Der Mensch als Rädchen im Getriebe: vom Urknall zum Staatsapparat (6)

Wir beklagen die fortschreitende Umweltzerstörung, schaffen aber nicht, sie zu stoppen. Warum? Weil unsere Gesellschaft immer noch auf dem Irrglauben baut, die Welt sei eine Maschine, und wir Rädchen darin!

Schon in den 80ern, als ich zur Schule ging, war Umweltzerstörung ein großes Thema. Greenpeace veranstaltete spektakuläre Aktionen, der BUND lud zum Müllsammeln und die Grünen wurden stark. So viel Leidenschaft und Engagement! Doch was hat es gebracht? Warum hören wir nicht endlich auf mit Verschmutzung, Raubbau und Zerstörung – wo sich doch alle blühende Landschaften wünschen?

Gedanken haben Folgen

Auch hier, behaupte ich, liegt des Rätsels Lösung mal wieder ganz woanders.

Vertieft man sich nämlich in Wirtschaftstheorien und politische Konzepte, wird deutlich, dass der Wahnsinn Methode hat!

Ein Beispiel: wenn ein Polizist jemanden verhaften darf, dann weil unsichtbar im Hintergrund Gesetze existieren. Diese Gesetze haben sich Menschen ausgedacht, und zwar auf Grundlage der jeweiligen Rechtsauffassung.

Diese bestimmt letztlich, wie wir handeln!

Ist sie demokratisch, dann respektiert der Polizist unser Recht auf Unversehrtheit, ist sie totalitär, kommt der Knüppel aus dem Sack. Auf welcher Grundlage aber handeln heute Staat und Wirtschaft? Auch da gibt es ja Konzepte, Theorien und Modelle! Kennst Du sie? Zugegeben: sich mit Markttheorien oder Zinspolitik zu beschäftigen, ist kein Vergnügen. Extrem spannend wird es aber, wenn man sich die Frage stellt, von welchen Grundannahmen z.B. ein Adam Smith oder J.M. Keynes ausgehen.

Denn wie wir alle aus dem praktischen Leben wissen, ist die Grundeinstellung entscheidend, mit der wir z.B. an Partnerschaften herangehen. Glaubt eine Frau (vielleicht auf Grund schlechter Erfahrungen), dass alle Männer sowieso Ar… sind, wird das ihr Handeln und natürlich das Ergebnis beeinflussen.

Ähnlich ist es mit Wirtschafttheoretikern. Bei keinem der heute maßgeblichen Leute kommt der Mensch als liebendes, fühlendes und um gutes Miteinander bemühtes Wesen vor. Da gibt nur abstrakte Marktteilnehmer und Wirtschaftssubjekte.

Rädchen im Getriebe

Diese „Subjekte“, also wir alle, denkt man sich eingespannt in einen großen Mechanismus, den Markt-Mechanismus. Da verhandeln also nicht etwa gemeinschaftsfähige und -willige Wesen miteinander, und vereinbaren faire Preise. Nein, da gibt es einen übergeordneten Staats-Apparat, der z.B. Zins-Anreize setzt. Sind es die falschen Anreize, läuft die Wirtschafts-Maschinerie heiß und man muss gegensteuern.

Diese Theorien beschreiben die Gesellschaft also als große Maschine mit Warenströmen, und Menschen als Techniker, die versuchen, an den richtigen Schräubchen zu drehen.

In dieser Maschine gibt es kein brüderliches Teilen, sondern einen Umverteilungs-Mechanismus. Man höre und staune! Sind diese Ausdrücke nicht Aussage genug? Muss ich noch mehr sagen?

Wir stoßen wieder auf das gleiche Phänomen, das schon beim Darwinismus zur Sprache kam. Vor rund 400 Jahren fingen Menschen auf einmal an, gegen eine beseelte, geistgeborene und gottgetragene Weltauffassung zu rebellieren. Alles Übersinnliche wurde abgelehnt und nach einem Modell gesucht, das ohne unsichtbare Schöpfermächte auskommt.

Am Anfang war…?

So wurde Idee vom Urknall geboren! Sie besagt, dass die sichtbare Welt aus einem Klümpchen Materie entstand, das vor langer Zeit explodierte. Klar, normalerweise liegt nach einer Explosion alles in Trümmern, aber hier, so behauptet man, war diese tote Materie mit ordnenden Kräften begabt (Anziehung, Abstoßung etc.). Es brauchte also kein intelligentes, aktiv schöpfendes und gestaltendes Wesen, weil das die Kräfte ganz allein besorgten. Mit viieel Zufall und über laaange Zeiträume entstand dann schließlich der Mensch.

Das Märchen von der sich selbst zusammenbauenden Uhr oder Maschine war erfunden!

Sie inspirierte Darwin dann zu seiner Entwicklung der Arten, und Adam Smith zu seiner Theorie des freien Marktes.

Ich leugne nicht, dass es gesetzmäßig ablaufende Prozesse gibt, etwa die Flugbahn einer abgeschossenen Pistolenkugel. Aber ist der Schütze mit der Pistole vergleichbar?

Bin ich als Mensch die Summe meiner Körperteile, oder bewohne und lenke ich diesen materiellen Körper?

Und dieses „Ich“, entstammt es der physischen Welt? Bin ich das Produkt meines Gehirns, oder komme Ich aus einer höheren, übersinnlichen, geistigen Welt? Das ist die entscheidende Frage, über die nachzudenken ich Dich anregen möchte, immer wieder, aus verschiedenen Blickwinkeln.

Raus aus der Maschine

Die Zerstörung der Welt schreitet deshalb unerbittlich voran, weil unsere Vorfahren die Gesellschaft zu einer Maschine umgebaut haben, die wir Heutigen nur noch bedienen. Auf sie selbst, auf ihren Weg glauben wir aber keinen Einfluss zu haben, sind nur Erfüllungsgehilfen, kleine Rädchen im Getriebe. Diese Maschine müssen wir abschalten, und aufhören, die Gesellschaft als technisches „System“ zu begreifen.

Nicht irgendwelche Markt-Mechanismen bestimmen, wie die Reichtümer dieser Welt verteilt werden, sondern wir – als liebefähige, einsichtsfähige und verantwortungsvolle Wesen.

Gemeinsam können wir eine menschenwürdige Gesellschaft bauen. Die Grundlage ist aber, dass wir dieses Maschinendenken überwinden. Wir müssen nachdenken über den fundamentalen Unterschied zwischen schöpfenden, geistigen Wesen – und Maschinen. Dann werden wir wieder anfangen, uns auch als Menschen zu begegnen, die sich miteinander ins Einvernehmen setzen; außerhalb eines Systems, das vorschreibt, wie viel wir zu produzieren haben.

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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.