Darwinismus und die Aufgabe der Menschenwürde (5)

In westlichen Schulen wird Darwinismus noch immer als bewiesene Tatsache gelehrt. Für die meisten ist somit klar, dass wir von Affen abstammen. Wenn aber alles so klar und „wissenschaftlich erwiesen ist, warum gibt es dann immer noch heftigen Protest, z.B. von Seiten der Kreationisten? Und vor allem: was geht mich das an?

Lies bitte auch Wie objektiv ist Wissenschaft? und Raubtierkapitalismus – zur Vertierung des Menschen

Bilder wie diese sind heute oft zu sehen. Sie wecken die dumpfe Erinnerung an Schulzeiten oder den letzten Zeitungsartikel: „ach ja, der Mensch stammt vom Affen ab, das hat Darwin ja bewiesen.“ Doch ist das so?

Was wollte Darwin?

Zu Darwins Zeiten diktierte noch die Kirche, was richtig ist. Das Dogma lautete: Gott erschuf die Welt in 7 Tagen, setzte fix und fertig entwickelte Lebewesen in den Garten Eden, und das Ganze geschah vor ca. 6000 Jahren. So war das. Punkt, fertig, aus.

Nach und nach wurden die Menschen aber aufmüpfig, und stellten Fragen, z.B. warum sich diese fix und fertig geschaffenen Lebewesen auch verändern können, etwa wenn sie in eine neue Umgebung kommen wie Darwins berühmte Finken. Irgendwie passte das nicht zur offiziellen Lehrmeinung der einmaligen und unveränderlichen Schöpfung. Also suchte Darwin nach einer neuen These, und hier kommt der springende Punkt.

Darwins These von der Entwicklung der Arten schloss einen schöpfenden Gott auf einmal aus!

Am Anfang, so die These, waren Einzeller, die sich dann – mit dem Kampf ums Überleben als Motor, plus Mutation, Selektion und Anpassung – schließlich zu der Mannigfaltigkeit von Lebewesen entwickelten, die wir kennen. Gott hatte damit nichts zu tun.

Man stelle sich vor: bis zu diesem Zeitpunkt war die Existenz einer geistigen Welt kulturübergreifender Konsens, und auch, dass die darin wohnenden Wesen alles erschaffen haben. Auf einmal kommt jemand wie Darwin daher, und streitet das ab. Also nicht Gott selbst, denn er war ja ein gläubiger Mensch, aber dass dieser Gott etwas mit der Schöpfung zu tun hätte.

Eine gottlose Welt

Die Konsequenz aus dieser These ist gewaltig, denn wenn die Schöpfung ohne Gott von statten ging, dann ist unsere Existenz auch nicht mehr mit ihm verbunden.

Und wenn er uns nicht erschaffen hat, warum sollte es ihn kümmern, was wir treiben, und uns im Jenseits dafür zur Verantwortung ziehen?

Prompt wurden auch Stimmen laut, die 10 Gebote seien reine Erfindung von Mächtigen, ein Beherrschungsinstrument. Zu rauben, die Ehe zu brechen oder gar zu töten wurde auf einmal denkbar, denn das ist ja nunmal das Gesetz der Natur – zumindest oberflächlich betrachtet.

Darwins These stieß Gott vom Thron, und ließ uns Menschen in einer sinnentleerten, gottlosen Welt zurück. In scheinbar zwingender Logik degradierten wir uns von der Krone der Schöpfung zu Raubtieren, was ich im Artikel über den Raubtierkapitalismus beleuchtet habe. Die Folgen sehen wir heute überall, denn ganz offensichtlich sind alle Appelle an mehr Verantwortung gegenüber der Natur oder mehr Nächstenliebe nur noch Lippenbekenntnisse – einfach weil wir tief drinnen nicht mehr glauben, dass Gott wirklich existiert.

Eben weil die Konsequenzen so dramatisch waren, und einen völligen Bruch mit bisher Geglaubtem darstellen, drängt sich die Frage auf: wussten Darwin und seine Nachfolger mit Sicherheit, dass Gott mit der Schöpfung nichts zu tun hat, oder nahmen sie es nur an?

Waren sie als Wissenschaftler, als Wissen-Schaffende wirklich offen für die Möglichkeit, dass wir doch Gottes Geschöpfe sind?

Ich behaupte: nein, das waren sie nicht!

Kampf gegen Willkür

Sie waren voreingenommen, im Grunde aber nicht gegen Gott an sich, sondern gegen die Vorstellung eines Gottes, der irrational handelt; dessen Entscheidungen man mit dem gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehen kann. Wer aber ist für diese Auffassung von Gott verantwortlich? Na die Kirche, die stets behauptet hat, nur sie könne den unerforschlichen Ratschluss Gottes verstehen und interpretieren. In Wirklichkeit legitimierte sie damit nur ihre auf Willkür gestützte Machtpolitik.

Die Idee einer Schöpfung ohne Gott war und ist deshalb so verführerisch, weil sie einen von diesem launischen, jähzornigen Gesellen befreit. Das ist nach meinem Verständnis der eigentliche Grund für den Siegeszug der Evolutionstheorie. Auch wenn Darwinisten das hartnäckig ignorieren:

es gibt unzählige handfeste Argumente dafür, dass nicht wir vom Tier abstammen, sondern sogar umgekehrt.

Dazu an anderer Stelle mehr.

Die Antwort auf Darwin kann nicht sein, dass wir uns einfach wieder in Glauben flüchten. Viel mehr brauchen wir ein neues Denkmodell, mit der sich der entstandene Abgrund zwischen irdischer und geistiger Welt auf verstehbare Weise überbrücken lässt. Tatsächlich gibt es dieses Modell schon seit über hundert Jahren. Entwickelt wurde es von Dr. Rudolf Steiner. Bis ich Zeit finde, darauf einzugehen, ist hier Gelegenheit zur Vertiefung.

Weiter zu: Der Mensch als Rädchen im Getriebe: vom Urknall zum Staatsapparat (6. Beitrag aus „Grundlagen“)

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Thomas C. Liebl
 

Bewegungslehrer, Autor, Visionär. Mehr Infos hier.

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