018) vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwer warnt, wir müssten die Demokratie retten. Was genau das ist, wird nie definiert, was wohl auch der Sinn der Sache ist. Denn indem das düstere Schreckgespenst einer erneuten Nazi-Dikatur an die Wand gemalt wird, erscheinen die derzeitigen Zustände paradiesisch frei.

Die Kunst der Täuschung

Eigentlich muss man nicht lange nachdenken, um einzusehen, dass wir keineswegs in einem freien Land leben, und die Bürger nichts zu melden haben. Dennoch glauben viele steif und fest daran. Ich fragte mich nach der Ursache für diese Betriebsblindheit, diese hartnäckige Leugnung des Offensichtlichen. Weil ich ein wenig über Propaganda und die Methoden der Gehirnwäsche weiß, wurde ich eines Tages nachdenklich, als ich mal wieder las: „Der Kunde ist König“.

Da werden zwei Begriffe vermengt, die nicht zusammengehören, ja Widersprüche sind. Es sind doch nur Worte, könnte man denken, doch sie transportieren eine unterschwellige Botschaft, die uns die Sinne vernebelt. Kurz gesagt wird hier eine berechtige Sehnsucht in die Irre geführt.

Wir haben es mit einem Täuschungsmanöver zu tun, das aber gar nicht so einfach zu durchschauen ist.

(Um meine Artikel kurz zu halten, habe ich wesentliche Aspekte in den Grundlagen behandelt. Zum tieferen Verständnis dieses Themas setze ich Das Zeitalter der Freiheit und Die Entwicklung der Menschheit aus geistiger Sicht als bekannt voraus.)

Das Streben nach Höherem

Nur in wenigen Sätzen der Hintergrund: Menschen sind keine zufälligen Produkte der Evolution, sondern geistige Geschöpfe auf dem Weg zur Freiheit. Die Absonderung von Gott war notwendig, um ihn und uns selbst zu erkennen, die Welt zu verstehen und sie aus eigener Kraft bewahren zu lernen.

In vielen Leben, unterschiedlichen Kulturen und Lebensumständen machten wir Erfahrungen, die letztlich der Reifung der dazu nötigen Fähigkeiten dienten.

Das Leitbild ist dabei der weise, gerechte König, dessen (Vor-) Bild tief in unseren Seelen verankert ist. Das ist der Grund, warum z.B. Aragorn oder Arven die Herzen im Sturm erobern konnten. Sie verkörpern das Ideal, nach dem wir alle streben.

Anders, als wir es von heutigen Königen gewohnt sind, wurde in alter Zeit nur der mit Macht befugt, der sich ihrer würdig erwies, und zwar durch umfangreiches Wissen und Selbstbeherrschung. Wer Frieden stiften oder Recht sprechen soll, braucht ein Bündel von Fähigkeiten, etwa unparteiisch zu sein, Geduld, Ausdauer, Wahrheitsliebe, Weitblick und Seelenruhe.

Modern kann man sagen, jemand musste seinen Schweinhund im Griff haben.

Das Königsamt ist schwer, weil es verlangt, die eigenen Wünsche und Vorlieben der Sache unterzuordnen, dem, was recht ist und getan werden muss. Bescheidenheit und Demut waren deshalb des Königs vornehmste Zier.

Eben deshalb brauchte und wollte so jemand keinen Schmuck und Prunk! Wenn er dennoch edle Gewänder trug, auf prachtvollen Pferden ritt oder in einem glanzvollen Schloss wohnte, dann nur aus einem Grund: um dem Volk ein spirituelles Vorbild zu sein. Menschen früher sahen in einer edelsteinbesetzten Krone keinen materiellen Schatz,

…sondern das Leuchten des Scheitelchakras, das sich beim höheren Menschen öffnet, also bei jemandem, der den Schweinehund besiegt hat.

Den über seinen niederen Trieben stehenden – und erst dadurch freien und selbsbestimmten Menschen – repräsentierte der König, auf dass sich andere an ihm ein Beispiel nehmen können. Dies tat die Menschheit, und Schritt für Schritt wurden wir zu Edlen und Freien, wie es richtig ist für diese Weltepoche.

Denn grundsätzlich sind wir heute alle fähig, so ein König zu werden.

Doch weil nach einem spirituellen Gesetz das Neue immer nur im Kampf mit dem Alten sich durchsetzen kann, traten Feinde der Freiheit auf den Plan. Wir reden hier von geistigen Wesen, den Widersachern. Ihre Aufgabe ist, zu prüfen, wie ernst es uns mit der Freiheit ist. Da die Idee der Mitbestimmung und Mündigkeit nunmal schon in der Welt ist, versuchen sie es mit Täuschung. Sie nehmen das uralte, in uns verankerte Bild von Freiheit und Königtum, und lenken es auf ein anderes Ziel.

Frei zum Konsum

Wo genau sind wir denn frei? Was wir zu denken haben, schreibt die Schule vor, und welches Leuchtmittel richtig ist, die EU. Also wo sind wir frei?

Wir sind frei, zu konsumieren! Als Kunden haben wir die freie Wahl, da sind wir König.

In einer Zeit, wo dank Maschinen jeder nur 2 Stunden maximal arbeiten müsste (siehe hier), schuften die meisten wie die Sklaven. Kommen wir nach 8-10 Stunden Schufterei nach Hause, heißt es: Ja, hol Dir das Schnäppchen! Das hast du dir verdient!

Was passiert hier? Der Schweinehund wird gefüttert, eben jener, den ein König überwinden muss. Sprüche wie „ich bin doch nicht blöd“ verführen uns, gierig noch ein Handy oder sonstigen Kram zu holen, denn das ist ja mein gutes Recht, nicht wahr? Doch ist es unser Recht, den Löwenanteil aller weltweiten Ressourcen für Schnickschnack zu verbrauchen? Ist es eines Königs würdig, heute zu prassen ohne Gedanken an morgen? Wohl kaum. Aber wir fühlen uns wie Könige, denn „der Kunde ist König“.

Um noch stärkere Magie zu entfalten, werden die Zeichen, die Insignien des Königs allerorten missbraucht und zweckentfremdet. Nicht nur bei Jakobs-Krönung mit seinem angeblich erlesenen Geschmack, sondern vor allem in der Autoindustrie. Für einen Appel und ein Ei kann nun jeder eine Staatskarosse fahren,

…ein Privileg, das früher nur dem König und Edlen vorbehalten waren, also seelisch hochentwickelten Persönlichkeiten.

Unsere Sehnsucht, den höheren Menschen in uns zu entwickeln, wird auf glanzvoll in Szene gesetzte Blechkisten gelenkt – und scheinbefriedigt. Wie Könige fühlen sich die Leute ja auch in ihren Karossen, verhalten sich nur leider nicht wie solche, sondern wie Pöbel, der rücksichtslos alles zur Seite hupt und für Radfahrer nur Verachtung übrig hat.

Was ist Demokratie?

1918 wurde die Monarchie in Deutschland gestürzt. Das war vom Prinzip her an der Zeit, doch katastrophal, ohne Bedingungen zu schaffen (siehe hier), damit sich Kinder zu freien, selbstbestimmten und -denkenden Wesen entwickeln können. Nicht etwa edel gesinnte, geistig und moralisch hochstehende Zeitgenossen sind die Vorbilder, sondern die Raffer mit den größten Ellenbogen.

Und im Parlament? Wird dort ruhig, bedacht und sachgerecht nach der besten Lösung gesucht?

Nein, da wird geschrien, gebuht und gepfiffen, einfach weil jemand der gegnerischen (Kinder-)Bande angehört. Auch auf der Straße schreien die Leute, hören nicht zu, brüllen sich nieder. Jeder nur auf seinen Vorteil bedacht. Und dieser wilde Haufen soll nun mitregieren? Gott bewahre.

Demokratie ist die Vision einer Gesellschaft, die ohne König auskommt, weil die Menschen selbst zu Königen geworden sind – mit allem Drum und Dran. Ein Rat von Freien, von denen jeder gelernt hat, sich dem Gemeinwohl verpflichtet zu fühlen.

Als Versammlung von mündigen Bürgern ist Demokratie gedacht, wo eben nur der Mitspracherecht hat, der mündig ist.

Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr von uns nicht nur für die Strandfigur mit ihrem Schweinehund kämpfen, sondern um dem Vorbild nachzueifern, das uns Aragorn und Arven geben.

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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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